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Brüssel, Gare Maritime, Neutelings Riedijk architecten, Bureau Bouwtechniek

Ein Hauch von Ramblas: Gare Maritime in Brüssel

Als es in Europa noch Zollgrenzen gab, war das 37 ha große Tour & Taxis-Gelände im Westen von Brüssel lange Zeit der größte Warenumschlagplatz der belgischen Hauptstadt. Die 1902-1907 errichtete Gare Maritime zählte zu Europas größten überdachten Güterbahnhöfen. Nachdem 2001 ein Konsortium aus drei Immobilienentwicklern das ganze Areal aufkaufte, brach auch für den Bahnhof ein neues Zeitalter an. Doch was tun mit der 276 x 138 m großen, siebenschiffigen Halle, die zwar nicht unter Denkmalschutz stand, deren Erhaltungswürdigkeit aber über jeden Zweifel erhaben war?

Die Antwort haben nun Neutelings Riedijk und ihr Partnerbüro Bureau Bouwtechniek gegeben: Im Auftrag des Developers Extensa fügten sie dem einstigen Bahnhof zwölf dreigeschossige Massivholzbauten mit Büro- und Ladenflächen ein, die durch offene, skulpturale Flucht- und Verbindungstreppen aus Eichenholz verbunden sind. Die Einbauten befinden sich größtenteils in den vier äußeren Schiffen. Die mittleren drei bilden eine öffentlich zugängliche Indoor-Esplanade, die die Architekten mit den Ramblas von Barcelona vergleichen und die die Landschaftsplaner des Büros Omgeving mit zehn Themengärten gestaltet haben.

Anders als es bei „Haus-im-Haus“-Konzepten oft der Fall ist, bildet bei der Gare Maritime die historische Bausubstanz zugleich die thermische Hülle. Dafür wurde sie unter Federführung von Jan de Moffarts Architecten aufwändig saniert und gut gedämmt, um den ambitionierten Brüsseler Energievorschriften zu genügen. Außen ist das Dach mit 17.000 m2 Photovoltaikmodulen belegt, die das Gebäude rechnerisch zum Nullenergiehaus machen. Innen jedoch ließen die Architekten die historische Holzverkleidung der Dachflächen abnehmen, sandstrahlen und neu auf die schlanken Dreigelenkrahmen auf Stahl aufbringen, die die Hallen tragen. Um auf einen außen liegenden Sonnenschutz in den Büroetagen verzichten zu können, bestehen die dreifach verglasten Fenster dort aus elektrochromem Glas, das sich sensorgesteuert automatisch verdunkelt. Für eine energieeffiziente Beheizung und Kühlung sorgen zehn Erdsonden, eine Wärmepumpe und eine adiabatische Zuluftkühlung. Auch an den späteren Rückbau haben die Architekten gedacht. So sind in den Holzeinbauten die Brettschichtholzträger und die Brettsperrholzdecken nicht miteinander verklebt, sondern nur verschraubt. Das brachte nicht nur Vorteile im Sinne der Kreislauffähigkeit, sondern auch für die Logistik, da es in den historischen Hallen nicht möglich war, mit schweren Transportfahrzeugen und Kränen zu rangieren.

Weitere Informationen:

Landschaftsarchitektur: Omgeving
TGA-Planung: Boydens
Brandschutz: FPC

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