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Die Wiederentdeckung der Gartenstadt

Eine der Kernideen der Gartenstadt – die Selbstversorgung der (Garten-)Städter mit Lebensmitteln – erlebt derzeit eine Renaissance. Das urbane Gärtnern ist zum Medienphänomen geworden und hat Einzug gefunden in die nachhaltigen Zukunftsentwürfe der Stadtplaner.

Selbst auf den Dächern von Masdar City, der CO2-neutralen Vorzeigestadt für 50?000 Einwohner in Abu Dhabi, sollen Lebensmittel in Hydrokultur-Dachgärten wachsen. Auch beim britischen Vorzeigeprojekt »One Brighton«, das wir in dieser Ausgabe von DETAIL Green vorstellen, bilden Dachgärten für die Bewohner einen wesentlichen Baustein des Nachhaltigkeitskonzepts.

Die Probleme, die die Garten-Stadt der Gegenwart zu lösen hat, haben sich seit Ebenezer Howards Zeiten gewandelt. Doch längst nicht alle Lösungsansätze sind tragfähig: Kühe auf Gründächern sehen in Renderings gut aus, stellen ihre Halter jedoch meist vor unüberbrückbare logistische (Futterversorgung) und kulturelle (Geruchsbelästigung) Probleme. Prädestiniert sind städtische Flächen dagegen für den intensiven Obst- und Gemüseanbau. Welche Faszination das Thema auf Architekten und Stadtplaner ausübt, verdeutlichen einige Projekte aus den vergangenen Jahren.

Grimshaw Architects: From Field To Fork

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Mit »From Field to Fork« haben Grimshaw Architects ein (von vornherein als utopisch gedachtes) Konzept zur Umnutzung des »British Telecom Tower« mitten in London zur »vertical farm« vorgelegt. Der 177 Meter hohe Funk- und Fernsehturm soll mit auskragenden Plattformen versehen und dort Fischtanks, Gewächshäuser, Viehweiden und rotierende Pflanzbeete für den Gemüseanbau angelegt werden. Ein eigener Schlachthof im Gebäudesockel soll das hier gezüchtete Vieh gleich soweit weiterverarbeiten, dass es auf Märkten und an Londoner Restaurants verkauft werden kann.

Front Studio: Pharmadelphia

Das Projekt »Farmadelphia« von Front Studio entstand 2006 bei einem Ideenwettbewerb für die zahlreichen Brachflächen in Philadelphia. Das New Yorker Architekturbüro schlug vor, die Areale zur landwirtschaftlichen Nutzung freizugeben. Einzelpersonen, Privatfirmen und Gartenbau-Genossenschaften könnten so für den Lebensunterhalt ihrer Angestellten und Mitglieder sorgen und die Erzeugnisse an die Stadtbewohner und die Restaurants von Philadelphia verkaufen.

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Team Agropolis: Agropolis, München-Freiham

Auch in wachsenden Städten kann Landwirtschaft eine zentrale Rolle spielen, und sei es nur in Form von Zwischennutzungen. Für Freiham, ein neues Stadtentwicklungsgebiet für 20?000 Einwohner am Stadtrand von München, hat ein Planer- und Soziologenteam das Projekt »Agropolis« entwickelt. Es sieht vor, das Areal vorübergehend zu einer »urbanen Farm« umzuwidmen. In dem Maße, in dem sich das Gebiet allmählich mit Wohngebäuden füllt, verkleinert sich die Farm sukzessive – und lebt, so die Hoffnung der Entwerfer, langfristig in Form von Gemeinschafts- und Einzelgärten fort. Vor allem soll das Projekt »Landwirtschaft« Identität und Imagebildung des am Stadtrand gelegenen und daher nicht unbedingt attraktiven Standorts fördern.

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Bohn & Viljoen Architects: Continuous Productive Urban Landscape

Eine ganzheitliche Sicht auf die Grünflächen in der Stadt vertreten Bohn & Viljoen Architects aus London mit ihrem Konzept der „Continuous Productive Urban Landscape“ (CPUL). Sie streben die Verbindung bestehender Freiflächen zu Grünkorridoren an, die neben anderen Funktionen – Verbesserung des Mikroklimas, Erholung der Stadtbewohner – auch der Nahrungsmittelversorgung dienen sollen. Für mehrere Städte, darunter London, haben Bohn & Viljoen bereits Studien erstellt, wie sich Grünkorridore in die bestehende Stadtstruktur einfügen lassen können. Daneben verdeutlichen sie ihr Konzept in regelmäßigen Abständen durch kleinformatige Installationen, aber auch durch Happenings wie etwa öffentliche Picknicks.

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Incredible Edible Todmorden

Eines der eindrucksvollsten Beispiele für Stadtentwicklung durch Gartenbau findet sich in der nordenglischen Kleinstadt Todmorden. Der deindustrialisierte und abseits der Touristenströme gelegene 15?000-Einwohner-Ort schien seine Zukunft schon hinter such zu haben, als Einheimische 2007 die Initiative »Incredible Edible Todmorden« (IET) gründeten. Die Idee: Überall in und um die Stadt – in Schulgärten, auf dem Friedhof, auf der Randbegrünung von Parkplätzen und in den Pflanzkübeln der Einkaufsstraße – sollten Einheimische Nahrungsmittel anbauen. Teils zum eigenen Verzehr, teils für Restaurants, Schulen, Altenheime und Krankenhäuser und teils als Gratis-»Giveaway« für Passanten. Das Fernziel von IET lautet, den Ort bis 2018 komplett selbst mit Nahrungsmitteln versorgen können.

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Something & Son: FARM:shop, London

Wieviel Nahrungsmittel lassen sich in einem verlassenen Ladengeschäft anbauen? Diese Frage will das Londoner Designbüro Something & Son mit ihrem temporären Projekt „FARM:shop“ beantworten. Über den gesamten Sommer hinweg wurden in dem dreigeschossigen Wohngebäude mit Ladengeschäft sowie auf dem Dach und dem dazugehörigen Parkplatz Obst und Gemüse angebaut und Nutztiere gezüchtet. Im Gebäudeinneren installierten die Designer hierzu Hydrokultur-Beete für den Salatanbau und Wasserbecken für die Fischzucht; auf dem Dach und dem ehemaligen Parkplatz lebten Hühner und Schweine. Inmitten der „Indoor-Farm“ wurde ein Café eingerichtet, die die selbst angebauten Erzeugnisse – und jene eines nahe gelegenen Bauernhofs – den Passanten servierte.

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