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Ein Dorf wird energetisch saniert

Das Vorhaben, rund 50 Altbauten mit über 700 Bewohnern in einem Zug energetisch zu sanieren, ist für sich genommen schon außergewöhnlich. Um so mehr, als es sich bei Neuerkerode unweit von Braunschweig um kein gewöhnliches Projekt handelt: Hier leben überwiegend Menschen mit geistiger Behinderung.

Dorf, Luftbild
Foto: Evangelische Stiftung Neuerkerode

Über 700 Menschen mit geistiger Behinderung leben in Neuerkerode bei Braunschweig in mehr als 50 unterschiedlich alten Häusern, die fast alle energetisch überholt sind. In einem Mammutprojekt hofft die Evangelische Stiftung Neuerkerode nun, bis zum Jahr 2015, den Wasser- und Stromverbrauch im Dorf um bis zu 80 Prozent zu verringern und Strom aus nachhaltigen Quellen zu gewinnen. Mit Hilfe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) will sie die energetische Sanierung aller Gebäude im Ort in Angriff nehmen.

Sanierungskonzepte wie beim normalen Hausbau kämen für die Siedlung jedoch nicht in Frage, sagt Rüdiger Becker, der Direktor der Evangelischen Stiftung Neuerkerode. „Das Zusammenspiel von energetischer Sanierung und dem Verhalten der Bewohner ist hier die große Herausforderung.“ Für jedes einzelne Haus müsse eine eigene Planung zugrunde liegen, da alle Wohngruppen mit unterschiedlich behinderten Menschen zusammengesetzt seien, die alle ein anderes Vebraucherverhalten hätten.

Die Bewohner müssen im Zuge der langfristigen Sanierungsmaßnahmen vorübergehend umziehen. Wie eine Liegenschaft von der Größe Neuerkerodes damit umgeht und welche Methode dabei angewendet werden kann, soll die nun beginnende Planung ergeben. Die Gesamtstrategie für den großen Komplex umfasst auch die zukünftige energieschonende Strom- und Wärmeversorgung für die Wohn- und Werkshäuser. Ein dezentrales Versorgungssystem, wie die bereits bestehende Biogasanlage, könne dann genutzt werden.

In Schulungen soll Bürgern und Mitarbeitern nahegebracht werden, was Energieverschwendung heißt, wie sie die Umwelt beeinflusst und wie sie selbst den Verbrauch senken können. „Bei diesem Projekt wird nicht an den Nutzern vorbeisaniert. Sie werden integriert, damit sie den verantwortungsvollen Umgang mit Energie verstehen können“, sagt der stellvertretende DBU-Kuratoriumsvorsitzende Helmut Jäger.

Bei einer jährlichen Rechnung für Strom und Wärme von 1,3 Millionen Euro könne die vangelische Stiftung beim Erreichen ihres ehrgeizigen Zieles in 2015 viel Geld sparen, so Jäger. Geld, das für die Refinanzierung der Sanierung eingesetzt werden könne. „Auch für rund 100 vergleichbare Einrichtungen im ganzen Land könnte das Energieeinsparpotenzial enorm sein“, sagte Jäger. Die zu entwickelnde Methodik lasse sich sogar auf ganze Kommunen in Deutschland übertragen.

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