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Energieberatung - jetzt auch bei Tchibo

Bedarfsorientierter Energieausweis für 69 Euro, Wärmebildaufnahmen für 129 Euro, individuelle Vor-Ort-Energieberatung für 759 Euro – das sind die Kampfpreise, mit denen der Kaffeeröster Tchibo in den Markt für Energieberatung drängt. Die Konkurrenz ist alles andere als begeistert: „Wenn Tchibo Energieberatungen verkauft, verkaufen wir Kaffee“, sagt etwa der Energieberaterverband GIH Baden-Württemberg.

Wieder einmal begibt sich der einstige Kaffeeröster Tchibo vermeintlich auf Abwege – und bleibt dabei doch seinem Prinzip treu, in all jenen Marktsegmenten zu „wildern“, in denen sich Geld verdienen lässt. Jetzt also auch die Energieberatung: Seit 11. August bietet Tchibo über seine Website sowie in 900 Filialen drei unterschiedliche Dienstleistungen von der Thermografie-Aufnahme bis zur ausführlichen Vor-Ort-Beratung an.

Energieberatung vom Kaffeekonzern?

Natürlich hat Tchibo hierfür nicht eigens Experten angestellt, sondern fungiert lediglich als Zwischenhändler. Dientleister ist die EcoUnion AG, die von sich selbst auf ihrer Website schreibt: „ Die börsennotierte EcoUnion AG ... mit Sitz in Stuttgart betreibt und entwickelt trendsetzende und innovative Applikationen im Bereich Energieeffizienz. EcoUnion ist einer der führenden Anbieter von internetbasierter Energieeffizienz-Software sowie Energieausweisen und hochqualitativen Gebäudethermografien für Massenmärkte.“

Für 69 Euro erhält der Kunde über Tchibo zum Beispiel einen bedarfsorientierten Gebäude-Energieausweis nach EnEV und für 129 Euro „ fünf qualitativ hochwertige Thermografiebilder der Gebäudeaußenhülle sowie einen Kurzbericht, der auch online einsehbar ist.“ Für 759 Euro bieten Tchibo und EcoUnion eine „ Individuelle Vor-Ort-Energieberatung inkl. Anfahrt: Alle energierelevanten Bereiche wie Heizungen, Wärmedämmung, Fenster etc. werden von einem qualifizierten Energieberater überprüft. Beratung über staatliche Zuschüsse und mögliche Förderprogramme inklusive. Ein ausführlicher schriftlicher Beratungsbericht sowie konkrete Modernisierungsmaßnahmen runden diese Serviceleistung ab.“

Das Kooperationsmodell Tchibo/EcoUnion wird allerdings noch komplizierter: Da die Vor-Ort-Beratung nicht zum Kerngeschäft von EcoUnion gehört, wickelt das Unternehmen diese über einen weiteren externen Dienstleister ab. Dieser ist derzeit dabei, ein Netzwerk von BAFA-anerkannten Energieberatern zu knüpfen, die die Tchibo-Aufträge abwickeln sollen.

Die Interessensverbände der Gebäude-Energieberater reagieren derweil verstimmt auf die Tchibo-Konkurrenz. Natürlich sei es prinzipiell vorteilhaft, wenn durch Tchibo zusätzliche Endverbraucher an die Energieberatung herangeführt würden, sagt etwa Dieter Bindel, Vorsitzender des Verbandes Gebäudeenergieberater, Ingenieure, Handwerker e.V. (GIH) Baden-Württemberg. Bindel ist skeptisch, ob für den einzelnen Energieberater, der bei dem Tchibo-Geschäft nur als Sub-Sub-Subunternehmer auftritt, von den 759 Euro nach Abzug der Mehrwertsteuer und der Provisionen für alle „Zwischenhändler“ noch ein adäquates Honorar übrig bleibt. Ferner verweist Bindel auf die notwendige Vertrauensbeziehung zwischen Kunde und Energieberater, die bei der anonymen Vermittlung durch Tchibo/EcoUnion kaum gegeben sei.

Kaffee vom Energieberater

Der GIH Baden-Württemberg hat inzwischen auf kreative Weise auf die neue Konkurrenz reagiert: Er bietet seinen Mitgliedern ab sofort fair gehandelten Kaffee aus ökologischem Anbau zum Selbstkostenpreis an. „Die Verpackung (des Kaffees) bietet Platz für eigene Etiketten, so dass dieser ideal auch als Werbepräsent Ihrer Firma eingesetzt werden kann“, heißt es in einer Rundmail des Verbandes.

zur Meldung des GIH Bundesverbandes

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