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Movable House – ein mobiles Gebäude

Rahbaran Hürzeler Architekten haben ein Wohnhaus entwickelt, das komplett seinen Standort wechseln kann. Voraussetzung dafür sind eine modulare Bauweise, die einen vollständigen Auf- und Abbau ermöglicht, sowie ein einfacher Transport der Gebäudeteile. Der Impuls kam von den Bauherren, die sich wünschten, ihr Haus mit umziehen zu können. Ursula Hürzeler beschreibt die planerischen Herausforderungen: »In diesem Projekt war eine zweite, dritte Nutzungsphase direkt mitzudenken. Wie kann man ein Gebäude demontieren und es an einem neuen Ort wieder aufbauen? Wie kann man die Prozesse auf der Baustelle vereinfachen? Diese Anforderungen haben schnell zur Überlegung geführt, wie ein Haus grundsätzlich effizienter werden kann. Was ist notwendig, was kann wegfallen? Wie kann auf allen Ebenen optimiert werden? Unser Ziel war es, mit wenigen Bausteinen und geringem Materialeinsatz viel Raum zu schaffen – ansprechenden und qualitätsvollen Wohnraum. Es wurde zur Herausforderung, alle Aspekte zu vereinfachen.«

Minimalismus als Konzept
Der Grundgedanke des Hauses, der einen Ortswechsel überhaupt möglich macht, ist die Reduktion in allen Bereichen von der Herstellung über Transport, Lagerung und Energieverbrauch bis zur Grundrissfläche. »Es war ein architektonischer Wunsch, die Struktur offen zu zeigen und sowohl die Schichten als auch die Materialien zu minimieren. Es gibt keine Vorsatzschalen, alle Leitungen sind sichtbar geführt oder liegen in den Schränken. Ein positiver Effekt dessen war, dass wir kaum Platz für die Installationen brauchten«, erläutert die Architektin.

Haus ohne Tragwerk
Das Wohnhaus hat kein Tragwerk im klassischen Sinn, sondern tragende Elemente, die gleichzeitig Möbel, Decke und Boden bilden sowie Wärmedämmung und -speicherung beinhalten. »Die begehbaren Holzkerne sind tragend, aber gleichzeitig mit nur 4 cm Wandstärke auch sehr filigran. Sie bestehen aus Baubuche, einem zusammengeleimten Buchenfurnier. Das Material ist extrem schlank und seine Tragwerte sind vergleichbar mit Beton oder Stahl. Das Furnierschichtholz kann sowohl Zug als auch Druck aufnehmen, was wegen der asymmetrischen Belastung durch die Betondecke wichtig ist. Aus statischer Sicht mag die Mischbauweise – feine Holzkerne tragen Deckenelemente aus Beton – vielleicht etwas unorthodox erscheinen. Für die jeweilige Anforderungen sind aber beides die idealen Materialien«, so die Architektin. Das Flachdach besteht aus vorgespannten, nur 6 cm starken, U-förmigen Betonelementen, die zwischen den seitlichen Rippen bereits ab Werk mit 22 cm Dämmung versehen sind. Den Boden bilden 11 cm dicke Fertigbetonelemente mit integrierten Phase Change Materials (PCM) auf Wachs- und Salzbasis. Sie verleihen der Bodenplatte die gleiche Wärmespeicherfähigkeit wie 30 cm Normalbeton.

Haus in Bewegung
Um das Haus demontieren und wieder aufbauen zu können, mussten spezielle Verbindungen entwickelt werden, die die Holzelemente kraftschlüssig mit der Betondecke und der Bodenplatte verbinden. Der Bauherr, Nico Ros von ZPF Ingenieure, übertrug Steckverbindungselemente, die ursprünglich aus dem Holzmöbelbau stammen, auf den Gebäudemaßstab. Stahlhalbmonde mit einer sehr hohen Zugkraft von 25 kN spannen die Elemente nun auf Zug zusammen. Mit einer Gewindestange werden die Holz- und Betonelemente fixiert. Auch für die Verbindung der fünf jeweils 2 × 10 m großen Betondeckenelemente kamen Gewindestangen, die quer durch die Elemente geschoben wurden, zum Einsatz. Aus fünf in eine Richtung tragende Elemente entstand auf diese Weise eine in zwei Richtungen tragende Platte.

Nach rund vier Monaten Herstellungs- und einem Monat Aufbauzeit befindet sich das Haus seit August 2018 in der Testphase. Im Rahmen eines Monitorings überprüft das Institut Energie am Bau der Fachhochschule Nordwestschweiz die energetischen Parameter. Dabei steht der Einsatz von Phasenwechselmaterialien auf Wachs- und Salzbasis, die in zwei Räumen zur Kompensation der reduzierten Speichermasse des Leichtbaus in die Bodenplatte eingelassen sind, im Fokus. Das Pilotprojekt soll wegweisend sein für Nachfolgebauten. Die Erkenntnisse aus der Vorfertigung des Baukastensystems sollen Grundlagen für die spätere industrielle Produktion liefern. Der Bauherr möchte das Haus nach Abschluss der Testphase an einem anderen Standort wiederaufbauen lassen.

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