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»Großer Vorhang« – vielseitige Textilfassade für die Musikschule Erftstadt

Stamisol FT von Serge Ferrari SAS
Alle Fotos: Serge Ferrari / Philip Kistner

Mit dem Neubau der Musikschule in Erftstadt wurde ein bemerkenswerter Entwurf einer Textilfassade geschaffen, der das Obergeschoss mit dem Konzertsaal wie mit einen Bühnenvorhang umhüllt. Neben dem besonderen Gestaltungsaspekt überzeugte die Textilfassade mit Stamisol FT von Serge Ferrari SAS darüber hinaus vor allem durch ihre Nachhaltigkeit und ihren Beitrag für die Energieeffizienz des Gebäudes.

Die zwei in L-Form angeordneten, kubischen Hauptbaukörper sind mit einem vertikalen Glasbau miteinander verbunden, der die Zugänge und Erschließung für das Gebäude darstellt. Innerhalb des zweigeschossigen Hauptgebäudes mit einer Grundfläche von jeweils 300 m2 ist im 1. Stock der Konzertsaal mit einer Empore untergebracht, unter dem sich eine Cafeteria und Wartebereiche befinden. Über den Verbindungstrakt zu erreichen, erstreckt sich auf einer Fläche von jeweils 280 m2 über drei Geschosse die eigentliche Musikschule. Das EG, in dem sich die Musiksäle für die »lauten Instrumente« befinden, ist dabei um ein Halbgeschoss in den Untergrund versetzt.

Für die Gestaltung der Fassade setzte das Architektenteam von Arge Brauhaus auf das hohe gestalterische Potenzial von Textilfassaden mit »Stamisol FT« und entwickelte in enger Zusammenarbeit mit dem Textilfassadenspezialisten Typico im österreichischen Lochau eine geschwungene, dreidimensionale Fassade. So sollte die klare Formengebung der Kuben, die durch die Raumanforderungen und Akustik vorgegeben war, für die Außenbetrachtung aufgelöst und gestalterische sowie funktionelle Anforderungen ideal miteinander in Einklang gebracht werden. Die Textilfassade wurde bewusst als homogene Fläche ohne Fensteröffnungen nach außen gestaltet, bei der innerhalb der Tagesansicht der Konzertsaal wie von einem Bühnenvorhang verhüllt wird, in der Abendansicht dagegen die Lichtinszenierung rund um den Konzertsaal durch das Textilgewebe nach außen tritt und somit ­aufmerksamkeitsstark das jeweilige Konzert­ereignis nach außen transportiert. Zusätzlich dient die Textilfassade als wirksame Verschattung und Entblendung bei direkter Einstrahlung von Sonnenlicht.

Aus den raumakustischen Vorgaben heraus wurde das Gebäude in einer Holz-/Stahlkonstruktion umgesetzt,  die im Süden durch eine durchgängige Glasfassade ergänzt wurde. Auf diese Tragkonstruktion setzte man im Bereich des Obergeschosses einen oberen und unteren Riegel mit Kragarmen aus Stahl auf, auf die wiederum geschwungene Aluminiumprofile montiert sind, welche das gespannte Textilfassadengewebe mit einem Klemmmechanismus aufnehmen. Die Textilfassade besteht aus vier Elementen: für die Vorder- und Rückseite ­jeweils im Format 11 x 9 m, an den Längsseiten im Format von jeweils 19 x 9 m. Die geschwungenen Radien verlaufen dabei oben und unten parallel, jedoch gegenseitig versetzt, um einen für das Auge attraktiven, gleichmäßigen Faltenwurf mit entsprechender gleichmäßigen Spannung zu erzeugen. Innerhalb der geschlossenen Fassaden­flächen wurde die Wärmedämmung mit der farbigen Fassadenmembran »Stamisol ­Color« in einem sehr kräftigen Grünton abgedichtet, über die dann die Textilfassade im Abstand der Kragarme gezogen wurde. Hier kommt es zu einem weiteren schönen Effekt: Während tagsüber sich das Anthrazit der Textilfassade in den Vordergrund stellt und die farbige Fassadenmembran nur changierend durch das netzartige Material diffundiert, tritt es in der nächtlichen Beleuchtungssituation umso stärker als Farbakzent hervor und taucht diese Flächen in ein kräftiges, grünes Licht. Darüber hinaus kommt es durch das farbliche Zusammenspiel von farbiger Fassadenmembran und Textilfassade zu einer interessanten, räumlichen Tiefenwirkung.

Neben den gestalterischen Möglichkeiten war für den Bauherren und die Architekten die lange Lebensdauer der Textilfassade entscheidend. Grund hierfür ist die hohe Qualität der Textilfassadenmembran mit ­ihrer sehr hohen Reißfestigkeit und äußerst geringen Ausdehnung dank der patentierten »Precontraint«-Technologie, die ein ­späteres Nachspannen unter thermischen Einflüssen nahezu verzichtbar macht.

Stamisol FT von Serge Ferrari SAS
Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 12/2014

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