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MCKNHM Architects, Julien Lanoo

Geschickt getarnt: Anbauten von MCKNHM Architects

Als die bestehende Villa errichtet wurde, war es zunächst unklar, ob das Grundstück zu einem späteren Zeitpunkt in eine Mülldeponie umfunktioniert werden sollte. Aus diesem Grund wurde der Altbau in sicherem Abstand zum Naturreservat errichtet und damit ohne jeglichen visuellen und kontextuellen Bezug zum See. Mithilfe der drei pavillonartigen Anbauten sollte genau dieser Problematik entgegengewirkt werden. Sie wurden so auf dem Grundstück platziert, dass der Bezug zum See wieder hergestellt und zwischenräumliche Qualitäten gezielt genutzt werden.

Die drei Pavillons beherbergen jeweils unterschiedliche Funktionen. Am Rand des Grundstücks befindet sich der erste Baukörper, der eine Werkstatt und eine Garage beinhaltet. In unmittelbarer Nähe des Bestandsgebäudes wurde ein weiterer Pavillon mit Sauna und Gästehaus errichtet, der sich mittels einer offenen Terrasse zum nördlich gelegenen See orientiert. Der dritte Baukörper wurde gaubenartig im Dach der Villa integriert und erweitert das Dachgeschoss um einen Arbeitsraum und eine Lounge. Von hier aus eröffnet sich ein freier Blick auf den See.

Im Kontrast zum strengen, äußeren Erscheinungsbild des Bestandsgebäudes sind alle drei Pavillons mit einer außergewöhnlichen Gebäudehülle eingekleidet, die in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherrn entwickelt wurde. Die textile Fassadenhülle ist mit einem stark verpixelten Muster versehen, welches sich aus unmittelbarer Nähe betrachtet als große Punkte im CMYK-Farbschema präsentiert. Aus einer mittleren Distanz vermischt das menschliche Auge die Punkte zu einem grün-braunen Farbgemisch, was an eine camouflageartige Bemusterung erinnert. Betrachtet man die Fassade aus noch größerer Entfernung, so zeigt sich plötzlich ein klassisches, deutsches Jagdmotiv: Mit leicht ironischem Unterton bildet ein röhrender Hirsch im Wald eine Referenz an die berufliche Vergangenheit der Familie.

Um den Eindruck einer natürlich leichten Architektur mit hauchdünnen Wänden zu evozieren, bleibt die eigentliche Dicke der Konstruktion bewusst verborgen. Die textile Fassadenhülle ist in einem äußerst schmalen Aluminiumrahmen befestigt und scheint sich übergangslos um alle Ecken zu spannen. Das Innere der Pavillons ist durch Flexibilität und Funktionalität geprägt. Eine einseitige Wandaufdickung fungiert als Stauraum und ist von innen und außen zugänglich. Der Saunapavillon wird durch einen zentralen Funktionskern zoniert, der die Sauna sowie Technik und Sanitäreinrichtungen beherbergt. Der Verzicht auf Türen verbindet die einzelnen Bereiche zu einem durchgängigen Raumkontinuum.

Mit ihren pavillonartigen Anbauten gelingt es MCKNHM Architects zwei scheinbar gegensätzliche Konzeptionen miteinander zu vereinen: Der architektonische Eingriff stellt eine gelungene Addition dar, der einerseits den gesamten städtebaulichen Kontext bewusst verändert und die umgebende Landschaft neu erlebbar macht. Gleichzeitig treten die drei Pavillons subtil in den Hintergrund und können durch die außergewöhnliche Fassadengestaltung vom Betrachter ausgeblendet werden. Sie verschmelzen mit der umgebenden Landschaft und rücken die idyllische Atmosphäre des Ortes gezielt in den Vordergrund.

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