You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Welcome Home – Co-Living 2020, MINI Living, UnternehmerTUM, DETAIL, Veranstaltung, Wohnen, Zukunft, Nachbericht

Nachbericht der Veranstaltung »my home is my castle«

Rund 150 Gäste verfolgten am 28. November 2018 im Mucca im Kreativquartier in München die Impulsvorträge interdisziplinärer Experten, die aus unterschiedlichen Perspektiven ihren Einblick in die Wohnwelten der Zukunft, aktuelle Entwicklungen und Projekte zum Thema Co-Living gaben.

Außer der Reihe der Wohnprojekte stellte Johann Spengler von Steidle Architekten, die den Wettbewerb um das im Münchner Kreativquartier entstehende Munich Urban Colab der UnternehmerTUM in Kooperation mit der Landeshauptstadt München für sich entscheiden konnten, den aktuellen Stand der Planungen vor. Ab 2020 werden hier Start-ups, Corporate Innovators, Wissenschaftler und Kreative aus verschiedenen Branchen und Disziplinen gemeinsam unter einem Dach an intelligenten Technologien und Dienstleistungen für die Stadt der Zukunft arbeiten.

»Was geht Ihnen durch den Kopf wenn Sie an die Zukunft des Wohnens denken? Hochhäuser, Smart Homes, fliegende Betten?« Stefan Breit, Zukunftsforscher am Gottlieb Duttweiler-Institut (GDI) in Zürich und Co-Autor einer Studie zum Thema Microliving führte mit seinem Vortrag in die Veranstaltung »my home is my castle«, dem Auftakt der dreiteiligen Reihe »Welcome home – Co-Living 2020« von UnternehmerTUM, MINI Living und DETAIL, ein und zeigte den Spagat zwischen den Sehnsuchtsorten, die sich bei bekannten Suchmaschinen zum Thema »Wohnen der Zukunft« abbilden, und der gebauten Realität auf. Den klassischen 4-Personen-Haushalt lösen neue, ausdifferenzierte Wohnformen ab. Wohnen wird individualisiert – ob Einpersonenhaushalt oder WG für 10 Personen. Alles wird entsprechend den persönlichen Wünschen maßgeschneidert, führt Breit aus. Trotzdem wird es aus seiner Sicht weiterhin wichtig bleiben, das Bedürfnis nach Verwurzelung abzubilden. Dieses kann durch Gemeinschaftlichkeit entstehen, die zum Beispiel durch neue Konzepte wie Clusterwohnungen gestärkt werden kann. Viele dieser Veränderungen sind nicht primär technologiegetrieben, sondern entstehen aus gesellschaftlichen Trends.

Die Frage nach dem »Zusammenwohnen« von morgen stellte sich auch der Sozialwissenschaftler Moritz Fedkenheuer, der verschiedene Forschungsprojekte mit architektur- bzw. wohnsoziologischem Schwerpunkt betreut. In seinem Vortrag erläuterte er die Erkenntnisse aus seiner Post Occupancy Evaluation im Wohnexperiment Cubity in Frankfurt am Main, bei dem 12 minimalisierte Wohnboxen auf zwei Ebenen um einen großen Gemeinschaftsraum gruppiert sind. Als temporärer Mitbewohner der Gruppe konnte er die Perspektive der Nutzer, die Diskussionen und Aushandlungsprozesse im Wohnalltag in besonderer Weise erleben. Die offene Raumstruktur und die sich daraus zufällig ergebenden Begegnungen fördern die Interaktion und damit die Stärkung der Gemeinschaft. Doch die Minimierung des Privaten zugunsten der Maximierung der Gemeinschaftsflächen könne nicht nur über die rein räumliche Programmatik gelöst werden, so Fedkenheuer. Es gehöre auch das passende »Mindset« der Bewohner dazu, eine solche Wohnkultur anzunehmen, die wiederrum Identität stiften kann. Weitere Vorteile und Erkenntnisse der Evaluierung liegt auf der Hand: Nicht nur die Nutzer werden in den aktuellen Entwurfsprozess einbezogen, auch Planer können für zukünftige Konzepte auf den Wissensspeicher der Befragungen und Ergebnisse zurückgreifen. Die Erkenntnisse aus dem Cubity-Projekt und weiteren Forschungsarbeiten fließen nun in ein aktuelles Projekt zum Studentischen Wohnen in Heidelberg ein, das der Architektursoziologe zusammen mit dem Architekten Hans Drexler bearbeitet.

