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Emanzipation und Schönheit: Ritz Ritzer von bogevischs buero über die Vergangenheit und die Zukunft der Architektur im Jahr 2080

Utopie und Unbefangenheit sind für Ritz Ritzer Charakteristika der Architektur der 60er-Jahre. Zum Geburtstag von Detail erläutert der Gründungspartner von bogevischs buero seine Wünsche für ein neues Selbstverständnis der Disziplin im Jahr 2080.

Was haben uns die 60er-Jahre in der Architektur hinterlassen?
Die 60er sind bestimmt von der Emanzipation von der Einfachst-Architektur der Nachkriegsjahre (mit hervorragenden Ausnahmen). Von einer neuen Offenheit gegenüber Konstruktion und Materialität, mit freiem Geist für neue Räume! Der Brutalismus kommt zu neuer Blüte, strukturalistische Modelle schaffen sich Raum und ganz außergewöhnliche Projekte wie die Olympiabauten und das Olympische Dorf in München werden in den 60ern erdacht. Welch herrlich utopische Unbefangenheit! 
 
Wann sind Sie Detail zum ersten Mal begegnet?
Mitte der 1980er-Jahre im Rahmen meines ersten Büropraktikums. Da waren die Hefte ein trockener, nüchterner, wertvoller Fundus konstruktiv richtiger Details. Manch ein dokumentiertes Beispiel war vielleicht nicht auf der gestalterischen Höhe der Zeit. Das hat sich dann sehr verändert und Detail wurde zu dem, was ich heute so an der Zeitschrift schätze: eine der besten Fachpublikationen zur Architektur, immer am Puls der Zeit, mit Beispielen aus nah und fern, mit alternativen Betrachtungsweisen zu verschiedenen Leitthemen, als (Print-) Medium gerne zur Hand genommen. Bitte weiter so! 
 
Wo glauben Sie steht die Architektur in 60 Jahren?
Muss sie nicht zu dem zurückfinden, was sie über viele Jahrhunderte war? In Zeiten, als Ressourcen und Energie nicht unerschöpflich verfügbar zu sein schienen? Ein kleines Stück des Weges sind wir schon gegangen, weg von Selbstdarstellung, weg von Abschreibungsmodellen und kurzfristig gedachten Rendite-Projekten. Ich wünsche mir mehr Vernunft, mehr Wirtschaftlichkeit im langfristig gedachten Sinne, und: mehr Schönheit für die Menschen im gebauten Raum. Das Utopische an der 2080-Utopie wird sein, dass sie anders daherkommt als die von 1960: leiser und umsichtiger, denke ich.

Ritz Ritzer arbeitet als Gründungspartner von bogevischs buero architekten & stadtplaner seit über 25 Jahren erfolgreich an Wohnbauprojekten, Sozial- und Gewerbebauten, sowie städtebaulichen Planungen. Die Projekte von bogevischs buero wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Städtebaupreis 2016, dem Nachhaltigkeitspreis 2017 und dem Preis des Deutschen Architekturmuseums DAM 2018. Ritzer studierte an der TU München und an der E.T.S.A.B Barcelona. Er ist Mitglied im Werkbund Bayern, dem BDA und in verschiedenen Gestaltungsbeiräten. Heute forscht er an Strategien zur nachhaltigen Entwicklung urbaner Strukturen und Lebensräume und ist Mitglied im Temporären Gestaltungsbeirat der BYAK und im Gestaltungsbeirat der Stadt Ulm.

Ritz Ritzer von bogevischs buero über die Vergangenheit und die Zukunft der Architektur im Jahr 2080, Foto: Frank Bauer
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
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