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Schwabinger Tor, München, ATP, 03 architekten

Neubauquartier in Stein gemeißelt: Schwabinger Tor in München

»Mit der urbanen Architektur und Nutzungsmischung des Schwabinger Tors wollten wir zeigen, dass Schwabing nicht an der Münchner Freiheit aufhört« lautete die Zielsetzung des Eigentümers, der Jost Hurler-Gruppe. Mit 89 000 m2 Geschossfläche oberirdisch und drei 14-geschossigen Hochhäusern ist das Areal wahrlich nicht zu übersehen. Neben den mehr als 200 Wohnungen, 50 attraktiven Büros, einem 5-Sterne-Hotel sowie zahlreichen Angeboten an außergewöhnlicher Gastronomie und individuellen Läden und Dienstleistungen hebt sich das Quartier durch seine Materialisierung deutlich von anderen Neubauvierteln ab: Die Fassaden sind aus großformatigen Natursteinen und massiven Fertigteilen aufgemauert.

Als Inspiration dienten das nahe Siegestor mit der bayerischen Quadriga und die klassizistischen Fassaden beiderseits der Ludwigstraße mit Leo von Klenzes St. Ludwigskirche.

Der städtebauliche Entwurf stammt von 03 Architekten, die sich im Wettbewerb gegen internationale Büros wie Foster and Partners durchsetzen konnten. Das gesamte Areal mit neun Gebäuden ist durch eine gemeinsame Tiefgarage und Anlieferungslogistik verbunden. Insgesamt 57 000 m2 wurden vom Büro ATP Architekten und Ingenieure unterirdisch errichtet. Der nördliche Wohnturm von Max Dudler ist mit Trosselfelser Kalkstein bekleidet, wobei die schrägen Laibungen mit aufgerauter Oberfläche die haptische Qualität des Steins verstärken. Die Fensterprofile sind hinter den Laibungssteinen verdeckt, sodass ein abstrakt anmutendes Gesamtbild entsteht. Dudlers südlicher Wohnturm ist dagegen mit Fertigteilen aus strahlend weißem Naturwerkstein bekleidet, dessen Eckrisalith im Erdgeschoss als tonnenschwerer Megalith ausgebildet ist.

Die Fassaden des Hotels haben Hilmer & Sattler und Albrecht in Naturstein gestaltet mit Öffnungen, die mit filigranen Lisenen und reliefierten Laibungen spielen. Um eine allzu einheitliche Gestaltung zu vermeiden, ist eines der Gebäude in tektonisch wirkenden anthrazitfarbenem Naturstein gehüllt, während 03 Architekten zwischen die Geschossdecken ihrer zwei Bauten großformatige weißen Beton-Fertigteile setzen, deren plastische gewellte Oberfläche an raumhohe Vorhänge erinnern. Aus der Reihe fällt die Fassade von Hild und K. Bewusst atektonisch als Dekor verteilen die Architekten die Muster aus Ziegel auf ihren Betonelementen, die durch die Fugenteilung die horizontale Gliederung der Geschossdecken überspielen.

Auch wenn die individuellen Interpretationen des Themas Steinfassade zur Vielfalt beitragen, das übergreifende Konzept der horizontalen Nutzungsmischung verbindet sechs der neun Häuser: Mit Ausnahme der zwei Trakte des Hotels und eines reinen Bürogebäudes sind im Erdgeschoss Läden bzw. Gastronomie, in den darüberliegenden drei Obergeschossen Büros untergebracht, erst dann in den besser belichteten Etagen folgen die Wohnungen. Die entsprechend unterschiedlichen Geschosshöhen unterstreichen zusätzlich die Vielfalt innerhalb des einheitlich steinernen Quartiers.

Die robusten massiven Gebäudehüllen tragen entscheidend zur noblen Ausstrahlung des Schwabinger Tors bei. Die Fassaden können einfach mit dem Dampfstrahler gereinigt werden, weitere Wartungskosten sind in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

Die von den Eigentümern intendierte typische Schwabinger Stimmung lässt sich jedoch nur schwer nachvollziehen. Das steinerne Schwabinger Tor erinnert eher an das steinerne Berlin oder die Großstadtarchitektur von Metropolen der 1930er-Jahre.

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DETAIL 6/2019
DETAIL 6/2019, Mauerwerk und Stein

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