Auch Hans Drexler von DGJ Architektur interessiert in seinen Forschungsarbeiten und realisierten Projekten die Frage, wie neue Ideen für das gemeinschaftliche Wohnen in die Praxis umgesetzt werden können – nicht nur einseitig aus der Sicht der Planer gedacht, sondern im Dialog zwischen den Bewohnern und der Architektur. Als Beispiel dieser Herangehensweise stellte er das Projekt Collegium Academicum im Rahmen der IBA Heidelberg vor. Initiiert aus einer selbstverwalteten studentischen Hausgemeinschaft, entsteht bis 2020 ein Neubau, der Platz für 46 Wohngemeinschaften für 3-4 Personen auf vier Etagen bietet. Die Besonderheit ist das flexible Zusammenspiel von individuellen Räumen und Gemeinschaftsflächen, die sich durch umsetzbare Wandelemente je nach Nutzungsanforderung umgestalten lassen. Auf diese Weise sind verschiedene Schichten von Privatheit bis Öffentlichkeit innerhalb jeder der 46 Wohnflächen möglich.
 
»Gemeinschaft oder Co-Living?«, fragte sich Prof. Markus Frenzl von der Hochschule München auf der Suche nach einer Definition von »Community« und ergänzte provokant: »Ist das Teilen eines gemeinsamen Raumes gleichbedeutend mit dem Teilen von gemeinsamen Werten?« Denn ein Raum allein sorgt noch nicht für Gemeinschaft. Was sind also die Auslöser, um Kommunikation zu erzeugen? Anhand von aktuellen Studentenarbeiten der Hochschule München stellte er verschiedene Projekte und deren Fokussierungen auf die Gemeinschaftsaspekte vor – vom FoodLab für gemeinschaftlich verwerteten Anbauüberschuss bis zum Manifest der 9 Anforderungen an urbanen Raum.

Einen Einblick, wie sich die Formulierung von Wünschen und Zielen in konkreten Raum übersetzen ließen, gab Architekt Christian Hadaller, der in seiner Funktion als Vorstand der 2015 gegründeten Genossenschaft Kooperative Großstadt eG als Impulsgeber geladen war. Mit dem Neubau San Riemo entsteht in München Riem das erste Projekt der Genossenschaft, das auf einer Reihe von Grundsätzen basiert, um die Verknüpfung des Gebäudes mit dem Quartier und der Stadt zu optimieren. Den vermeintlichen Widerspruch des Kredos »my home is my castle« und dem Konzept des Co-Livings, löste er elegant auf, indem er den privaten Rückzugsort als Kernstück einer Wohnung, als eine Art festgeschriebene Grundfunktion deklarierte. Nach Ansicht der Kooperative stellt sich die Frage nach dem gemeinschaftlichen Wohnen nicht in der Umsetzung der einzelnen Wohnbereiche, sondern in der Zukunftsfähigkeit von Wohnhäusern, die auf funktionaler, sozialer und räumlicher Ebene Flexibilität und Vernetzung bieten. Ein Beispiel hierfür sind die sogenannten Treppenzimmer im Projekt San Riemo, die als variabel zubuchbare Schalträume eine Reihe von Möglichkeiten bieten, um Gemeinschaft im Alltag zu organisieren und zudem das Haus als Geflecht von verknüpften Räumen lebendig halten.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch das Team von Oke Hauser, Architekt und Creative Lead für MINI LIVING. Getreu dem Motto der Marke MINI »Creative Use of Space« setzt sich die Initiative Mini Living seit 2016 mit neuen Wohnkonzepten im urbanen Raum auseinander. In Kooperation mit internationalen Architekten entstanden an verschiedenen Standorten unterschiedliche Co-Living-Installationen, die jeweils auf ihre Art mit dem Kontext korrespondieren. Dabei stand bei allen Konzepten und zum Teil bereits realisierten Projekten nicht die Frage nach der Größe der Räume im Mittelpunkt, sondern immer die Frage, wie Architektur zu einem besseren urbanen Leben beitragen kann.

