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Haussmann, Paris

Paris Haussmann: Modèle de Ville

Die umfassende Analyse über die »Neuerfindung« von Paris durch seinen berühmtesten Beamten könnte an keinem besseren Ort gezeigt werden. Der Pavillon de L’Arsenale ist seit 1988 so etwas wie das Architekturzentrum von Paris. Im Erdgeschoss sind die wichtigsten Stationen der Stadtgeschichte an anschaulichen Wandtafeln chronologisch aufgereiht und gehen fließend in aktuelle Bauten und zukünftige Planungen über. Die bebilderten Wände umrahmen das Zentrum der Dauerausstellung, ein interaktiver modular aufgebauter Screen mit dem Luftbild des Stadtzentrums, der horizontal wie ein Teppich ausgebreitet ist. Sofort fällt das unregelmäßige diagonale Netz schnurgerader begrünter Boulevards auf, das Paris so unverwechselbar macht. Trotz unzähliger Neubauten der letzten Jahrzehnte zeigt das Luftbild vor allem eines: Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die Stadt im Wesentlichen nicht verändert – zumindest nicht sichtbar.

Wie kann es sein, dass eine Metropole, die unter einem Herrscher wie Napoleon III als Idealstadt monarchischen Machtanspruchs geprägt wurde, bis heute seine Gültigkeit hat?

Auf den 200 Quadratmetern der umlaufenden Galerie des Pavillon de l’Arsenal breiten die Kuratoren Umberto Napolitano, Benoît Jallon und Franck Boutté die Antwort aus. Das Ergebnis Ihrer umfassenden Analyse: Haussmann hat seine Modellstadt bis ins kleinste Detail durchgeplant, sodass sie in vielen Bereichen nachfolgenden Stadtmodellen der Moderne auch heute weit überlegen ist.
Die Architekten weisen ihre These anhand zahlreicher Diagramme und Zeichnungen nach. Vergleiche mit anderen Städten wie Barcelona oder New York zeigen die unglaubliche Effizienz von Paris im Hinblick auf Dichte, kurze Fußwege und wohl proportionierte Stadträume. Andere Kapitel analysieren ökonomische oder klimatische Aspekte. Ein günstiges A/V Verhältnis mit vielen gemeinsamen Wänden ist nicht nur kostengünstig, sondern auch günstig im Energiebedarf. Der Flächenanteil der kostenintensiven, aufwändig dekorierten Straßenfassaden aus teurem Kalkstein ist sehr gering angesichts der tiefen Zuschnitte der Parzellen. Schmale Finger der Wohnungen, die sich in die Hinterhöfe strecken sorgen nicht nur für viel Tageslicht, sondern im Sommer auch für eine angenehme Durchlüftung, die durch die typischen französischen Vertikalfenster und hohe Raumhöhen unterstützt wird.

Was aber wäre Paris ohne seine harmonischen Fassaden mit den typischen dunklen Metallgeländern, die mit ihrer Vielfalt in der Einheit den durchgängigen Charme der Stadt bestimmen? Auch gestalterisch hat Haussmann seine Stadt bis ins Detail kontrolliert: Aus Katalogen von Musterbüchern konnten die Architekten und Bauherren sich ihr individuelles Haussmann-Haus zusammenstellen.

Wer sich in die Diagramme, Fotografien, Bücher, Modelle und Filme vertieft, fühlt sich in die Gründerzeit von Haussmann zurückversetzt, allerdings nicht nostalgisch, sondern wie ein Architekt der damaligen Zeit. Die schmiedeeiserne Skelettkonstruktion des Ausstellungsgebäudes, das 1879, also zu Lebzeiten Haussmanns eröffnet wurde, wird genauso zum Teil der Ausstellung wie der Blick hinunter auf das Luftbild des heutigen Paris. Schade, dass die Präsentation der für Paris so wichtigen Analyse am 4. Juni 2017 endet und nicht als Teil der Daueraustellung aufgebaut bleibt. Erhalten bleibt jedoch der hervorragende Katalog, der die meisten ausgestellten Abbildungen enthält und als Buch zumindest so lange erhältlich ist, bis er vergriffen sein wird.

Ein zusammenfassendes Werk über die Ausstellung im Pavillon d'Arsenal in Paris finden Sie hier in unserem Shop.

 

 

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Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 5/2017 mit dem Themenschwerpunkt »Klimagerechtes Bauen«.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2017
Klimagerechtes Bauen

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