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Kraft-Wärme-Kopplung in Gebäuden


Die grundsätzlichen Vorteile der gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung – auch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) genannt – sind unbestritten und haben der KWK in den letzter Zeit zu einem enormen Aufschwung verholfen. Trotz dieser zunehmenden Bedeutung deckt die KWK derzeit nur rund 12% der gesamten Stromerzeugung in Deutschland. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Anteil bis 2020 zu verdoppeln. Vor allem in Gebäuden soll die KWK künftig gefördert werden, denn dort liegt das größte Potential. KWK bedeutet eine dezentralere Stromerzeugung, die durch die Zusammenschaltung vieler kleiner Einheiten eine höhere Versorgungssicherheit mit sich bringt.
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Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V.

Gesetze und Fördermöglichkeiten


Bis 1998 war es in Deutschland extrem schwierig, den Status eines Stromer-zeugers mit der Erlaubnis zur Netzeinspeisung zu erlangen (§5 des alten Energiewirtschaftsgesetzes von 1936). Zudem waren die Vergütungen für die Einspeisung so gering, dass sich fast nie eine Wirtschaftlichkeit er-gab. Die KWK existierte praktisch nur in Industriebetrieben mit meist 100% Eigennutzung.
Ab 1998 wurde mit dem neuen Energiewirtschaftsgesetz der Strommarkt liberalisiert. Dennoch ist es noch immer mit hohen Durchleitungskosten ver-bunden, wenn selbst nahe gelegene Haushalte aus einem BHKW zu versorgen. Sobald hierfür fremde Stromleitungen in Anspruch genommen werden, sind hohe Durchleitungsgebühren zu zahlen. Dies natürlich die Kraft-Wärme-Kopplung sehr behindert, und viele Betreiber versorgten nur ihre eigenen Objekte.
Mit dem novellierten KWK-Gesetz wurde seit 1.1.2009 zumindest die Einspei-severgütung geregelt. Die Durchleitung zur Versorgung anderer Objekte bleibt dagegen nach wie vor teuer.

Diese Faktoren haben dazu geführt, dass bis heute nur 12% der deutschen Stromerzeugung in KWK er-folgt. In andere Länder wie Dänemark oder Holland hat sich die KWK schneller etabliert.
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Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V.

In jüngster Zeit sind in Deutschland jedoch eine Reihe von Gesetzesänderungen in Kraft getreten, in der die KWK eine besondere Rolle spielt. Dazu zählen vor allem das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWK-Gesetz) und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die zum 1.1.2009 novelliert wurden.
Die Wahl zwischen EEG und KWK-G ist durch den Brennstoff bestimmt. Generell gilt das EEG für regenerative Energieträger und das KWK-G bei fossile Energieträger. Betreiber können zwar vom EEG in das KWK-G wechseln, umgekehrt jedoch nicht.


KWK-Gesetz

Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen des Gesetzes¬textes für Betreiber von KWK-Anlagen mit fossilen Brennstoffen seit 1.1.2009.

Eckpunkte

  • Ausbauziel 25% KWK- Strom bis 2020
  • Zuschläge auf den gesamten erzeugten KWK-Strom (nicht wie bisher nur auf den in ein öffentliches Netz eingespeisten Strom)
  • Novellierung zielt auf Neubau und Modernisierung von KWK-Anlagen ohne Größenbegren-zung (bisher Neubau nur bis 2 MW)
  • Förderung bestehender Anlagen läuft wie im KWKG 2002 vorgesehen bis 2010 aus
  • Fördervoraussetzungen:

  • Inbetriebnahme 1.1.2009 —31.12.2016
  • Sachverständigengutachten über die relevanten Eigenschaften der Anlage (z.B. nach AGFW-FW 308)
  • hocheffizient nach EU- KWK— Richtlinie; Nachweis durch Sachverständigengutach-ten
  • Bei serienmäßig hergestellten Anlagen bis 2 MW genügen geeignete Unterlagen des Herstellers.
  • Bei Modernisierung Höhe der Kosten mindestens 50% der Kosten einer Neuerrichtung

  • Begrenzung (Deckelung) der jährlichen Fördersumme auf 750 Mio. ?? davon bis 150 Mio. ? für Wärmenetzausbau. Wird diese Deckelung überschritten, erfolgt eine nachträgliche Kür-zung für Anlagen über 10 MWel (aber Flexibilisierung des Deckels: eventuelle Kürzungen bei Überschreitung werden später nachgezahlt)
  • Überprüfung der Gesetzeswirkung 2011
  • Verbesserte KWK-Statistik

Zuschlagshöhe und -Dauer
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Glättung der Förderstufen:


