You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Hightech für historische Fenster - Restaurierungsgläser an der Bauhaus-Universität

Die Bauhaus-Universität Weimar hat in den vergangenen 150 Jahren wichtige Kapitel der Kunst- und Baugeschichte mitgeschrieben. Darin spielte die 1860 gegründete Weimarer Malerschule ebenso eine Rolle wie die Kunstgewerbeschule Henry van de Veldes und das Staatliche Bauhaus von Walter Gropius. Zwei der Schauplätze dieser Geschichte wurden im Jubiläumsjahr 2010 nach aufwändiger Restaurierung neu eröffnet – der Van-de-Velde-Bau und das »Bauhaus.Atelier«. Welches Element aus welcher Zeit soll beibehalten, welches Detail wiederhergestellt werden? Wie erreicht man moderne Standards, ohne den historischen Charakter des Baudenkmals zu verfälschen? Vor diesen Fragen standen die Architekten und Kunsthistoriker von Pitz & Hoh Architektur und Denkmalpflege und Junk & Reich Architekten bei der Restaurierung des Van-de-Velde-Baus immer wieder. Das Team aus Vertretern der beiden Architekturbüros führte Räume, Flure und Treppenhäuser mit ihrer Lichtführung wieder auf die Raumideen Henry van de Veldes zurück.

Schott, Tikana, Restaurierungsglas, Van-de-Velde-Bau, Bauhaus.Atelier, Pitz und Hoh, Junk und Reich,
Abb. 1, Foto: Jens Meyer

Die Frage, wie man gleichzeitig dem historischen Charakter des 1905/06 errichteten Bauwerks und aktuellen Standards gerecht wird, stellte sich unter anderem in Bezug auf die Fenster, die die Weimarer Tischlerei Heider-Wallisch rekonstruierte. Der Denkmalschutz erforderte eine historisch anmutende Glasoberfläche. Dafür lieferte Schott 560 Isolierglaseinheiten, in einem für diesen Zweck erstmals kombinierten Aufbau: die äußere Scheibe des Isolierglases besteht aus dem Restaurierungsglas »Tikana«, die innere Scheibe aus Floatglas. In großem Stil zum Einsatz kam Tikana bereits im Rahmen der Sanierung des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar Ende der 1990er Jahre (Abb. 1).

Schott, Tikana, Restaurierungsglas, Van-de-Velde-Bau, Bauhaus.Atelier, Pitz und Hoh, Junk und Reich,
Abb. 2, Foto: Jens Meyer

Bei der Verwendung für den Van-de-Velde-Bau (Abb. 2) wurde das Restaurierungsglas zusätzlich mit einer Sonnenschutzbeschichtung versehen, die zur Klimatisierung beiträgt. Um im Winter den Wärmeverlust über das Glas zu verringern, veredelte Schott das Floatglas mit einer Wärmeschutzbeschichtung. Die größte Herausforderung bestand darin, diesen Scheibenaufbau als dünne Glaseinheit zu realisieren, die in die überarbeiteten historischen Fensterrahmen passt. Der Abstand der beiden Isolierglasscheiben beträgt daher lediglich 4 mm statt wie üblich16 mm. Um dennoch eine gute Wärmedämmung zu erreichen, wurde der Scheibenzwischenraum mit dem Edelgas Krypton gefüllt, das die Wärmeleitung einschränkt. Schließlich wurden die Aluminiumabstandshalterungen, die die Scheiben an den Rändern verbinden, noch grau lackiert. Dadurch fallen sie im Fensterrahmen nicht auf und tragen als weiteres Detail zum historischen Eindruck des Van-de-Velde-Baus bei (Abb. 3).

Schott, Tikana, Restaurierungsglas, Van-de-Velde-Bau, Bauhaus.Atelier, Pitz und Hoh, Junk und Reich,
Abb. 3, Foto: Jens Meyer

Ein durch ein filigranes Eisenfachwerk getragenes Glasdach zeichnet das Gebäude aus, das heute als Bauhaus.Atelier die zentrale Anlaufstelle für Gäste der Bauhaus-Universität Weimar ist (Abb. 4). 1886 wurde es als Atelier für den Tiermaler und damaligen Direktor der Weimarer Kunsthochschule
Albert Brendel erbaut. Zwischen 2008 und 2009 wurde das technische Kulturdenkmal unter Federführung des Architekturbüros Weimar Planung und BauGestaltung Jörg Hänel, freier Architekt, vollständig restauriert und saniert – vom Außenmauerwerk über die komplette Stahlkonstruktion bis zur Verglasung. Die Glasmalerei Ernst Kraus rekonstruierte 2009 die Dachverglasung und die vertikalen Wandverglasungen, die in die filigrane Eisenfachwerkskonstruktion eingebaut wurden. Dazu benötigte sie aus Sicherheitsgründen ein Verbundglas. Zudem erforderte die Konstruktion Modellformen, also Scheiben mit völlig unterschiedlichen Winkeln, die Zuschnitt und Verbund erschweren. Das Verbundglas besteht auf der Außenseite aus Restaurierungsglas »Restover« und auf der Innenseite aus einer Weißglasscheibe. Verbunden werden die beiden Scheiben durch mehrere übereinander liegende PVB-Folien, die sowohl die mechanische Schutzfunktion der Verglasung erhöhen als auch die UVA-Transmission nahezu vollständig reduzieren. Das Weißglas erfüllt den Zweck, einen optisch klaren Eindruck ohne Grünstich zu erzeugen. Für die Außenseite wählten die Beteiligten Restover, weil das Restaurierungsglas durch seine wellige, unebene Oberfläche dem um die Jahrhundertwende gefertigten Fensterglas ähnelt.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 1+2/2011

Bauen mit Glas

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.