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Ausstellung „urbainable – stadthaltig“ in Berlin, Foto: Erik-Jan Ouwerkerk

Facetten der Zukunftsstadt: Ausstellung „urbainable – stadthaltig“ in Berlin

Der Begriff der „europäischen Stadt“ wird gern unter dem Vorzeichen der Bewahrung, ja des Rekonstruktionismus vereinnahmt. Dabei waren Europas Städte stets wandelbar und sind es auch heute noch. So lautet das Credo der drei Kuratoren, die die neue Ausstellung „urbainable – stadthaltig“ in der Berliner Akademie der Künste auf die Beine gestellt haben: Matthias Sauerbruch, Vorsitzender der Sektion Baukunst, sein Stellvertreter Jörn Walter und Tim Rieniets, Professor für Stadt und Raumentwicklung an der TU Braunschweig.Die aktuelle Schau ist die vierte in einer Reihe großer Ausstellungen, die sich seit 2011 an der Akademie mit der Stadtentwicklung befasst hatten. Vorangegangen waren „Die Wiederkehr der Landschaft“ zum Verhältnis von Stadt und Land, „Kultur:Stadt“ zur Rolle großer Kulturbauten sowie „Demopolis“ zur Zukunft öffentlicher Stadträume in Zeiten von Social Media.

Vorbild Architekturbiennale
34 Mitglieder der Akademie und ihre Gäste – darunter Architekten, Stadtplaner, Ingenieure und Designer – haben zu der Ausstellung beigetragen. Und ein Fotograf: Die Ouvertüre von „urbainable – stadthaltig“ bildet eine Installation aus gut 70 Aufnahmen von Erik-Jan Ouwerkerk aus Berlin, die die Kontraste und unerwarteten Situationen, die Europas Städte prägen. Die Kuratoren haben sie um ebenso viele kurze Wissenshappen ergänzt – etwa dass in Europas Städten mittlerweile mehr Wildtierarten leben als auf dem Land.
Den zweiten, größeren Teil der Ausstellung bilden 34 Kojen mit den Beiträgen der Mitglieder. Von ihrer ursprünglichen Absicht, den Ausstellungsparcours nach Themen einzuteilen, nahmen die Kuratoren angesichts der Vielfalt der Arbeiten später Abstand. Eher bildeten die Architekturbiennalen in Venedig ihr Vorbild, wo ebenfalls sehr unterschiedliche Reflexionen und Entwürfe lose unter einem thematischen Dach zusammenfinden. So befasst sich etwa Regine Keller mit dem Wert des Bodens als Ressource, Gigon/Guyer zeigen Studentenarbeiten zum kreislauf- und klimagerechten Bauen und Thomas Auer hat einen Raum geschaffen, in dem mit künstlichen Mitteln das Klima von Rom erzeugt. Glaubt man den Prognosen der Klimawissenschaftler, soll dieses schon bald in Berlin herrschen – in der italienischen Hauptstadt wird es dann noch heißer und trockener.

Lernen aus Corona?
Die Ausstellung ist noch vor der Corona-Pandemie entstanden. Welche neuen Einsichtenhaben uns Lockdown und Wiederaufbauprogramme gebracht? Vor allem zwei Dinge, sagt Matthias Sauerbruch. Zum einen ist Corona (hoffentlich) irgendwann Geschichte, die Herausforderung Klimawandel wird jedoch bleiben. Und zum anderen haben Politik und Gesellschaft in der Krise eine Handlungsfähigkeit bewiesen, die auch in der Klimakrise wünschenswert wäre. Sauerbruch zeigt sich hoffnungsvoll, dass diese Botschaft in der Politik angekommen ist, und nennt als Beispiel die massiven Klimaprogramme, die US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden in seiner Kampagne verspricht. Jetzt müssten sich Architekten und Planer für möglicherweise rasche und radikale Änderungen der politischen Rahmenbedingungen wappnen. Ganz im Kleinen haben die Kuratoren damit auch schon im eigenen Haus begonnen: Als Raumteiler für die Ausstellung verwendeten sie ein wiederverwendbares System aus Schaltafeln, die nach Ende November wieder am Bau Verwendung finden sollten. Auf Wanderschaft gehen soll die Ausstellung jedoch – Stand heute – nicht. Wer sie sehen möchte, sollte also noch bis zum 22. November den Weg nach Berlin finden.

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