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MehrWert statt Müll: Geschlossener Baustoffkreislauf auf dem Vormarsch

Sprechen Architekten vom Wert eines Gebäudes, dann gehen sie meist von ideellen Werten aus – dem gestalterischen Wert, dem Nutzwert, dem Wert für die Baukultur – oder dem monetären Wert, den das Gebäude auf dem Immobilienmarkt erzielen kann. Kaum einer denkt dabei jedoch an den reinen Sachwert der im Gebäude verbauten Materialien, erst recht nicht bei Bestandsbauten. Bis vor kurzem wurden diese Werte auch nicht als solche erkannt. Während man bislang von Bauabfällen, von Schutt und Schrott sprach, wandelt sich nun der Wert der Abfälle hin zum Rohstoff. Die Architektenkammer Rheinland Pfalz widmete sich im Rahmen einer Fachveranstaltung dem Thema der Stoffkreislaufwirtschaft in der Baubranche. Die Dokumentation der Veranstaltung „MehrWert statt Müll“ fasst die Ergebnisse der Veranstaltung zusammen.

Die Veranstaltung "MehrWert statt Müll" fand am 4. Dezember in Mainz statt (Foto: divulgação Rosenbaum)

Baustoffe und besonders mineralische Bauabfälle machen einen großen Anteil unseres Mülls aus. Ressourcen- und energieschonende Technologien und Verfahren sind deshalb gerade in der Baubranche besonders stark gefragt. Ebenso wie Strategien zur Vermeidung von Bauabfällen, zur Aufbereitung und Wiederverwertung der Materialien und die intelligente Zweitverwertung von Materialien nach ihrer Nutzungsphase. „Mineralische Bauabfälle stellen mit Abstand die bedeutendste Abfallfraktion dar. Sie übersteigt das Aufkommen an Siedlungsabfällen um ein Vielfaches. Diese Bauabfälle gilt es zu hochwertigen Baustoffen aufzubereiten und in den Stoffkreislauf zurückzuführen. Dadurch werden Rohstoffvorkommen geschont, Abfälle recycelt und der mit dem Abbau von Rohstoffen verbundene Eingriff in den Natur- und Landschaftshaushalt auf das Mindestmaß beschränkt“, heißt es auf der Internetseite des Bündnis „Kreislaufwirtschaft auf dem Bau". Dieses existiert bereits seit 2012 und ist eine Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz, dem sich eine Vielzahl von Bündnispartnern aus Politik und Bauindustrie angeschlossen haben. Das Ziel des Bündnisses ist es, „Bau- und Abbruchabfälle – soweit technisch möglich, wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch verantwortbar – als sekundäre Rohstoffe zu nutzen. (...) Für die Umsetzung einer echten Kreislaufwirtschaft sind Akzeptanz nötig und Ideen“, so die Wirtschaftsministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin Eveline Lemke zu Beginn der Tagung „MehrWert statt Müll“.

Wie bemisst sich der Wert dieses Gebäudes? (Foto: Prof. Dr.-Ing. Silke Langenberg, München)

Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz hob die Schlüsselstellung der Planung hervor: „Die Abbruchmaterialien unserer baulichen Vergangenheit, sind viel mehr wert als Müll. Ob und in welchem Maß ihr Wert aber in einer neuen Verwendung realisiert wird, hängt zwar zum Teil von technischen und rechtlichen Randbedingungen ab, einen ganz großen Beitrag leistet aber die Planung.“ Darüber hinaus, das zeigten Referenten wie der Architekt Muck Petzet, besteht die eigentliche Herausforderung darin, möglichst wenig Abfall zu erzeugen. Vermeiden, Umnutzen und erst dann Wiederverwerten ist seine These, die er bereits 2012 zum Thema des deutschen Pavillons der Architekturbiennale von Venedig machte: Reduce - Reuse – Recycle. Den Müll als Rohstoff zu begreifen, dazu rief auch der Präsident der Ingenieurkammer, Dr.-Ing. Horst Lenz auf: „Rohstoffe müssen wirtschaftlich, nutzungsorientiert sowie kosten- und energieeffizient verwendet werden. Wir müssen im Hinblick auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit für moderne Baumaßnahmen bei Neubauten und Sanierungen sorgen, wiederverwertbare Baustoffe direkt einsetzen und die Abfallstoffe möglichst gering halten. Die Verwertung der Recyclingstoffe muss dabei besonders hochwertig und gütegesichert sein, um mit hoher Qualität in den Wirtschaftskreislauf und bei weiteren Bauvorhaben zum Einsatz zu kommen.“

Sanierung statt Abriss: Das Physikerquartier in Leinefelde, Rechts ist der originale Plattenbau zu sehen, links die Sanierung (Foto: Muck Petzet Architekten, München)

Eingeladen hatten die Architektenkammer Rheinland-Pfalz, das Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung sowie die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz im Rahmen des Bündnisses ‚Kreislaufwirtschaft am Bau‘.

Broschüre zur Tagung „MehrWert statt Müll“

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