You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Denkmalschutz im Labor

Dass es sich bei Architektur- und Bauforschungsprojekten nicht immer um Hightech-Projekte, um lautstarke Architekturen und expressive Eingriffe handelt, zeigt ein kleines aber nicht weniger bedeutendes Forschungsobjekt des Fraunhofer Institut für Bauphysik IBP – die winzige Frauenbergkapelle in Sufferloh im Landkreis Miesbach.

Die extremen Witterungsbedingungen des des Voralpenlandes setzen dem kleinen Baudenkmal aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stark zu, sodass die Kapelle seit den 1980er-Jahren immer wieder saniert werden muss. Bislang konnte das immer wiederkehrende Feuchteproblem in und an der kleinen Kirche nicht gänzlich behoben werden. Nachdem das IBP bereits im Jahr 2012 mit Raumklimamessungen an dem Projekt beteiligt war, untersuchen die Wissenschaftler nun das Mauerwerk.

Nach Abschluss der ersten Sanierungsarbeiten an dem kleinen Barockbau mit Steilsatteldach war die Raumluftfeuchte noch immer so hoch, dass die Einrichtung nicht wieder in der Kapelle verbleiben konnte, ohne Schaden zu nehmen. Auch eine denkmalgerechte Lehmabdichtung des Fundaments brachte nicht das erhoffte Ergebnis: erneut bildeten sich im Innenraum Algen und Schimmelpilze an den Wänden und auch der Außenputz war relativ schnell wieder in einem schlechten Zustand. In Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurde nun das Fraunhofer IBP vom Markt Holzkirchen beauftragt, die Feuchteverhältnisse des Mauerwerks genauer zu untersuchen. Dazu werden die Wissenschaftler am Objekt selbst und im Labor – anhand von Messungen und Probennahmen am Mauerwerk – den Grund für die hohen Feuchteverhältnisse ermitteln. Vor Ort können erste Anhaltswerte zum Saugverhalten des Mauerwerkputzes über ein wassergefülltes Prüfrohr bestimmt werden. Anschließend werden die Feuchtegehalte der Materialproben aus dem Mauerwerk im Labor in mehreren Schichten unterteilt und diese gravimetrisch gemessen. Damit erhält man das Feuchteprofil über den Wandquerschnitt. Mit Hilfe der im Labor gewonnenen Messwerte und den Messungen vor Ort können die Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Ursache der Mauerwerksfeuchte ziehen. Daraus erarbeiten sie dann konkrete und denkmalgerechte Vorschläge zur dauerhaften Verringerung der schädlichen Feuchte im Gemäuer sowie im Innenraum des Baudenkmales und stellen diese dem Sanierungsteam zur Verfügung.

Ebenfalls mit dem erhalt des baukulturellen Erbes befasst sich die Seminarreihe »Bauphysik in der Denkmalpflege« das Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege in Benediktbeuern. Nicht nur der Zahn der Zeit und die Witterungsbedingungen nagen an historischen Bauwerken, sondern auch immer mehr Besucher machen historischen Gebäuden zu schaffen. Während viele Gebäude durch energetische und sicherheitstechnische Sanierung der modernen Zeit angepasst werden und anschließend dem neuesten Stand der Technik entsprechen, lassen sich diese Konzepte nicht so ohne weiteres auf die historische Bausubstanz übertragen. Welche Maßnahmen zur Sanierung und zum Erhalt sind sinnvoll und auch ökologisch vertretbar? Das Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege in Benediktbeuern sucht nach innovativen und dauerhaften Lösungen für die energetische Altbausanierung und die Erhaltung historischer Gebäude durch Bündelung von Kompetenzen aus Forschung, Handwerk, Planung, Industrie und Denkmalpflege.


22. September 2017: »Klimastabilität historischer Gebäude«
17. November 2017: »Schadensvermeidung im Altbau und Baudenkmal«

Kurze Werbepause

Aktuelles Heft

DETAIL 10/2017
DETAIL 10/2017, Mauerwerk

Mauerwerk

Zum Heft

Shop-Empfehlung

Anzeige