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Mit gutem Beispiel voran

Innovatives und nachhaltiges Bauen bei Bundesbaumaßnahmen

von Min.-Dir. Günther Hoffmann, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Leiter der Abteilung Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten

Der Bund als öffentlicher Bauherr ist der exponierteste Repräsentant deutscher Baukultur. Er steht mit seinen Gebäuden im Fokus der Diskussionen um nachhaltiges und energieeffizientes Bauen. Die Bundesbauten richten sich nach der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, deren praktische Umsetzung im Folgenden beschrieben ist.

Neubau des Auswärtigen Amtes in Berlin, Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann
Neubau des Auswärtigen Amtes in Berlin, Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann

Der Bund hat einerseits die Aufgabe, für qualitätsgerechte Regeln zu sorgen und darüber hinaus deren Anwendung vorbildlich umsetzen. Ausgangspunkt für die Bemühungen des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) um hochwertige und nachhaltige Gebäude ist die von der Bundesregierung verfolgte nationale Nachhaltigkeitsstrategie.

Sie definiert Ziele und Indikatoren und ist Maßstab für die Ressortpolitik. Der aktuelle Koalitionsvertrag der Bundesregierung bestimmt, dass die Nachhaltigkeitsstrategie im bewährten institutionellen Rahmen weiterentwickelt werden soll. Der Koalitionsvertrag legt weiterhin fest, dass der Bund auch in Zukunft seiner Vorbildfunktion für Baukultur und Nachhaltigkeit bei seinen Baumaßnahmen gerecht wird. Die Ergebnisse von Forschung und Entwicklung, aber insbesondere auch die der Forschungsinitiative Zukunft Bau, werden dabei durch die Bundesregierung umfassend und zügig in der Praxis umgesetzt.

Die Bundesregierung kann bei ihrer aktuellen Baupolitik auf einer guten Basis an nachhaltigen und energieeffizienten Gebäuden aufbauen. Bereits beim Umzug der Verfassungsorgane und von Obersten Bundesbehörden von Bonn nach Berlin hatte die Bundesregierung auf Beschluss aller Fraktionen des Deutschen Bundestags die Liegenschaften in Berlin vorbildlich energetisch ertüchtigt oder neu gebaut. Ziele waren unter anderem, mindestens 40 % unter den Anforderungen der damaligen Wärmeschutzverordnung zu liegen und ca. 15 % der Energie über erneuerbare Quellen zur Verfügung zu stellen. Mit der Erarbeitung von Energiekonzepten für jedes Gebäude und deren konsequente Umsetzung unter Kontrolle eines Energiebeauftragten der Bundesregierung gelang es, diese Ziele einzuhalten bzw. punktuell deutlich besser zu realisieren.

Bei der Ausstellung von Energieausweisen für die Verfassungsorgane und alle Obersten Bundesbehörden in Bonn und Berlin zeigte sich, dass die Gebäude zwischen 20 und 60 % besser sind als die Anforderungen der Energie-Einsparverordnung (EnEV) 2007. Die spezifischen Transmissionswärmeverluste lagen bis zu 75 % unter den geforderten Werten. Möglich sind solche Ergebnisse durch die Ausführung eines hochwertigen baulichen Wärmeschutzes und den Einsatz energieeffizienter ökologischer Versorgungssysteme, um den Primärenergieeinsatz zur Energiebedarfsdeckung des Gebäudes zu begrenzen. Im Spreebogen wurde für die Parlaments- und Regierungsbauten ein besonders innovatives Energieversorgungskonzept entwickelt. Kernpunkte sind die Verwendung von:
- Blockheizkraftwerken
- Saisonalen Speichern (Aquifer)
- DEC-Anlagen zur Raumluftbehandlung (Desiccant Cooling Systems)
- Photovoltaik (PV).

Photovoltaikanlage auf dem Neubau des Auswärtigen Amtes in Berlin
Photovoltaikanlage auf dem Neubau des Auswärtigen Amtes in Berlin

Zudem sind die Gebäude des Deutschen Bundestags mit einem unterirdischen Energieverbund versorgungstechnisch gekoppelt. Mit diesem Energieversorgungskonzept wird eine regenerative Deckungsrate von 60 % erreicht. Das zeigt ein Monitoring während der Nutzung der Gebäude.

Im Zuge des Regierungsumzuges wurden 10.000 m2 PV-Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 825 kWPeak und 1.500 m2 solarthermische Anlagen auf bzw. an den Parlaments- und Regierungsgebäuden in Berlin errichtet. Darüber hinaus wurden beispielsweise auch noch folgende innovative Systeme eingesetzt:
- Anlagen zur solaren Kälteerzeugung (Absorptions- oder Adsorptionskältemaschinen in Kombination mit Solarthermie)
- Pflanzenöl-BHKWs
- Erdwärmetauscher zur Vorerwärmung/-kühlung von Außenluft für raumlufttechnische Anlagen.

Das Monitoring der Erträge der photovoltaischen Anlagen der Parlaments- und Regierungsgebäude in Berlin zeigt, dass mittlerweile jährlich etwa 500 MWh/a an Elektroenergie bereitgestellt werden.

Die bei den Bonner und Berliner Regierungsbauten gemachten Erfahrungen wurden mit dem BMVBS-Leitfaden "Nachhaltiges Bauen" konsequent fortgeschrieben. Mittlerweile ist der Einsatz von Systemen zur Nutzung regenerativer Energien bei Baumaßnahmen des Bundes Bestandteil des Leitfadens. Dort wird beispielsweise vorgegeben, dass ab einem bestimmten Bauvolumen ein Teil der Finanzmittel für Maßnahmen zur Nutzung regenerativer Energien vorzusehen ist. Der bereits im Jahre 2001 veröffentlichte Leitfaden ist für den Bundesbau verbindlich eingeführt. Viele Gebäude des Bundes wie beispielsweise das in Dessau entstandene neue Umweltbundesamt sind Exponenten der Vorbildfunktion des Bundes in dieser Hinsicht.

Weiterführende Themen: Richtlinien für nachhaltiges Bauen am Beispiel des Umweltbundesamts (UBA)

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