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Hans Christiansen: Die Retrospektive

Als »genuinen Gesamtkunstwerker« in Malerei, Architektur und angewandter Kunst kann man Hans Christiansen bezeichnen: Am Aufbau des Jugendstils maßgeblich beteiligt, realisierte er 1901 zur Bauausstellung »Ein Dokument deutscher Kunst« auf der Mathildenhöhe in Darmstadt sein persönliches Künstlerhaus. Das Museum Künstlerkolonie widmet ihm nun erstmals eine umfassende Retrospektive.

Ort: Museum Künstlerkolonie, Mathildenhöhe Darmstadt, Olbrichweg 15, 64287 Darmstadt
Dauer: 12. Oktober 2014 bis 01. Februar 2015

Hans Christiansen, Haus in Rosen, 1901, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Foto: Gregor Schuster

Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt gilt als ein gebautes Manifest der großen Utopie einer Synthese aus Kunst und Leben. Maßgeblich geformt haben es sieben eigens von Großherzog Ernst Ludwig auserwählte Künstler unter anderen Olbrich und Behrens, die hier mit komplett durchgestalteten Künstlerhäusern die »ästhetische Innovation des Menschen« einläuteten. Der Erstberufene der »Darmstädter Sieben« war Hans Christiansen (1866-1945).

Hans Christiansen, Ausstellung der Künstler-Kolonie Darmstadt, 1901, obere Hälfte eines zweiteiligen Plakats, Foto: Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt / Nasser Amini

Christiansen, der seine Karriere als Dekorationsmaler in Hamburg begann, an der berühmten Pariser Académie Julian fundiertes Handwerk lernte, im fruchtbaren Klima des Pariser fin de siecle die dynamisch-florale Stilisierung kultivierte und für die Zeitschrift »Jugend« signifikante Cover-Bilder erfand, verhalf dem deutschen Jugendstil zum Durchbruch.

1899 nach Darmstadt berufen, entfaltet er bei der ersten Ausstellung der Künstlerkolonie 1901 sein Schöpfertalent, indem er seine Entwürfe freier und angewandter Kunst souverän verbindet. Das Kunstgewerbe des späten 19. Jahrhunderts spielt herein, die Glaskunst von Louis Comfort Tiffany, japanische Holzschnittmotive, die Plakatkunst von Toulouse-Lautrec sowie die Malerei der Nabis. Synästhetischer Jugendstil pur: farbenprächtig, erotisch und hochpoetisch.

Hans Christiansen, »L'heure du berger« (»Schäferstunde«), 1898, Institut Mathildenhöhe, Städtische Kunstsammlung Darmstadt

Schließlich baut Hans Christiansen sein »Haus in Rosen«: Dieses von der Kaffeetasse bis zum Empfangskleid für die Dame des Hauses starkfarbige, reich mit Rosenmotiven durchkomponierte »Totalkunstwerk« war eine Liebeserklärung an seine Frau Claire, geborene Guggenheim, die er in Paris geheiratet hatte. Leider ist dieser einzigartige Entwurf einer ästhetizistischen Enklave in der Ausstellung nur per Dia-Schau und historischen Dokumenten erlebbar: 1944 wurde die Villa beim britischen Luftangriff auf Darmstadt stark beschädigt und in den 1950ern schließlich abgerissen.

Hans Christiansen, Entwurf für einen Dessert-Teller mit Rosendekor, 1900/01, Museumsberg Flensburg

Christiansens »Villa in Rosen« war – wie alle anderen Künstlerhäuser auf der Mathildenhöhe auch – ein Exklusivmodell der Lebensreform. Ökonomischen Erfolg brachte die Musterschau nicht, sie etablierte aber dauerhaft den von Christiansen stark mitgeprägten internationalen Einfluss Darmstadts in Architektur und Kunsthandwerk. 1911 übersiedelt er ins mondäne Wiesbaden. Seine Mode- und Schmuckentwürfe sowie die Plakatkunst werden nun stilistisch vielfältig und reichen vom Art Déco bis hin zur neuen Sachlichkeit. Im Dritten Reich erhält er wegen seiner jüdischen Frau Claire Berufsverbot. Vereinsamt und verarmt stirbt Hans Christiansen kurz vor Ende der Hitlerdiktatur.

Hans Christiansen – Die Retrospektive, hrsg. von Ralf Beil, Dorothee Bieske, Michael Fuhr und Philipp Gutbrod, weitere Autorinnen Claudia Kanowski und Margret Zimmermann-Degen, 216 Seiten, zahlreiche Abbildungen, gebunden, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2014, 29 Euro, erscheint am 11. Dezember 2014.

Weitere Informationen
www.mathildenhoehe.eu

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