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Ein See als Lagerhaus

Die geflutete Wasserfläche mit Steg erinnert eher an ein Luxusdomizil als ein Möbelhaus. Alle Fotos: Markus Hauschild, Bolles+Wilson

Die Erweiterung des Lager- und Distributionszentrums der Hauptgeschäftsstelle eines Münsteraner Möbelhauses um 7.000 Quadratmeter mutet zunächst recht konservativ an. Spannend wird es allerdings im oberen Stockwerk...

Das neue, rechteckige Gebäude grenzt direkt an den Vorgängerbau aus Aluwellblech von 1992. Die zweigeschossige, 60 x 66 m große “Big-Box” ist – wie für Gewerbearchitektur üblich – auf ein regelmäßiges Raster aus vorgefertigten Stützen, Trägern und weit gespannten Deckenplatten reduziert; die Fassade besteht aus einem standardisierten Porenbeton-System. Die Vertikalität wird durch einen pyjamastreifigen Farbanstrich und verzinkte Gitterroste betont. Sämtliche Öffnungen und notwendige Rauchabzugsvorrichtungen werden von den Gitterroststreifen verdeckt. Auf diese Weise entsteht ein durchgängiger Farbvorhang.

Auf den ersten Blick wirken dieses Lagergebäude und auch die 1.500 Quadratmeter große Bürofläche über den Anlieferungsdocks sehr präzise, aber relativ konventionell. Eine große Überraschung erlebt der Besucher jedoch bei seiner Ankunft in den oberen Besprechungszimmern und Geschäftsleitungsbüros – durch einen Feuerwehreinsatz (choreografierter Alarm) wurde die Dachfläche zu einem 45 x 65 m großen reflektierenden Pool geflutet.

Frontansicht des Lagerhauses. Foto: Rainer Mader, Bolles+Wilson
Blick über den Steg

Das Randdetail wurde bis zur Unsichtbarkeit nivelliert und steigert hierdurch die metaphysische Unwirklichkeit dieses „Sky Reflector“. Unterwasserschwellen bilden Segmente, die Mini-Tsunamis verhindern sollen; der Wasserüberlauf wird in unsichtbaren Schwallwasserrinnen gesammelt und in eine Zisterne geleitet. Ein „Boardwalk“ aus Holz ist der großformatigen Schiebe-Glasfassade vorgelagert. Von hier aus erstreckt sich ein Steg bis in die Mitte der Wasserwelt – der Besucher sitzt von geometrischen Bambushainen umgeben. Hier reflektiert erneut die nach Süden gerichtete Glasfront des Dachpavillons das sich kräuselnde Wasser. Die Fassade selbst wird durch eine auskragende Stahl-Pergola verschattet, an deren äußerster Kante ein Vorhang aus Sonnenlamellen hinunter gleitet.

Aus dieser Überlagerung von innen und außen, von Natürlichem und Künstlichem, von direktem und reflektiertem Licht entsteht eine einzigartige Atmosphäre, die an ein industrialisiertes japanisches Teehaus erinnert.

Der Grundriss des 2. Obergeschosses. Zeichnung: Bolles+Wilson
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