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"Ökologischer Eid" für Designer und Architekten

Was bedeutet der Begriff „Nachhaltigkeit“ in der alltäglichen Entwurfsarbeit? Welche ethischen Leitlinien soll man verfolgen, um dem Nachhaltigkeitsanspruch gerecht zu werden? Nicht jeder Architekt oder Designer weiß auf diese Fragen spontan eine Antwort. Berliner Designstudenten haben nun eine freiwillige Selbstverpflichtung zu ökologischem Handeln nach Vorbild des „hippokratischen Eides“ initiiert.

„Jeder Mensch sollte, im Beruf oder privat, [...] Verantwortung übernehmen für den Einfluss, den er auf die Gesellschaft hat, in der er lebt. Und damit auch auf seine Umwelt und seinen Planeten“, beschreibt Felix Groll, Student des Industriedesigns an der Universität der Künste Berlin, die Leitgedanken seiner Initiative. Entstanden ist der „Ökologische Eid“ im Rahmen einer Seminararbeit. Der Eid wurde vor allem für Designer formuliert, lässt sich jedoch ohne weiteres auch auf die Tätigkeit von Architekten übertragen. Der Eid, der online unter www.oekologischer-eid.de unterzeichnet werden kann, verdeutlicht die Tragweite und Bandbreite dessen, was Nachhaltigkeit heute bedeutet. Im Einzelnen heißt es darin:

  • Ich gelobe meine Arbeit in den Dienst guter Gestaltung zu stellen.
  • Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Verantwortung ausüben und mit allen meinen Kräften das Ansehen und den Wert der Arbeit des Gestalters aufrechterhalten.
  • Ich bin mir der Verantwortung meiner Designs gegenüber der Gesellschaft, der Umwelt und unserem Planeten bewusst und will entsprechend entwerfen.
  • Ich will so effizient, sauber und nachhaltig, so ökologisch und sozial verträglich gestalten, wie es in meiner Macht steht auf dass, die Wirkung meiner Handlung verträglich ist mit der Permanenz von Leben auf der Erde.
  • Ich will die globale Notwendigkeit von ökologisch verantwortungsbewusstem Design über mein Bedürfnis nach Anerkennung und kurzfristigen Gewinnen stellen.
  • Ich will umweltschonende und ressourcensparende Rohstoffe verwenden, langlebige Produkte statt Wegwerfprodukten gestalten, den Recyclinggedanken schon beim Entwurf einbeziehen und meine Entwürfe auf Praktikabilität prüfen.
  • Ich werde versuchen Produkte zu entwerfen, die gewährleisten, dass der natürliche Kapitalstock konstant gehalten wird.
  • Ich fühle mich einer intertemporalen und weltweiten Gerechtigkeit und einer Produktion unter sozial fairen Bedingungen verpflichtet.
  • Meine Produkte sollen die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.
  • Ich erkenne die Dringlichkeit eines ganzheitlichen Umdenkens und will meinen Einfluss und meine Fähigkeiten als Kreativer und Schaffender nutzen um Vorreiter einer Generation zu sein, die Initiative ergreift.
  • Meine Arbeit soll die Gestaltungsmöglichkeiten für verantwortliches, ökologisches Handeln aufzeigen und die Selbstverantwortung des Einzelnen verbessern.
  • Anspruch und Chance zugleich ist es, nachhaltige Produktionsverfahren und Konsummuster in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion zu rücken.


Der „ökologische Eid“ ist nicht die einzige Initiative eines Designers, die in diese Richtung geht. Auch die Allianz deutscher Designer (AGD) e.V. wirbt auf ihrer Website um Unterzeichner für eine „Charta für nachhaltiges Design“. Darin heißt es unter anderem:

„Nachhaltigkeit heißt, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit zu verbinden – auch für die zukünftigen Generationen. Der Begriff ist recht neu, der Gedanke jedoch alt – und dabei von steigender Brisanz für uns alle.

Wir als Designer leisten unseren Beitrag zur Nachhaltigkeit, indem wir für unsere Tätigkeiten, unsere Dienstleistungen und die daraus entstehenden Produkte die Verantwortung übernehmen. Unser Handwerkszeug ist kein anderes als das aller Designer. Entscheidend ist die Haltung, mit der wir es gebrauchen.“

zur Website zum „Ökologischen Eid“
zur Charta für nachhaltiges Design des AGD e.V.

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