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Dreifacher Zugewinn – Plusenergiehaus in Mühltal

Eines der ersten Plusenergie-Sanierungsprojekte Deutschlands wurde im März im hessischen Mühltal vorgestellt. Das 'energy+Home' soll im Jahr einen Energieüberschuss von 3250 Kilowattstunden erwirtschaften.

Architekten: Lang + Volkwein Architekten und Ingenieure, Dipl.-Ing. Architekt Jürgen Volkwein
Energieplaner/Fachingenieure:
Tichelmann & Barillas Ingenieure, TSB Ingenieuregesellschaft mbH

Links Bild vom Bestand, rechts Zustand nach dem Umbau; Foto: diephotodesigner.de

Vor seiner Sanierung glich das 'energy+Home' im hessischen Mühltal Hunderten anderer Wohnhäuser in Deutschland: Baujahr 1970, 158 m² Wohnfläche, eine Ölheizung mit 5680 Litern Jahresverbrauch und ein Primärenergieverbrauch für Wärme und Strom von 408 kWh/m²a. Allein die Öltanks im Keller beanspruchten 16 m² Aufstellfläche. Die Fensterfläche betrug nur 12 % der Grundfläche – völlig unzureichend für eine adäquate Tageslichtversorgung der Wohnräume.

Heute ist das Haus eines der ersten auf Plusenergiestandard sanierten Wohngebäude in Deutschland. Auch in puncto Fläche und Tageslicht hat es hinzugewonnen. Mit zusätzlichen Dämmschichten zwischen 100 und 280 mm Stärke erreichen die opaken Hüllbauteile einen gemittelten U-Wert von 0,18 W/m²K; die dreifach verglasten Fenster kommen auf Uw=0,78 W/m²K. Die rechnerischen Transmissionswärmeverluste liegen um mehr als 80% unter denen des Altbaus. Eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung reduziert Lüftungswärmeverluste auf ein Minimum. Zusätzliche Fassaden- und Dachfenster steigern den Fensteranteil auf 34% der Geschossfläche, wodurch der Tageslichtquotient auf durchschnittlich 4% gestiegen ist. Über dem Wohn- und Essbereich wurde die bestehende Holzbalkendecke entfernt; die lichte Raumhöhe stieg so auf rund fünf Meter.

Fotos: diephotodesigner.de

Wärme für das Haus spendet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die an eine Fußbodenheizung mit 35ºC Vorlauftemperatur angebunden ist. Ihr Wirkungsgrad kann optional durch Vorerwärmung der Außenluft hinter den dunklen Faserzement-Fassadenpaneelen erhöht werden.

Für Zeiten mit sehr kalten Außentemperaturen – bei denen die Wärmepumpe ineffizient arbeitet – wurde überdies ein Holzkaminofen mit Warmwasser-Wärmetauscher im Gebäude installiert. In die Südfläche des Dachs sind 12,8 kWp Solardachziegel integriert, die jährlich rund 9900 kWh Strom liefern sollen. Das entspricht in der Jahresbilanz einem Energieüberschuss von 3250 kWh – genug, um ein Elektroauto rund 25000 km weit zu fahren.

Energiekonzept

Die Sanierungskosten beziffern die Ingenieure Tichelmann & Barillas mit 1760 €/m²; die energiebedingten Mehrkosten mit rund 32000 €. Demgegenüber steht jedoch eine Wertsteigerung des Hauses um 55000 €, vor allem durch den Zugewinn von 25 m² Wohnfläche. Dieser ließ sich realisieren, weil zum einen die Öltanks entfielen und zum anderen ehemalige Terrassen mit vergleichsweise geringem baulichem Aufwand ins Gebäude integriert wurden. So betrachtet war das Haus in Mühltal also nicht nur eine Plus-Energie-Sanierung, sondern vom ersten Moment an ein ökonomisches Gewinngeschäft.

Weitere Informationen:

Haustechnik:
Tichelmann & Barillas Ingenieure, TSB Ingenieurgesellschaft mbH
Versuchanstalt für Holz und Trockenbau Darmstadt

Messungen/Auswertungen:
Technische universität Darmstadt, Institut für Tragwerksentwicklung und Bauphysik, Fachbereich Architektur in Zusammenarbeit mit Fachgebiet Entwerfen und energieeffizientes Bauen
Institut für Trocken- und Leichtbau Darmstadt

Industriepartner:
Eternit, Grohe, Hager, Isover Saint-Gobain, Mosa. Tiles., Mawa Design, Miele
Pedotherm, Parador, Rigips, Ried&Sohn, Saint-Gobain, Serge Ferrari, Sopro, Treckentrup, Velux, Vaillant, Victoria & Albert, Weber Saint-Gobain, Wedi

Fenster und Verglasungen (3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung):
Uw=0,69 bis 0,86 W/(m²K)
Ug=0,50 W/(m²K)
Energiedurchlassgrad g = 0,52

Übersicht der Eigenschaften der Gebäudehülle:
U-Wert Außenwand mit WDVS: 0,13 W/(m²K)
U-Wert Außenwand mit Eternitbekleidung: 0,16 W/(m²K)
U-Wert Bodenplatte: 0,21 W/(m²K)
U-Wert Dach: 0,12 W/(m²K)
Uw-Wert Fenster: 0,69 bis 0,86 W/(m²K)
Ug-Wert Verglasung: 0,50 W/(m²K)
Energiedurchlassgrad g: 0,52

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