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Licht des Südens: Fondation van Gogh in Arles

Mit einem Neubau nach Plänen von Fluor Architectes ehrt die südfranzösische Stadt den Maler, der sie – und sich – unauslöschlich im Gedächtnis der Menschheit verankert hat. Darin spielt ein Medium die Hauptrolle, das schon in van Goghs Werk im Zentrum stand: natürliches Licht.

Architekt: Fluor Architecture
Standort:35 Ter Rue du Docteur Fanton, 13200 Arles, Frankreich

So richtig warm wurden die Einwohner von Arles mit dem exzentrischen Niederländer Vincent van Gogh zu dessen Lebzeiten bekanntlich nie. Dennoch war der nur 15-monatige Aufenthalt van Goghs in Südfrankreich seine produktivste Schaffenszeit: Rund 300 Gemälde und Zeichnungen entstanden während seiner Zeit in Arles.

Fast 125 Jahre nach seinem Tod finden van Goghs Gemälde nun erstmals einen adäquaten Ausstellungsort in der südfranzösischen Stadt. Bauherrin des 11-Millionen-Euro-Projekts ist die 1983 auf Betreiben des Schweizer Pharmafabrikanten Luc Hoffmann gegründete Fondation van Gogh. Sie hatte zuvor in einem Altbau neben dem Amphitheater von Arles residiert, doch dieser verfügte weder über die Sicherheits- noch über die Klimatechnik, um van Goghs Meisterwerke in angemessenem Rahmen auszustellen.

Auch der neue Sitz der Fondation ist ein saniertes und erweitertes, mehr als 500 Jahre altes Bürgerhaus unweit des Rhoneufers in der Altstadt von Arles. Das Hôtel Léautaud de Donines wurde Ende des 15. Jahrhunderts durch den Kaufmann Jacques Grilho errichtet und später immer wieder umgebaut, bevor es Fluor Architectes nun in einen zeitgemäßen Anforderungen genügenden Museumsbau transformierten.

Man betritt das Museumsgelände von Norden und gelangt durch ein übermannshohes Schiebetor, das der französische Künstler Bertrand Lavier mit Van Goghs charakteristischer „Vincent“-Signatur versehen hat, in den Innenhof. Die Eingangsfassade ist zwei Geschosse hoch und verglast. Im Erdgeschoss liegen lediglich die Kasse, WC und Nebenräume. Der große Ausstellungssaal und der zum Hof hin orientierte Museumsladen mit seiner Glasfront sind hingegen im ersten Obergeschoss untergebracht.  Der Grund für dieses Arrangement ist einfach: Aufgrund des natürlichen Gefälles auf dem Baugrundstück liegt das Erdgeschoss des alten Kaufmannshauses eine Etage höher als der Eingangshof im Norden.

„Impressionistische“ Farblichtspiele
Für das Glasdach des Museumsladens entwarf der Schweizer Künstler Raphael Hefti ein Kunstwerk, das von innen nahezu unsichtbar, dessen Wirkung dafür umso spürbarer ist: 78 dichroitisch beschichtete Glasschwerter in unterschiedlicher Größe ragen in unregelmäßiger Formation aus der Dachhaut empor. Sie erzeugen im Tagesverlauf wandernde Lichtflecken auf den Kalksteinwänden des Museumsladens, die überdies je nach Sonnenstand ihre Farbe ändern.

Auch in den übrigen Museumsräumen sparten die Architekten nicht an natürlichem Licht. Der große Saal ist mit einem unregelmäßig geformten Sheddach versehen, zwischen dessen Aufbauten die Gäste auf einer holzbedeckten Dachterrasse umherspazieren können. Die Räume im Altbau besitzen für ein Museum ungewöhnlich große Fenster, deren Licht durch innen angebrachte Textil-Screens gedämpft wird. Als weitere Tageslichtquelle fungiert der nunmehr glasüberdeckte Innenhof des alten Kaufmannshauses, in dem überdies Stahlstege und ein neuer Aufzug die Verbindung zwischen den Ausstellungsebenen herstellen.

In Abstimmung mit den Denkmalbehörden ließen die Architekten die Innenausstattung wo immer möglich erhalten. So entsteht darin nun ein spannender Dialog zwischen der Wohnarchitektur vergangener Jahrhunderte und den Meisterwerken van Goghs, wie man ihn in den meisten Museumsneubauten vergeblich sucht. „Hinter den Kulissen“ operiert freilich ein neues und hoch effizientes Lüftungssystem; die Beleuchtung übernehmen LED-Leuchten. Auch die Wärmedämmung und Abdichtung der Gebäudehülle wurde an zeitgenössische Standards angepasst, wo immer dies aus denkmalpflegerischer Hinsicht vertretbar war. Um unnötige Wärmeeinträge in die Ausstellungssäle zu verhindern, sind die Glasdächer und Oberlichter aus Glas mit sehr niedriger Emissivität hergestellt.

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