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Energieeffizienz auf neuen Wegen: Solar Decathlon 2014 in Versailles

Vom 28. Juni bis 14. Juli 2014 findet in Versailles der „Solar Decathlon Europe“ statt – mit dreifacher deutscher Beteiligung: Studententeams aus Frankfurt, Berlin und Erfurt präsentieren zum Wettbewerb Prototypen selbstversorgender Einfamilienhäuser und Dachaufstockungen. Wir stellen die Entwürfe in den kommenden Wochen in loser Folge vor und starten mit dem Konzept „Rooftop“  aus Berlin.

Solar Decathlon Europe 2014, Rendering Luftbild, Schlosspark von Versailles
Schlosspark von Versailles, Rendering: Solar Decathlon Europe 2014

Ein symbolträchtigerer Austragungsort für den Solar Decathlon 2014 hätte sich kaum finden lassen: Der Architekturwettbewerb, bei dem 20 Studententeams aus drei Kontinenten darum wetteifern, wer das beste energetisch selbstversorgende Wohngebäude entwirft und baut, wird in der ersten Julihälfte am Rand des Schlossparks von Versailles ausgetragen. Der „Sonnenkönig“ Louis XIV. und sein Landschaftsarchitekt André Le Nôtre lassen schöne Grüße ausrichten.

Der Solar Decathlon Europe ist der hiesige „Ableger“ des 2002 vom US Department of Energy initiierten Studentenwettbewerbs, der nachhaltiges Entwerfen, Innovation und ein gerüttelt Maß an Praxisbezug in der Architekturlehre verankern will. Die Studierenden müssen nicht nur ein voll funktionsfähiges Wohnhaus im Plusenergiestandard entwerfen, sondern es auch mithilfe von Sponsoren finanzieren, den Transport der Materialien zum Austragungsort organisieren und das Haus schließlich binnen zwei Wochen vor Ort errichten.

Rund 150 Studententeams aus aller Welt haben sich bisher an den sechs US-amerikanischen und zwei europäischen Solar Decathlons beteiligt. Die Publikumsresonanz ist jedes Mal groß: Auch 2014 werden 300000 Besucher auf dem Veranstaltungsgelände „La Cité du Soleil“ in Versailles erwartet. Dennoch war das Wettbewerbsthema – frei stehende Einfamilienhäuser für zwei Personen mit rund 70 Quadratmetern Wohnfläche – in den vergangenen Jahren zunehmend in die Kritik geraten: Mochten sich damit auch hübsche, endverbrauchertaugliche und fotogene „Traumhäuser“ gestalten lassen, so gibt dieser Bautypus doch auf kaum eine der derzeit drängenden Fragen – wie gehen wir mit dem Gebäudebestand um, welche Wohnmodelle sind für die hoch verdichteten Metropolen der Zukunft tragfähig? – eine Antwort.

Die französischen Ausrichter haben hierauf reagiert und sich bei der Vorauswahl der 20 Wettbewerbsbeiträge an sechs neuen Kriterien orientiert: Die Entwürfe sollten „dichtetauglich“ sein, den Faktor Mobilität berücksichtigen (etwa in Form von E-Autos oder E-Bikes), innovativ und zugleich bezahlbar sein. Das fünfte Kriterium lautet Suffizienz, also Einschränkung des Energiebedarfs. Schließlich kann ein Gebäude noch so gut gedämmt sein und die Solarzellen auf dem Dach noch so viel Strom liefern – wenn im Haus zu viel Strom verbraucht wird, laufen diese Bemühungen ins Leere beziehungsweise das Erreichen des Plusenergiestandards wird unwirtschaftlich.

Am schwierigsten dürfte das sechste Kriterium zu erreichen sein: Die Häuser sollen nicht nur im Klima von Versailles funktionieren, sondern in puncto Baukonstruktion und Typologie auch die Gegebenheiten ihrer Ursprungsregion berücksichtigen. Man darf gespannt sein, wie insbesondere die Teams aus Übersee (darunter Costa Rica, Indien und Taiwan) diesen Spagat bewältigen werden.

Das Konzept „Rooftop“ aus Berlin
Den neuen Wettbewerbsregularien folgend, haben die beiden deutschen Teams aus Frankfurt und Berlin keine freien Einfamilienhäuser entworfen, sondern modulare Dachaufstockungen für Deutschlands Innenstädte. Der Entwurf „Rooftop“ der Hochschule der Künste (UdK) und der Technischen Universität (TU) Berlin etwa geht speziell auf die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt ein, wo in den vergangenen Jahren Preissteigerungen und Gentrifizierung an der Tagesordnung waren. Mithilfe von Dachaufstockungen, so die Hoffnung der Studenten, ließen sich in der Hauptstadt noch mehrere Zehntausend Wohnungen schaffen, ohne dass damit zusätzliche Landschaftszersiedelung verbunden wäre.

Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Rendering Straßenseite
Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Rendering Straßenseite, Grafik: Team Rooftop, UdK Berlin & TU Berlin
Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Rendering Hinterhof
Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Rendering Hinterhof, Grafik: Team Rooftop, UdK Berlin & TU Berlin

„Rooftop“ setzt auf das oberste Geschoss eines typischen Berliner Gründerzeithauses auf, dessen Dachstuhl zuvor abgetragen wurde. Herzstück des Dachaufbaus ist ein vorgefertigtes, sogenanntes „Core-Module“, das WC, Bad und Küche enthält und an den bestehenden Steigschacht des Gebäudes angedockt wird. Auch ein großer Teil des Mobiliars – allen voran der Stauraum im Haus – ist in diesem Modul integriert. Die restlichen Wohn- und Schlafzimmer bieten dadurch eine große Freiheit bei der Grundrissgestaltung.

Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Core-Module, Schnitt
Konzept „Rooftop“, Core-Module, Schnitt, Grafik: Team Rooftop, UdK Berlin & TU Berlin
Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Core-Module, Perspektive
Konzept „Rooftop“, Core-Module, Perspektive, Grafik: Team Rooftop, UdK Berlin & TU Berlin
Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Core-Module, Grundriss
Konzept „Rooftop“, Grundriss, Grafik: Team Rooftop, UdK Berlin & TU Berlin
Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Core-Module, Längsschnitt
Konzept „Rooftop“, Längsschnitt, Grafik: Team Rooftop, UdK Berlin & TU Berlin
Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Core-Module, Querschnitt
Konzept „Rooftop“, Querschnitt, Grafik: Team Rooftop, UdK Berlin & TU Berlin

Die Fassaden und das Dach von „Rooftop“ bestehen aus flächigen, gleichfalls vorgefertigten Elementen in Leichtbauweise und sind außen vollflächig mit Photovoltaikmodulen bestückt. Der besondere funktionale und gestalterische Clou ist bei diesem Haus die auffaltbare Fassade, die auf die starken Temperaturschwankungen in unseren Breiten reagiert. Tagsüber und im Sommer öffnet sie sich; die zu Vordächern aufgefalteten PV-Module maximieren dann die zur Stromerzeugung genutzte Fläche und spenden zugleich Schatten. Nachts und im Winter wird die Fassade hingegen geschlossen und legt sich als zweite, wärmedämmende Hülle um das Rooftop-Haus.

Solar Decathlon 2014, Konzept „Rooftop“, Core-Module, Perspektive
Konzept „Rooftop“, Perspektive, Grafik: Team Rooftop, UdK Berlin & TU Berlin


Weitere Informationen

Solar Decathlon 2014: http://www.solardecathlon2014.fr/en/
Team „Rooftop“ der TU/UdK Berlin: https://www.facebook.com/teamrooftop

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