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Dialog mit der Stadt: Joseph-Pschorr-Haus in München

Als hochfrequentierte Einkaufsmeile zwischen Stachus und Marienplatz gehört die Fußgängerzone aus Neuhauser und Kaufinger Straße in München zu den begehrtesten Geschäftslagen der Stadt. Kein Wunder, dass hier immer wieder um- und neu gebaut wird, um noch attraktivere und größere Verkaufsflächen zu schaffen. Dazu gehört auch das Joseph-Pschorr-Geschäftshaus in der Neuhauser Straße, das in der vergangenen Woche eröffnet wurde. Der Entwurf für das 100-Millionen-Euro-Projekt stammt von den Berliner Architekten Kuehn Malvezzi, die im Jahr 2010 den entsprechenden Wettbewerb gewonnen hatten.

Neuhauser Straße mit Joseph-Pschorr-Haus rechts, Foto: Ulrich Schwarz

In der Geschichte des Kaufhauses kam der Gestaltung der Fassade eine besondere Bedeutung zu, denn sie kann dessen aufwändig inszenierte Innenwelten mit dem Stadtraum in Beziehung setzen oder sie von ihm abschirmen. Beim Joseph-Pschorr-Haus in München treten städtebauliche Setzung und Fassade des Gebäudes zwar mit der Stadt in Dialog, die Innenräume stehen jedoch nahezu losgelöst vom Baukörper, da die Architekten darauf keinen Einfluss hatten.

Fassadendetail mit Blick auf die Michaelkirche, Foto: Ulrich Schwarz
Fassadendetail, Foto: Ulrich Schwarz

Auf dem Grundstück in der Neuhauser Straße befanden sich seit 1820 die Pschorrbräu-Bierhallen, nach deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ein Karstadt-Haus, das 2009 abgebrochen wurde. Der Neubau mit fünf Ober- und vier Untergeschossen ist ein Hybrid aus Wohn- und Geschäftshaus. Dass das Gebäude sich nicht als homogener Block im Stadtraum präsentiert, sondern als Ensemble, das sowohl in der Höhenentwicklung und Volumetrie als auch mit seiner Fassade auf die unterschiedlichen stadträumlichen Situationen reagiert, war ein Grund für die Prämierung des Entwurfs.

Blick in die Eisenmannstraße, Foto: Ulrich Schwarz

Zur Neuhauser Straße hin zeigt sich das Gebäude in seiner vollen Höhe mit einer Fassade aus Bronze und Glas. Deren streng vertikale Gliederung weckt Assoziationen an frühe Kaufhäuser der Jahrhundertwende – trotz der modernen Formensprache vielfach geknickter Fassadenelemente. Der rückwärtige, niedrigere Teil ist als Putzfassade teils mit klassischen Blindfenstern gestaltet, die zur kleinteiligeren Bebauung am Altheimer Eck vermittelt, selbst jedoch großformatig bleibt. Hier schwingt die Fassade leicht zurück und bietet so Raum zum Atemholen. Die Architekten schaffen damit eine Ouvertüre zum im weiteren Verlauf des Altheimer Ecks folgenden geschwungenen Straßenraum, der typisch ist für die Münchner Innenstadt. Im Übergang zwischen den beiden Bereichen auf der schmalen Eisenmannstraße wird die Hauptfassade zunächst um die Ecke geführt. Ein Versatz in der Höhe nimmt die Trauflinie der Altstadtbebauung auf, die Fassade wird zum opaken Relief, bevor sie als Putzfassade auch die Materialsprache der Altstadt übernimmt.

Ansicht Altheimer Eck, Foto: Ulrich Schwarz
Detail Putzfassade mit Wohnungsgeschossen, Foto: Ulrich Schwarz

Während die Architekten zwar die Wohnungen in den Obergeschossen planten, wurde die innenräumliche Gestaltung der Geschäftsbereiche von den Innenarchitekten der drei unterschiedlichen Einzelhändler mit einer je eigenen Wegeführung und Materialsprache entwickelt. Alle drei Geschäfte haben einen individuellen Eingang von der Neuhauser Straße aus, ansonsten wird ein Außenbezug vermieden. Im Innenbereich des Kaufhauses gehört einzig ein großer, exotisch bepflanzter Innenhof noch zum Konzept von Kuehn Malvezzi. Dieses begrünte Atrium, dessen florale Elemente sich über das Kaleidoskop-artig angeordnete Spiegelglas der inneren Fassade vervielfachen, ist jedoch auf Wunsch der Nutzer nicht begehbar.

Detail Putzfassade mit Wohnungsgeschossen, Foto: Ulrich Schwarz
Detail Innenhof, Foto: Ulrich Schwarz
Innenhof, Foto: Ulrich Schwarz
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