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Foto: JCDA, Stanford, Seilnetz, Spiegel, Schlaich Bergermann Partner, Sonnensegel

Leicht und immateriell: Das Sky Reflector Dach in Stanford

Die Stanford University trat an James Carpenter Design Associates (JCDA) aus New York heran mit der Bitte, eine Überdachung für das Frost Amphitheater auf dem Unicampus zu entwickeln. Die Freilichtbühne wurde 1937 erbaut und kann stehend rund 7000 Personen fassen. Das neue Dach, das aber letztendlich nicht realisiert wurde, sollte für 2500 sitzende Zuschauer Schutz vor Sonne und Regen schaffen. Zudem waren Bühne, Bühnengebäude, Eingangssituation und Freiraum neu zu gestalten.

Die oberste Prämisse lautete für JCDA, die Integrität des Ortes zu bewahren, einer sechs Hektar großen, künstlich geschaffenen, leicht abschüssigen Grünfläche inmitten eines hochgewachsenen Baumbestands. Zentral darin eingebettet sind eine Open Air Bühne und Zuschauerränge mit beeindruckendem Blickfeld. Das Dachtragwerk bezeichnen die New Yorker Planer selbst als »minimalinvasive und gleichzeitig elegante« Lösung: eine axialsymmetrisch fächerförmige, zweifach gekrümmte Seilnetzkonstruktion. Durch seine flexible, dynamische Struktur fügt sich das Dach in der Tat harmonisch in die Topografie des Ortes ein. An den beiden Hochpunkten wird die Struktur über zweifach abgespannte Stahlmasten gehalten. Auf halber Höhe der Netzstruktur befindet sich an beiden Längsseiten je eine Seilabspannung direkt zum Boden. An den Tiefpunkten bzw. über der Bühne ist das Dach an einem einfach gekrümmten, leicht schräg nach hinten gestellten Stahlfachwerkbogen befestigt. Dieser Bogen überspannt den hinteren Bühnenbereich und ist (wiederum über Stahlseile) an zwei Punkten im Boden verankert.

Unter dem Seilnetz auf Höhe der Bühne trägt ein statisch unabhängiges Stahlfachwerk die Bühnentechnik. Das Seilnetz wiederum ist über dem Bühnenbereich mit einem Sonnensegel überspannt; ein Holzfachwerk dient hier als Zwischenlage. Ein weiteres, ausfahrbares Sonnensegel ist über den Zuschauerrängen unterhalb des Seilnetzes angeordnet. Als Material des Segels war ein wasserabweisendes und gegen UV-Strahlung und sauren Regen beständiges Textil geplant.

Über den Zuschauerrängen befinden sich zudem die in Querrichtung verlaufenden, vier Meter langen, so genannten Himmelsspiegel (»Sky reflectors«). 242 solcher Spiegel sieht der Entwurf insgesamt vor. Es handelt sich um polierte Aluminiumrippen, die an den Knotenpunkten des Seilnetzes befestigt sind. Ist das Sonnensegel eingefahren, werden die »Himmelspiegel« sichtbar. Von der Rückseite der Anlage in Richtung Norden entsteht dadurch eine mehrfach linear-gebrochene Himmelspiegelung. Dieser Lichteffekt ist, so die Architekten, »irgendwo zwischen Himmel und Erde« angesiedelt und steht im Wechselspiel mit dem Wetter. Aus der Gegenrichtung, also Richtung Bühne blickend, sind Spiegel und Struktur so gut wie nicht zu sehen.

Das Sonnensegel belebt das Klima des Amphitheaters: Kühle Luft sammelt sich am tiefsten Punkt der Anlage; es bildet sich ein Frischluftreservoir. Sonneneinstrahlung führt am höchsten Punkt der Zuschauerränge zur Konvektion. Dabei wird die kalte Luft von unten den Hang »hinaufgesogen« und entweicht seitlich und nach hinten. Dieser Luftaustausch sorgt für ein angenehmes Mikroklima im Inneren der Anlage.

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Weitere Informationen:

Tragwerksplanung:
Schlaich Bergermann Partner

Licht / Akustik: Arup

Fertigstellung:
2015

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