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DGT Architects, Estnisches Nationalmuseum Tartu, Foto Takuji Shimmura

Entrée in vergangene Zeiten: Estnisches Nationalmuseum in Tartu

Das Grundstück hatten DGT Architekten beim ausgeschriebenen Wettbewerb 2006 anders als vorgesehen  selbst gewählt, weil es ihrer Auffassung nach thematisch und konzeptuell besser zur Bauaufgabe passte. Eine alte verlassene Landebahn aus Zeiten der sowjetischen Besetzung gab den Ausschlag. In diese ohnehin dramatische Kulisse implantierten sie einen gläsernen, langgestreckten Baukörper mit leicht geneigtem Dach, der den Aufbruch aus einer dunklen Vergangenheit in eine bessere Zukunft verkörpern soll.

Der Entwurf aktiviert den vorher leeren und verlassenen Raum und schafft eine Art Hülle um den historischen Ort. Der Landeplatz wird damit zugänglich und zu einem öffentlichen Raum, den das überwiegend eingeschossige Gebäude in Längsrichtung verlängert. Als Verbindungsstück zwischen Stadt und Umland spannt der Körper sich über einen kleinen Bach hinüber durch das Tal und bildet eine brückenartige Halle, die flexibel immer wieder neu geteilt und organisiert werden kann.

Die bedruckten, von innen transparent erscheinenden Glasfassadenelemente bilden den Hintergrund für die Exponate. Gleichzeitig geben sie bewusst inszenierte Blicke in die estnische Landschaft frei. Von außen betrachtet, schützen sie vor Sonneneinstrahlung und machen den Glasriegel zu einer uneinsichtigen, transluzent leuchtenden Skulptur. Der Entwurf lässt die Umgebung weitgehend unangetastet, um deren authentische Charakteristik zu bewahren. Noch erhaltene Garagen wurden in das Museumskonzept integriert und zu Shops, Cafés und Bars transformiert. Das geneigte Dach kragt am höchsten Punkt großzügig aus und formt an der Querseite des Riegels zusammen mit den beiden schräg gestellten Fassadenelementen eine trichterförmige Eingangssituation mit Sogwirkung.

Mit seiner dramatischen und historisch anspielungsreichen Interpretation der Umgebung kann das estnische Nationalmeuseum als eine Art Skulptur gelesen werden, die indirekt die Historie, sowie bildlich die Unabhängigkeit einer Nation symbolisiert. Obwohl Estland bereits 1991 seine Unabhängigkeit zurückgewann, scheint das Museum mit seinen rund 140.000 Exponaten diese einzigartige kulturelle Historie nun schlussendlich auch architektonisch zu repräsentieren und aufzuarbeiten.

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weitere Informationen:

Planungszeitraum: 2006 - 2016
Fläche: 34 000 m²
Raumprogramm: Ausstellungsräume, Konferenzraum, Öffentliche Bibliothek, Schulungsräume, Büros, Auditorien

Fotos:
Takuji Shimmura

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