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Foto: Miguel de Guzman

Kunst hinter Keramikschleier: Kulturzentrum in Navalmoral

Navalmoral ist eine 17.000 Einwohner zählendes Provinzstädtchen etwa 120 Kilometer westlich von Madrid – und Standort des international operierenden Architekturbüros Losada Garcia Arquitectos. Der Bau des neuen Kulturzentrums „La Gota“ war für die Architekten somit ein Heimspiel. Der fünfgeschossige, auf einem Eckgrundstück gelegene Neubau beherbergt ein vielseitiges Nutzungsprogramm hinter homogener Hülle. Dazu zählen Räume für Wechselausstellungen, eine Dauerausstellung mit Werken der  aus Navalmoral stammenden Malerin Sofia Feliu sowie ein Tabakmuseum – Letzteres in Anbetracht der Tatsache, dass über 95% der spanischen Tabakproduktion aus der umliegenden Provinz Extremadura stammen.

Die Gebäudestruktur ist denkbar einfach: Rund um den zentralen Gebäudekern mit Treppenhaus und Aufzug erstreckt sich auf jeder Ebene ein ungeteilter, ringsum verglaster Ausstellungsraum. Die Geschossebenen sind wechselweise gegeneinander verdreht, sodass auf der Nord- und Ostseite großzügige Freiterrassen entstehen. Um die Auskragungen auf möglichst materialsparende Art und Weise zu realisieren, wurden die Geschossdecken aus Spannbeton hergestellt.

Das auffälligste Merkmal des Gebäudes ist sicher die Keramikverkleidung, die eine Art äußeren, Schatten spendenden Schleier vor der eigentlichen Glasfassade bildet. Dabei handelt es sich um ein im Handel erhältliches System („Flexbrick“) aus Keramikplatten, die auf geflochtene Metallstäbe aufgefädelt sind. Diese wiederum wurden beim Kulturzentrum geschossweise zwischen den Rändern der Geschossdecken verspannt. Entwickelt hat das System vor ungefähr 15 Jahren Vicente Sarrabio, damals Doktorand an der Universität Barcelona. Inspiriert war Flexbrick nicht zuletzt vor den stahlbewehrten Ziegelschalen des uruguayischen Ingenieurs Eladio Dieste.

Neben Glas und Ziegel tritt bei „La Gota“ noch ein drittes charakteristisches Fassadenmaterial: Die Brandwände der beiden Nachbargebäude sind mit einem begrünten Fassadensystem verkleidet, das einen einheitlichen Hintergrund für den Neubau bildet und zugleich mit seiner Vegetation aus Tabakpflanzen einen inhaltlichen Bezug zur Ausstellung herstellt.

Ob die Besucher mit „La Gota“ glücklich werden, wird sich zeigen müssen. Stadt und Provinz als Bauherrn können sich jedoch nicht beklagen: Nach Angaben der Architekten kostete sie der Neubau nur knapp 900.000 Euro netto – ein Schnäppchen für ein Gebäude mit über 1200 Quadratmetern Geschossfläche.

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weitere Informationen:

Architekten: Losada Garcia Arquitectos, Cáceres / San Diego
Projektleitung:
Ramiro Losada-Amor, Albergo Garcia, Oscar González
Mitarbeiter:
Lucía Bentué, Toni Gelabert, Adriana Quesada und Marina Melchor

Tragwerksplanung, TGA-Planung: Valladares
Bauunternehmen:
Dragados
Begrüntes Wandsystem:
Unusualgreen
Keramikfassade:
Flexbrick

Bruttogrundfläche: 1220 m2
Baukosten:
885 785 Euro netto

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