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Die wahren Kosten der energetischen Sanierung

Nach dem Willen der Bundesregierung soll der komplette deutsche Gebäudebestand bis 2050 klimaneutral werden. Was das im Einzelnen für Sanierungskosten, Förderprogramme und künftige gesetzliche Regelungen bedeuten würde, haben nun der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und die Prognos AG in einer gemeinsamen Studie untersucht.

Die wahren Kosten der energetischen Sanierung

Hintergrund der Untersuchung sind die aktuellen Planungen der Bundesregierung: Sie hat sich in ihrem Energiekonzept vom September 2010 das Ziel gesetzt, einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 zu erreichen. Hierfür soll in Federführung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ein Sanierungsfahrplan für den Gebäudebestand entwickelt werden. In den kommenden Wochen wird das BMVBS dazu einen ersten Entwurf vorlegen.

Die Anforderungen an einen solchen Sanierungsfahrplan – wenn er denn Wirkung zeigen soll – haben NABU und Prognos AG nun gemeinsam untersucht. Ihre wichtigsten Erkenntnisse lauten:

  • Es wird teuer. Die zum Erreichen des Ziels „Klimaneutralität“ erforderlichen Sanierungen kosten viel Geld. Die erforderlichen Investitionen würden von derzeit 3,4 Milliarden Euro pro Jahr (bezogen auf ganz Deutschland) bis 2020 auf 20,8 Milliarden Euro jährlich steigen. Dem gegenüber stünden nur 11,9 Milliarden Euro Energiekosteneinsparungen pro Jahr. Die resultierende Finanzierungslücke von 8,9 Milliarden Euro jährlich müssten entweder der Staat oder die Gebäudeeigentümer tragen,
  • Fordern und Fördern kombinieren. Weder um eine Ausweitung der Förderprogramme noch um strengere gesetzliche Regelungen wird die Bundesregierung herumkommen. 8,9 Milliarden Euro allein aus staatlichen Fördergeldern (und damit aus dem Bundeshaushalt) bestreiten zu wollen, wäre ebenso illusorisch, als diese Kosten allein den Gebäudeigentümern aufzubürden.
  • Grenzwerte auch für den Gebäudebestand. Es wird nicht länger ausreichen, energetische Verbesserungen im Bestand nur von denjenigen Gebäudeeigentümern zu verlangen, die ohnehin eine Sanierung planen. Auch für Bestandsgebäude müssen daher – wie für Neubauten - Grenzwerte beim Energiebedarf eingeführt werden. Wer darüber liegt, muss innerhalb einer bestimmten Schonfrist sanieren – ob er will oder nicht. Nur so kann gewährleistet werden, dass „Energieschleudern“ nicht jahrzehntelang unangetastet weiter betrieben werden.
  • Langfristige Planungs- und Investitionssicherheit. Gerade weil Eigentümer künftig stärker zur Kasse gebeten werden als bisher, brauchen sie langfristige Sicherheit über künftige Förderhöhen und Vorschriften. Eine Politik je nach Haushalts- und Gemütslage ist nicht länger tragfähig.
Energetisches Sanieren

Darüber, wie stark die Bundesregierung ihre Förderung der energetischen Sanierung ausweiten sollte (2010) wurden dafür 1,35 Milliarden Euro an Haushaltsmitteln aufgewendet, macht die Studie keine Aussagen. Auch über die notwendigen Anforderungen der nächsten EnEV äußert sie sich nicht. Allerdings identifiziert die Studie zwei Stellhebel, mit denen sich der Gebäudebestand in Richtung Klimaneutralität bewegen ließe. Zum einen müsste die Sanierungsquote von derzeit 1% auf 2% verdoppelt werden. Zum anderen müssten äußerst ambitionierte Komplettsanierungen zur Regel werden. Ab 2030 rechnet die Untersuchung mit einer durchschnittlichen Heizkosteneinsparung von 90% bei jeder energetischen Sanierung – anders ließe sich das Ziel nicht erreichen. (Zum Vergleich: Derzeit liegt die durchschnittliche Einsparung bei energetischen Sanierungen eher bei 35%).


Download der Studie „Anforderungen an einen Sanierungsfahrplan – Auf dem Weg zu einem klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050“

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