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Komplexe Bauvorhaben besser organisieren und bewältigen

Insbesondere öffentliche Großprojekte geben nicht selten durch massive Verzögerungen und enorme Kostensteigerungen kein gutes Bild ab. Doch auch kleine bis mittelgroße Projekte können unübersichtlich sein. Um einen möglichst reibungslosen Bauprozess zu sichern, ist es notwendig, so die Experten der TU Braunschweig, bereits während der Initiierungsphase eines komplexen Bauvorhabens möglichst alle Aspekte vorab zu berücksichtigen. Hierzu haben sie einen Leitfaden entwickelt, der die vielseitigen Parameter und Aufgabenfelder ab der frühesten Projektphase erfasst. Neben baulichen und organisatorischen Punkten werden dabei besonders auch psychologische Aspekte – der Faktor Mensch – sowie politisch-ökonomische Einflüsse für Fehlentwicklungen berücksichtigt.

Im Zentrum der Überlegungen steht in der Initiierungsphase die intensive Analyse der Ausgangslage. »Im Handlungsleitfaden werden eine große Anzahl an Methoden und Instrumenten vorgestellt, mit denen Fehler beim Projektstart vermieden werden können. Beispielsweise sollte zu Beginn des Projekts eine Projektcharakterisierung vorgenommen werden, um die weiteren Schritte der Projektabwicklung zielorientiert einleiten zu können und für die besonders kritischen Punkte ein strukturiertes Risikomanagementsystem aufzusetzen« erklärt Patrick Schwerdtner, Professor am Lehrstuhl für Bauwirtschaft und Baubetrieb. Bereits zu Projektbeginn sind aufgrund der Projektidee, der Bauherrenkonstellation und des Standorts wesentliche Randbedingungen für die weitere Projektabwicklung definiert. Auf diese Aspekte bauen alle weiteren 16 Aufgabenfelder des Leitfadens auf, deren Bearbeitung und Reihenfolge individuell, abhängig vom jeweiligen Projekt durchführt werden können, denn eine Standardisierung der Prozesse erscheint den Wissenschaftlern nicht zielführend. Am Ende der Phase sollte ein sogenannter Concept Freeze erstellt werden, der zentrale Entscheidungen als verlässliche Planungsgrundlage für die weitere Projektabwicklung festhält. Als innovative Methode zur Unterstützung der Initiierungsphase wird im Leitfaden ein Initiierungscoaching vorgestellt, bei dem Erfahrungen aus ähnlichen Bauvorhaben gesammelt und auf das eigene Projekt übertragen werden. Die Idee ist simpel, aber effektiv: von den Fehler der anderen lernen und dadurch eigene Fehler vermeiden.

Nicht selten wird der Faktor Mensch bei der Planung von Bauprojekten zu wenig berücksichtigt. Unterschiedliche Kompetenzen, komplexe Teamkonstellationen und vielseitige Kommunikationswege führen nicht selten dazu, dass sich negative Dynamiken und Störungen entwickeln. Um dies zu vermeiden, hebt der Leitfaden psychologische und politisch-ökonomische Phänomene wie den »Fluch der ersten Zahl« oder psychologische Verdrängungsmechanismen hervor. Es wird zudem auf die Bedeutung der Etablierung einer modernen Projektkultur hingewiesen, um einen offenen Umgang mit Fehlern, Risiken und Änderungen zu gewährleisten. »Es ist mehr denn je notwendig, die individuellen Besonderheiten der Projekte zu erfassen und bereits frühzeitig ein hohes Maß an Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu ermöglichen. Transparenz, Respekt gegenüber der Expertise der Akteure und Flexibilität können den Erfolg komplexer Bauvorhaben nachhaltig sichern « beschreibt Carsten Roth, Professor am Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen, die Intention.

Laut den Wissenschaftlern ist die Besonderheit des neuen Leitfadens zur Umsetzung von Großprojekten dessen ganzheitlicher Ansatz, der entgegnend der bisherigen Literatur wirtschaftliche Zwänge, politische Rahmenbedingungen und besonders auch den Menschen als Fehlerquelle viel stärker berücksichtigt.

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