  • Anlagen über 50 kW für die ersten 50 kW: 5,11 Cent/kWh
  • Anlagen über 2 MW für erste 2 MW: 2,1 Cent/kWh

Der Preis für den in das öffentliche Netz eingespeisten Strom setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen. Der oben genannten Zuschlagszahlung, dem „üblichen Preis“ (Quartals-Durchschnittspreis für Baseload-Strom, im dritten Quartal 2009 3,7 Cent/kWh) und den vermiedenen Netznutzungsentgelten (§18 Strom-netzent¬geltverordnung, 0,15 – 0,55 Cent/kWh) zusammen. Für ein Mini-BHKW sind das gegenwärtig zu-sammen ca. 9 - 10 Cent/kWh. Wird dagegen der Strom aus dem BHKW an Nutzer zu üblichen Tarifen verkauft, so kann man den örtlichen Strompreis (im Durchschnitt 19 Cent/kWh) verlangen plus den Zu-schlag von 5,1 Cent/kWh.

Zuschläge für Neu-/Ausbau von Wärmenetzen (ohne Hausanschlüsse)

Zuschläge betragen bis 20% der Investitionskosten.
Voraussetzungen:

  • An das Wärmenetz muss mindestens ein Abnehmer angeschlossen sein, der nicht gleichzeitig Eigentümer oder Betreiber der in das Wärmenetz einspeisenden KWK-Anlage ist.
  • Beginn Neu-/Ausbau ab 1.1.2009, Inbetriebnahme bis 31.12.2020
  • Mindestens 50% der Wärmeerzeugung erfolgt in KWK, im Endausbaustadium mindestens 60%

Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Das EEG sieht seit 1.1.2009 für die KWK höhere Vergütungen vor. Es gibt einen Bonus von 3 Cent/kWh, wenn die KWK mit Biomasse oder Biogas betrieben und die Wärme genutzt wird. (Letzteres ist bei einer KWK-Anlage immer gegeben.) Zusätzlich gibt es noch einen Technologie-Bonus von 2 Cent/kWh, wenn spezielle Technologien wie z.B. Gasaufbereitung, Trockenfermentation oder Stromgewinnung durch Brennstoffzellen, ORC-Anlagen, Stirling-Motoren zum Einsatz kommen. Die Vergütungssätze für eine Verstromung von Biogas und Biomasse in KWK-Anlagen sind in der Tabelle zusammengefasst. Danach kann die Vergütung für eine Biogas-KWK-Anlage bis 150 kWel unter Ausnutzung aller Boni im Jahr 2010 maximal 30,4 Cent/kWh ausmachen.

Tabelle 1: Vergütungssätze nach dem EEG-2009
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1.4Förderung


Im Zuge der Meseberger Beschlüsse wurden verschiedene auch regionale Förderprogramme aufgelegt, die in vieler Hinsicht der KWK zu Gute kommen. Besonders ist das Mini-BHKW-Impulsprogramm des BMU zu nennen, das die Wirtschaftlichkeit der Mini-BHKW bis 50 kWel deutlich verbessert. Die Fördersätze sind für die ersten 4 kWel mit 1.550 ?/kWel am höchsten.
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Die Maximalförderung einer Mini-KWK-Anlage mit 5 kW Leistung berechnet sich folgendermaßen: 4 x 1550 ? + 1 x 775 ? = 6.975 ?. Für die Unterschreitung der TA Luft um die Hälfte wird zusätzlich 100 ? pro kWel gewährt. Die Maximalförderung wird bei 5.000 Betriebsstunden pro Jahr gewährt und bei geringeren Betriebsstunden entsprechend gekürzt D.h. für 2.500 Betriebsstunden erhält der Betreiber nur die Hälfte des Maximalbetrages. Die Betriebsstunden müssen durch ein Simulationsprogramm und geeignete Pla-nungsunterlagen nachgewiesen werden. Die Bedingungen des Förderprogramms können unter www.bafa.de herunter geladen werden. Einen Servicevertrag muss der Hersteller anbieten, er muss aber nicht abgeschlossen werden.


Weiterführende Informationen:

  • W. Suttor: Mini-BHKW. C.F. Müller Verlag 2009
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Energie dreifach nutzen (http://www.bmu.de/klimaschutzinitiative/downloads/doc/42157.php)
  • W. Suttor (Hrsg.): Loseblattwerk Praxis Kraft-Wärme-Kopplung. C.F. Müller Verlag 2009
  • W. Suttor: Blockheizkraftwerke – Ein Leitfaden für den Anwender. BINE Informationsdienst 2009

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