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Energetische Bildungsreform

Bayern will seine Hauptschulen nach und nach abschaffen. Die Josef-Zerhoch-Hauptschule in Peißenberg wird künftig als Mittelschule weitergeführt. Im Zuge dessen soll auch das 40 Jahre alte Schulgebäude – ein brutalistischer Betonbau – auf Passivhausniveau saniert werden.

Energetische Bildungsreform
kplan AG

Die Hauptschule hat ausgedient – vor allem in Bayern. „Mittelschule“ heißt fortan der neue Schultyp, der auch die Jugendlichen in Peißenberg künftig in den Schwerpunktbereichen Wirtschaft, Technik und Soziales auf das Berufsleben vorbereiten soll. Im Zuge der Umwidmung wird auch der Schulbau aus dem Jahr 1971, in dem zuletzt noch 388 Schüler lernten, grundlegend saniert.

Das Gebäude ist Teil eines Schulzentrums mit Grund-, Haupt- und Realschule sowie einem umfangreichen Sportzentrum, das einen Bäderpark, eine Eissporthalle, ein Stadion und zwei Sporthallen umfasst.

Josef-Zerhoch-Hauptschule in Peißenberg
kplan AG

Die Aula als neues Zentrum
Weder konstruktiv noch funktional entsprach der Schulbau noch den Anforderungen unserer Zeit. Selbst der Haupteingang lag im Grunde auf der „falschen“, der Straße abgewandten Seite. Dementsprechend setzten die Generalplaner der kplan AG mit ihrem Umbaukonzept bereits beim Raumprogramm an. Der Eingang wird zur Straße hin verlegt; außerdem entsteht eine 340 Quadratmeter große , zweigeschossige Aula samt Küche, die künftig das kommunikative Zentrum der Schule bilden soll.

Als vorteilhaft für die Umgestaltung erwies sich die Skelettbauweise der Schule mit großen Spannweiten bis über 12 Metern. Die Bestandsfassaden mit ihren Betonfertigteil-Brüstungen wirken zwar massiv, waren jedoch nichttragend und daher relativ leicht auszuwechseln. Bei der Umgestaltung legten die Planer Wert darauf, den Baukörper zu „glätten“ und Vor- und Rücksprünge zu entfernen, um ein besseres A/V-Verhältnis zu erreichen.

Im Gebäudeinneren sollen die zweibündigen Flure durch Nischen, Tageslicht und Aufenthaltszonen aufgewertet werden. Auch in den Klassenzimmern war durch neue Lehrformen und neue Ausstattungselemente wie zum Beispiel White Boards dringender Umgestaltungsbedarf gegeben. Künftig ermöglichen verglaste Ausschnitte in den Flurwänden direkte Einblicke in die Klassenzimmer.

Schulgebäude der Josef-Zerhoch-Hauptschule
kplan AG

Zielmarke: Passivhaus
Wärmeschutz und Heiztechnik der Schule waren gleichermaßen desolat. Um hier Abhilfe zu schaffen, werden die Fassaden und Fenster komplett erneuert; ferner soll das Gebäude an das bereits bestehende Nahwärmenetz des Schulzentrums angebunden sowie eine flexible Lüftungsanlage installiert werden. Dabei werden die Räume tagsüber zentral über Lüftungskanäle be- und entlüftet. Zur Nachtkühlung werden hingegen Fassadenöffnungen herangezogen, durch die kühle Außenluft ins Gebäude einströmen und sich dort – ohne Kanalnetz - frei verteilen kann.

Insgesamt, so die Berechnungen, wird der Heizwärmebedarf der Schule so um satte 87 Prozent auf 14 kWh/m²a sinken – das entspricht Passivhausniveau. Der Primärenergiebedarf wurde mit 58 kWh/m2a; dies ist weniger als halb so viel wie der EnEV-Referenzwerts für das Gebäude (127 kWh/m²a). Den Strombedarf der Schule soll unter anderem eine neue Photovoltaikanlage auf dem Dach decken, die 50.000 Kilowattstunden Solarstrom im Jahr liefert.

 

Neue Fassade
kplan AG

Die Ökobilanz gab den Ausschlag
Neben der Betriebsenergie gilt bei der Sanierung – die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit 400.000 Euro gefördert wird – auch ein besonderes Augenmerk der „Grauen Energie“ in den verwendeten Baumaterialien. Sie soll mindestens 30% geringer ausfallen als bei einem vergleichbaren Standardgebäude. Für wichtige Bauelemente stellten die Planer daher Variantenvergleiche an. Dabei wurden sowohl die Lebenszykluskosten (einschließlich Instandhaltung und Reinigung) berechnet als auch eine Ökobilanz erstellt.

Die Ökobilanz gab den Ausschlag

Bei den Fassaden wurden zum Beispiel eine Variante aus vorgefertigten Holz-Leichtbauelementen sowie eine gemauerte Kalksandsteinwand miteinander verglichen. Beide erreichen U-Werte von 0,12 bis 013 W/m²K und kosten im Lebenszyklus ähnlich viel. Die Holzelementfassade verbraucht jedoch weit weniger Energie für Herstellung, Instandsetzung und Entsorgung. Folglich wird sich die Josef-Zerhoch-Schule künftig in ein neues „Kleid“ aus vorgefertigten Holzrahmenelementen hüllen. Sie erhalten eine 28 Zentimeter starke Wärmedämmung und neue Aluminiumfenster.

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