Die Architektin Johanna Meyer-Grohbrügge von June14 Meyer-Grohbrügge & Chermayeff bringt ihre Erfahrungen aus dem Leben und Arbeiten in der japanischen Metropole Tokyo in ihre Projekte ein. Das von ihr vorgestellte Baugruppenprojekt in der Kurfürstenstraße in Berlin ist ein Prototyp für einen extremen Wohnansatz, der der Fragestellung folgt, wie man Räume sinnvoll teilen kann – und darunter versteht Meyer-Grohbrügge nicht nur den klassischen Gemeinschaftsbereich im Erdgeschoss. Entstanden sind sechs vertikale Volumen entlang einer Eckbebauung, in deren Überlappungsbereich verschiedene Raumsituationen – horizontal und vertikal verschnitten – entstehen. Der eigentliche Clou liegt darin, dass das Gebäude ohne trennende Wände geplant ist. Lediglich die Zonierung über die Höhenversprünge und die Raumverschränkung durch die Grundstruktur trennt die Wohnbereiche visuell und lässt eine flexible Nutzung der entstehenden Flächen, gemeinschaftlich oder privat, zu.
 
Mut zum Experiment beweist auch der Schlussredner des inspirierenden Abends. Gregor Wöltje, Mitbegründer und Geschäftsführer des ersten Pop-Up-Hotels der Welt: »The Lovelace – A Hotel Happening«, eine Zwischennutzung in einer Büroimmobilie in der Münchner Innenstadt. Wöltje nahm die Zuhörer mit auf eine spannende Reise zwischen Pop und Politik, Kunst und Kommerz, Gesellschaft und Individuum, weit über die eigentliche Hotelnutzung hinaus.

Nach den anregenden Vorträgen nutzten die Teilnehmer das anschließende Get-Together zum intensiven Austausch und zwanglosen Networking untereinander sowie mit den Referenten und Partnern. Die Veranstaltung wird im März 2019 unter dem Motto »have we met?« und »coming soon... Kreativquartier« im Juni 2019 fortgesetzt. Weitere Informationen finden Sie unter https://coliving2020.de

Bleiben Sie neugierig – welcome home!

Kurze Werbepause

Unter dem Motto »Welcome Home – Co-Living 2020« gehen UnternehmerTUM und MINI Living zusammen mit Experten und der Öffentlichkeit in einer Veranstaltungsreihe aktuellen Fragen des urbanen Wohnens nach und diskutieren neue Wohnformen und -konzepte. Anlass für die gemeinsame Initiative ist der Bau des Munich Urban Colabs im Münchner Kreativquartier durch UnternehmerTUM und die Landeshauptstadt München.
 
UnternehmerTUM, Europas führendes Zentrum für Innovation und Gründung, und die Landeshauptstadt München schaffen mit dem Munich Urban Colab einen zentralen Ort für die interdisziplinäre Entwicklung von Lösungen für die Stadt von Morgen.

MINI LIVING ist eine Initiative, in deren Rahmen sich MINI basierend auf dem Prinzip des »Creative Use of Space« seit 2016 mit architektonischen Lösungen für urbane Lebenswelten der Zukunft auseinandersetzt. In den vergangenen Jahren zeigte MINI LIVING mit verschiedenen Installationen visionäre Konzepte von geteiltem und kollaborativem Wohnen, Leben und Arbeiten in der Stadt. 

UnternehmerTUM, MINI Living, DETAIL, Logos
Aktuelles Heft
DETAIL 11/2019
DETAIL 11/2019

Baustoffe aus der Natur

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.