You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
DAM, Frankfurt am Main, Frau Architekt, Ausstellung, Ingeborg Kuhler - Mitarbeiterinnen im Büro: Ruth Jureczek/ Irene Keil, Foto: Marina Auder

Frau Architekt: Ausstellung im DAM Frankfurt

Ob die Zukunft wirklich weiblich ist, muss sich noch zeigen: 53 Prozent der Architekturstudierenden in Deutschland sind Frauen, aber im Beruf kommen gerade mal 30 Prozent an und nur ganz wenige schaffen den Schritt ins Rampenlicht. Dort ist Baukunst immer noch Männersache. Das hat viele Ursachen: Männlicher Geniekult, den auch das Bauhaus zelebrierte, ist eine davon. Dazu kommen tradierte Rollenzwänge, effizientes maskulines Netzwerken und nicht zu vergessen: der bitterböse Fluch des Architekturkritikers Karl Scheffler (1908), der den Frauen die intellektuelle Fähigkeit für Architektur ganz einfach absprach.

Inzwischen hat sich in der Selbst- und Außenwahrnehmung des Berufes vieles getan und seit 100 Jahren arbeiten Frauen in Deutschland im Architektenberuf. Die Frage ist: Wie arbeiten die Frauen? Sie arbeiten gut und sie arbeiten fleißig. Aber die meisten verschwinden in der Anonymität eines Architekturbüros mit einem Mann als Chef oder in einer Bürogemeinschaft. Sie funktionieren in  vorstrukturierten Hierarchien – nach der Statistik der Bundesarchitektenkammer für etwa 20 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Und schaut man auf den Pritzker-Preis: Seit seiner Gründung im Jahr 1979 wurde er gerade mal an zwei Frauen verliehen – 2004 an Zaha Hadid und 2010 an Kazuyo Sejima von SANAA. 

Mit der Ausstellung »Frau Architekt« untersucht das Deutsche Architekturmuseum (DAM), Frankfurt anhand historischer Entwicklungen und gegenwärtiger Beispiele, warum Architektinnen bis heute eher die Schattenfiguren des Bauwesen geblieben sind. Sie zeigt 22 ganz persönliche Porträts von Architektinnen von 1900 bis heute, die Architektur maßgeblich beeinflusst haben und bis dato prägen.

Am Anfang steht Emilie Winkelmann, die 1907 das erste Architekturbüro in Deutschland gründete. Quer durch alle sozialen Milieus und (gesellschafts)politischen Ambitionen der Architektinnen spannt die Ausstellung den Bogen weiter bis zur Wiedervereinigung und schließlich bis in die aktuelle Gegenwart mit Gesine Weinmiller und Almut Grüntuch-Ernst. Berühmte Namen wie Margarete Schütte-Lihotzky, Lilly Reich oder Verena Dietrich sind darunter, aber auch Namen, die niemand kennt.

Wer kennt denn noch Wera Meyer-Waldeck und ihre avantgardistischen Ladeneinrichtungen aus den 1950ern? Oder Iris Dullin-Grund, eine der renommiertesten Architektinnen in der DDR? Und: Wer erinnert sich an Merete Mattern, die großartige stadtplanerische Visionärin? Zeit der Entdeckungen im DAM! Ein Höhepunkt ist das programmatische »Frauenzimmer« mit filmischen Kurzporträts von Architektinnen, die zwischen 1930 und 1995 geboren sind. Ganz klares Statement: Kluge Baukunst ist weiblich!

Kurze Werbepause

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 12/2017.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 12/2017
Architektur und Landschaft, DETAIL 12/2017

Architektur und Landschaft

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige