You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Tim Van de Velde, Govaert & Vanhoutte Architects, Knokke, Knokke-Heist, Belgien, Bauernhof, Transformation, Wohnen, Burkeldijk

Geschichtsträchtige Transformation: Wohnhaus in Knokke

Während der österreichischen Regierung in Flandern, ließ König Joseph II. 1784 die Festungsanlage Hazegras, wegen der Konflikte mit den angrenzenden Niederlanden errichten. Neu angelegte Polderdeiche und Schleusen der Küstenlandschaft sollten gesichert werden. Die Anlage erstreckte sich über einen Großteil der heutigen Gemeinde Knokke-Heist. Noch heute ist der Verteidigungswall als leichte, topografische Erhebung sichtbar. Teile der Festungsgebäude wurden 1839 als Bauernhäuser umgenutzt, da die Spannungen zwischen Belgien und der Niederlande ein Ende fanden.

Govaert & Vanhoutte Architects erweiterten die beiden mit Ziegel gedeckten Backsteingebäude im Sinne lokaler Architekturvorbilder von traditionellen, länglichen Bauernhäusern. Das Haupthaus, in dem die  Bauherren selbst wohnen, wurde um einen nördlichen Anbau ergänzt. Das U-förmige Haus beherbergt in den alten Gemäuern den offenen Wohn-, Ess- und Lesebereich, welche wie bei einem Festungsgebäude, schützend zum Innenhof orientiert sind. Der längliche Neubau hingegen öffnet seine Fassade in Richtung der Polder. Die Fenster nehmen hier die Höhe eines vorherigen Umbaus auf: den Übergang von roten zu gelben Ziegeln infolge einer Aufstockung.

Die Fassade des Erweiterungsbaus steht in starkem Kontrast zum Bestand: Schmale Afrormosia-Balken, ein seltenes und besonders hartes Tropenholz, umhüllen die gesamte Gebäudekubatur. Die 7 auf 3 cm starken Holzbalken sind der Breite der erhalten gebliebenen Schießscharten auf der Südostfassade nachempfunden und stellen so den Bezug zum ursprünglichen Nutzen des Ensembles her. Im Inneren führen zwei Treppen in das Obergeschoss: Über die eine gelangt man von den neuen Büroräumen ins Dachgeschoss und über die Treppe im Bestandsgebäude kommt man zu den insgesamt vier Schlafzimmern mit jeweils eigenem Bad. Die Architekten führen das harmonisch kontrastierende Materialspiel der Fassade auch im Innenraum weiter: Der rau gewaschene Betonboden und die grauen, glatten Putzwände stehen dem freigelegten Holzdachstuhl sowie den neuen hellen Holzfronten der Einbauschränke gegenüber.

Ein neu angelegter, unterirdischer Durchgang verbindet das transformierte Bauernhaus mit der erweiterten Scheune. Ein ebenerdiger, lichtdurchlässiger Flur koppelt die beiden leicht versetzten Gebäuderiegel der ehemaligen Scheune aneinander. Im alten Backsteingebäude ist die Garage mit Werkstatt untergebracht sowie die Krönung der Gästeunterkünfte: ein von außen kaum ersichtliches Poolhaus. Im neuen, ebenfalls in Afrormosia-Balken gekleideten Gebäudeteil befindet sich ein großzügiger Küchen-, Ess- und Wohnbereich mit Terrasse. Das Obergeschoss beherbergt insgesamt sieben Schlafräume mit jeweils eigenem Badezimmer, vier davon im alten Teil und drei im neuen Anbau. Das neue Volumen des Gästehauskomplexes kann durch Schiebeelemente komplett verschlossen werden, ebenso wie die alte Scheune mit ihren Fensterläden.  

Selbst die auf dem Gelände befindlichen Bunker aus dem Ersten Weltkrieg werden raffiniert durch eine Sockelbeleuchtung in das erneuerte Gesamtbild eingebunden. Govaert & Vanhoutte Architects zeigen mit ihrem taktvollen Umgang mit den historischen Backsteingebäuden, was es bedeuten kann den »Genius Loci« in neue Architektur zu übertragen. 

Kurze Werbepause

Weitere Informationen:

Fertiggestellt: 2015
Fläche:
566 m2
Architekten:
Benny Govaert, Damiaan Vanhoutte
Hersteller:
Lootens Line

Fotograf: Tim Van De Velde

Aktuelles Heft
DETAIL 9/2018
DETAIL 9/2018, Schulen

Konzept: Schulen

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.