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Klassikreflex: Grundsteinlegung für James-Simon-Galerie in Berlin

Mit der heutigen Grundsteinlegung für die James-Simon-Galerie nach Plänen von David Chipperfield Architects (Berlin) wird der offizielle Baubeginn für das Eingangsgebäude der Museen und Sammlungen auf der Berliner Museumsinsel gefeiert. Die nach Berlins wichtigstem Spender antiker Artefakte benannte Galerie – von James Simon stammt unter anderem die Büste der Nofretete – ergänzt das Museenensemble zwischen Kupfergraben und Westfassade des Neuen Museums. Der Neubau ordnet die Freiräume und stadträumlichen Bezüge zwischen Pergamonmuseum und Neuem Museum und sorgt für eine bauliche Anbindung an das Hauptgeschoss im Pergamonmuseum. Gleichzeitig bildet er den Eingang für die  „Ärchäologische Promenade“, die Altes Museum, Neues Museum, Pergamonmuseum und Bode-Museum unterirdisch miteinander verknüpft.

Rendering James-Simon-Galerie: Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Imaging Atelier

Der Entwurf für die James-Simon-Galerie hat eine langwierige Planungsgeschichte hinter sich: Einem Wettbewerbsgewinn von David Chipperfield Architects aus dem Jahr 2006, der einen transluzent verkleideten, gestaffelten Baukörper vorsieht, folgt ein klassizistisch-anachronistischer Gegenvorschlag der „Gesellschaft Historisches Berlin“, die auch Chipperfields Sanierung und Umbau des Neuen Museums permanent attackiert. Ein Jahr später stellt Chipperfield eine komplette Neuplanung vor, in der der transluzente Körper durch ein Ensemble aus filigranen Kolonnaden, topografisch angeordneten Sockelbauwerken und Freitreppen ersetzt wird, das – leicht überarbeitet – nun realisiert wird. Diese Elemente sind der vorgefundenen Architektur entlehnt, allerdings sind es vor allem jene Elemente, die die Frei- und Vorräume der Museumsinselbauten charakterisieren – weniger die Gebäude selbst oder gar deren Stil. Und genau darin liegt wohl der versöhnende Kunstgriff dieses Entwurfs, denn eine der Raumqualitäten der Museumsinsel besteht ja gerade in diesen öffentlich-halböffentlichen Zwischenräumen der Kolonnaden und Treppen und ihrer Ambivalenz aus Offenheit und Schutz, weshalb sie sich so frei bespielen lassen. Als Material für den Neubau wird ein Betonstein eingesetzt, der die „Materialpolychromie der Kalkstein-, Sandstein- und Putzfassaden der Museumsinsel“ über Natursteinzuschläge in der Tonalität einbindet. David Chipperfield Architects formulieren ihre Entwurfshaltung so: „Aus dem Kontext wird ein zeitgenössisches Gebäude entwickelt, dessen Architektursprache trotz eines erkennbaren Klassikreflexes auf klassizistische Akademismen in seiner Detailausbildung verzichtet.“

Rendering James-Simon-Galerie: Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Imaging Atelier

Die Staffelung der Baukörper sorgt dafür, dass der Blick von der Schlossbrücke in die Tiefe der Museumsinsel und auf die Westfassade des Neuen Museums erhalten bleibt. Eine neue Kolonnade setzt die am Neuen Museum endende Stülersche Kolonnade fort und formt einen kleinen Kolonnadenhof. Ein hoher Sockel, dessen Höhe sich an den Risalitsockeln des benachbarten Pergamonmuseums orientiert, besetzt die Uferkante zum Kupfergraben. Darüber erhebt sich eine Hochkolonnade, die frei zugänglich ist und die städtischen Außenräume der Museumsinsel erweitert.

Skizze James-Simon-Galerie: David Chipperfield

Zwischen Kolonnadenhof und Hochkolonnade liegt das Haupteingangsgebäude, das über eine breite Freitreppe erreicht wird, so dass die Besucher noch im Außenraum auf der gleichen Ebene ankommen, auf der auch der Hauptrundgang des Pergamonmuseums beginnt. Hier empfängt sie eine große Halle, von der aus auch ein Café und der Übergang zum Pergamonmuseum „als Einnistung in die Kolonnade“ erschlossen werden. In einem Mezzaningeschoss zwischen Foyer und oberer Empfangshalle befinden sich die Servicefunktionen wie Garderobe, Toiletten und Shop. Die Wechselausstellungsräume und das Auditorium liegen im Sockelgeschoss am Übergang zur Archäologischen Promenade.

Lageplan, David Chipperfield Architects
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