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SFP Architekten, Umbau, Stuttgart

Die Poesie des Rohen: Experimenteller Umbau von SFP Architekten

Im Hochparterre des Gründerzeitwohnhauses tut sich was. Die Räume im Stuttgarter Stadtteil Heslach haben schon eine bewegte Historie hinter sich, nun baute Oliver Sorg sie für die Eigennutzung um. Als Partner von SFP Architekten sehen seine Bauaufgaben sonst ganz anders aus: Das Büro realisiert großmaßstäbliche Büro-, Verwaltungs- und Gesundheitsbauten. Bei diesem Projekt konnte er seiner Leidenschaft für das Bauen im Bestand nachgehen.

Daraus resultiert eine besonders experimentelle Herangehensweise an diesen Entwurf. Sie kommt mit zwei baulichen Eingriffen aus, einem Wanddurchbruch und einem neuen, raumhohen Fenster. Dank ersterem entsteht ein großzügiger, fließender Raum, an dessen Ende das raumhohe Fenster für eine Verbindung zum begrünten Innenhof sorgt.

Doch die Spuren dieser Eingriffe werden nicht mit neuem Putz verdeckt, abgetragen oder unkenntlich gemacht, sondern wieder aufgegriffen, belassen oder transformiert. Sie geben den Räumen ihren Charakter, indem sie von all den vorherigen Leben erzählen. In einem Essay über den Entwurf schreibt Anja Tierfelder:

»Dieses Haus, diese Etage, die nicht umsonst »Zeitkapsel« heißt, soll ihre Geschichte selbst erzählen. So hat es sich zumindest derjenige, der sie so, wie sie jetzt ist, erdacht und gestaltet hat, vorgestellt...

Und ein Märchen ist diese Geschichte auch nicht. Eher ein Fragenkatalog, so etwas wie ein Stapel Gesprächsnotizen, ein Forschungsbericht vielleicht....
Und ganz nebenbei eine Sammlung aus dreidimensionalen Experimenten und Exponaten...«

Eines dieser Exponate ist der alte Kachelofen. Er entspricht zwar nicht mehr den Abgasnormen und wird deswegen nicht zum Heizen benutzt, aber als Zeuge hat er immer noch eine Daseinsberechtigung. In der Funktion wird er von einem selbst gemauerten Ofen ersetzt, aus den Backsteinen die beim Abbruch der Wand anfielen. Genauso ist aus den Eichenbalken des Fachwerks, geschliffen und verschraubt, eine massive Ablagefläche in der Küche geworden. An den Wänden und auf dem Boden hat die fehlende Wand ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Eine Holzplanke überbrückt die Leerstelle im epoxidharzbeschichteten Boden, an den Wänden zeigt sich ein Streifen nackten Mauerwerks. Ein neuer Träger aus alten Balken nimmt nun die Lasten auf. Derweil stapeln sich Planrollen aus der langen Praxis des Büros im Flur zu einer Trennwand hin zu den privaten Räumen.

Von besonderer Bedeutung ist die Nutzung des Hofes. Die Stahlwangen unterhalb des neuen Fensters sind schnell ausgeklappt: Mit drei Brettern belegt bilden sie eine großzügige Sitztreppe. Wird alles wieder verstaut, kann das alte, verzinkte Tor vor dem Fenster als Absturzsicherung in Position gebracht werden.

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Eine ausführliche Print-Dokumentation zum Thema »Spielen und Lernen« finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL inside 1/2018.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
INSIDE I1/2018
DETAIL inside 1/2018

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