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DETAIL Stipendium 2017/2018; Jakob Vinzenz Zöbl

Jakob Vinzenz Zöbl – EIN STEINHAUS

Das Ferienhaus auf der Insel Kreta am Rande eines kleinen Bergdorfs stellt den Versuch dar, Raum und Nutzung von innen nach außen zu denken – ein sehr kontextuelles Projekt. Typologische Analysen und zahlreiche radikale Konzepte schienen zunächst vielversprechend zu sein und endeten dennoch alle mit der gleichen Erkenntnis: Hier darf keine Architektur entstehen, die nicht zum Ort gehört, die schön anzusehen ist, dabei aber den Kontext nicht ernst nimmt.

Der Kontext besteht aus einer wüstenhaften, steinigen Landschaft, die durch Sonne und Wind geprägt ist. Siedlungen und Häuser wirken gewachsen, keinem wirklichen System folgend. Das grelle Licht und die sich daraus ergebenden Farben erscheinen unwirklich. Dieses emotionale Kennenlernen des Ortes war und ist der für uns wichtigste Punkt unserer Arbeit: Gefühle und Atmosphären spiegeln sich in Raum, Tektonik und Material wieder.

Die vernakuläre Architektur dieser Orte ist schwer zu lesen – und zugleich extrem faszinierend. Obwohl die Bautradition willkürlich erscheint, ist es immer wieder überraschend zu sehen, welche Qualitäten die Gebäude im Inneren besitzen. Das Entwerfen des Innenlebens fordert ein Umdenken, eine ausgeprägte Sensibilität für Wahrnehmung, Material und Licht.

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»Schöpft ein Entwurf allein aus dem Bestand und der Tradition, wiederholt er das, was sein Ort ihm vorgibt, fehlt mir die Auseinandersetzung mit der Welt, die Ausstrahlung des Zeitgenössischen. Erzählt ein Stück Architektur nur Weltläufiges und Visionäres, ohne ihren konkreten Ort zum Mitschwingen zu bringen, vermisse ich die sinnliche Verankerung des Bauwerks an seinem Ort, das spezifische Gewicht des Lokalen.« Peter Zumthor

Auf extrem engen Raum bildet Gestein eine Einheit: Es sind drei Baukörper, die auf Topographie, Klima und Ausblicke reagieren. Im Inneren ist diese Zerteilung nicht mehr spürbar, an ihre Stelle tritt eine Abfolge von Raumsequenzen – jede mit ganz spezifischen Eigenschaften. Die Zusammenhänge und das Verständnis zwischen Innen und Außen bleiben dem Betrachter weitgehend verwehrt.

Ein großer Stein an der Grundstücksgrenze markiert den Zugang zu dem Gebäude und wird dadurch Teil des Ensembles. Sedimentschichtungen in der Umgebung verweisen auf die Rauheit der Landschaft. Das Material ist Abbild des Ortes und fließt in den Entwurf ein. Das Haus aus Stein ist keine Anpassung, keine Unterwerfung – vielmehr ist es als ruhige, selbstbewusste Geste zu verstehen, deren Qualität im Inneren zu finden ist.

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit Stefan Prattes.

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