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Bologna, SET Architects, Holocaust Mahnmal

Gebaute Düsternis: Holocaust-Mahnmal in Bologna

Seit 2008 verbindet eine neue Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke Bologna mit Mailand; im Jahr darauf wurde auch die Verbindung nach Florenz fertiggestellt. Wer heute mit dem Fernzug in die Universitätsstadt reist, kommt in der Regel auf einem von vier neuen Bahnsteigen weit unter der Erde an. Das Dach des Tiefbahnhofs ist eine wenig ansehnliche Leerstelle in der Stadt, zu der die Öffentlichkeit keinen Zutritt hat. Nur an der Straßenkreuzung Via de’Carracci/Via Matteotti haben die Ingenieure der staatlichen Eisenbahngesellschaft einen neuen öffentlichen Platz geschaffen. Er befindet sich auf dem Dach eines Eingangs- und Technikgebäudes für den neuen Bahnhof.

Einige Monate lang blieb der Platz ohne nähere Zweckbestimmung. 2015 fand schließlich auf Initiative der Jüdischen Gemeinde Bologna ein offener, internationaler Entwurfswettbewerb für ein Holocaust-Mahnmal an dieser Stelle statt. Der Siegerentwurf von SET Architects nimmt intelligent Bezug zu seinem exponierten Standort und macht das Grauen des Holocaust geradezu körperlich spürbar. Zwischen zwei vorhandene, breite Wandscheiben, die den Platz diagonal durchschneiden, platzierten die Architekten zwei je 10 m hohe und ebenso lange, regalartige Stelen aus Cortenstahl. Zwischen ihnen fällt der Blick auf das Gleisfeld des Hauptbahnhofs und damit implizit auf die unrühmliche Rolle von Europas Eisenbahnen bei der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg. Die 1,80 x 1,25 m großen »Regalfächer« sind den Schlafkojen in den Konzentrationslagern nachempfunden. An den Stirn- und Rückseiten stehen die Regalböden und vertikalen Trennwände leicht über, sodass die Regalstruktur auch hier ablesbar ist. Die je 8 mm starken Stahlplatten wurden im Liegen miteinander verschweißt und die beiden großen Stahlelemente dann am Stück in die Vertikale gekippt.

Nachts ergibt das Holocaust-Mahnmal ein nicht minder gespenstisches Bild als tagsüber. Dann erhellen Bodeneinbaustrahler die Rasterstruktur der Stahlregale von unten, während das Innere der »Schlafkojen« tief im Dunkel versinkt.

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Weitere Informationen:

Mitarbeiter: Andrea Tanci, Lorenzo Catena, Chiara Cucina, Onorato di Manno
Tragwerksplanung: Proges Engineering

Bauunternehmen: Sì Produzioni


Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 7+8/2018 mit dem Themenschwerpunkt »Urbane Räume«.

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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2018
DETAIL 7+8/2018, Urbane Räume

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