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Die Mutter aller Parkhäuser: Kant-Garagen in Berlin vom Abriss bedroht

Die Empörung reichte bis in die USA: Sogar der International Herald Tribune berichtete im August dieses Jahres von den Abrissplänen für die Kant-Garagen in Berlin-Charlottenburg. Das in den zwanziger Jahren nach Plänen von Richard Paulick und Hermann Zweigenthal an der Kantstaße errichtete Gebäude ist eine Ikone der Klassischen Moderne und steht unter Denkmalschutz. Sie ist eine der ersten Hochgaragen Europas. Bis heute wird sie als Parkhaus und feste Garage genutzt, im Erdgeschoss gibt es eine kleine Tankstelle und im Inneren haben sich ein paar Schrauberwerkstätten eingerichtet. Nun soll sie abgerissen werden.

Doppelhelix bzw. Rampe in den Kantgaragen

Lediglich die ursprünglich als Waschplätze vorgesehen Räume stehen leer, insgesamt ist das Haus aber in einem desolaten Zustand. Das ist auch der Grund, warum es nun zerstört werden soll: Bis in die Bewehrung habe sich das Tausalz in die Konstruktion gefressen, so ein technisches Gutachten. Die Eigentümer, die Kantgaragen Grundstücksgesellschaft mbH Pepper Immobilien will das Parkhaus aus wirtschaftlichen Gründen abreißen – viel Geld verdienen kann man mit dem Gebäude derzeit nicht, eine Sanierung wäre teuer. Dabei ist die Besonderheit der Kantgarage nicht nur eine konstruktive – die rückwärtige Vorhangfassade mit den abgerundeten Ecken –, auch typologisch ist das Gebäude - damals ein absolutes Novum - mit seiner Doppelhelix-Rampe ein dynamisches Raumerlebnis.

Außenfassade hinten

Und aus historischer Sicht ist es nahezu ein Wunder, dass das Gebäude bis heute mit fast allen Bauteilen – von den Schiebetoren der voll vermieteten Garagenplätze bis zur Wandbeschriftung – im Ursprungszustand erhalten ist. Kein Wunder ist es daher, dass das Berliner Feuilleton sofort danach rief, hier ein Museum einzurichten – aus konservatorischen Gründen, damit öffentliche Mittel fließen. Besser als die Zerstörung ist so ein architektonisches Präparat natürlich allemal, doch noch schöner wäre es, die Kant-Garagen mit all ihren echten, alltäglichen Funktionen zu erhalten – lebendig eben. (CV)

alle Fotos: Cordula Vielhauer / Detail

Richtig gute Fotos der Kant-Garagen und weitere Informationen finden Sie hier: blog.hotze.net

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