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Prototyp für die Wüste

Der Siemens-Konzern macht erneut mit einem Großbauvorhaben Schlagzeilen: Nicht nur soll in München eine neue Konzernzentrale nach Plänen von Henning Larsen entstehen; derzeit wird auch in Masdar City ein neues, von den Briten Sheppard Robson geplantes Hauptquartier gebaut. Beide Neubauten streben Bestnoten in puncto Nachhaltigkeit an.

Masdar City
Bild: Sheppard Robson

Der Zeitplan für das neue Siemens-Headquarter in Masdar City, der Retortenstadt im Emirat Abu Dhabi, ist ambitioniert: Noch im Jahr 2012 soll die Fertigstellung gefeiert werden. Dabei ist die Herausforderung, vor der das Planungsteam und die Bauarbeiter hier stehen, keineswegs trivial: Der Neubau soll den Platin-Standard des amerikanischen Zertifizierungssystems LEED erreichen und 44% weniger Energie verbrauchen als ein gleich großes Standard-Bürogebäude nach amerikanischem ASHRAE-Standard.

Masdar City
Bild: Sheppard Robson

Die Entwürfe für den 20.000 Quadratmeter großen Bürobau stammen von den Londoner Architekten Sheppard Robson. Über einer verschatteten Plaza erheben sich vier Büroebenen mit nahezu quadratischen Grundrissen, die von neun Atrien belichtet und von sechs Kernen erschlossen werden. Aus dem halböffentlichen Erdgeschoss gelangt man in wenigen Schritten zur benachbarten S-Bahnstation, die Masdar City mit dem nahe gelegenen Downtown Abu Dhabi verbindet.

Die Gebäudehülle ist zweischalig, wobei die innere, hoch gedämmte Hülle die eigentliche Grenze zwischen Innen- und Außenklima bildet. Außen vorgehängt sind geschosshohe Verschattungselemente aus Aluminium, deren genaue Form in einem parametrischen Entwurfsprozess ermittelt wurde. Das Material war laut Sheppard Robson als Verschattung bestens geeignet, da es eine geringe thermische Speicherfähigkeit und eine hohe Albedo (Rückstrahlvermögen für Sonnenlicht) besitzt.

Masdar City
Bild: Sheppard Robson

Bei Grundrissaufteilung waren Effizienz und Flexibilität die Kernkriterien. Das Gebäude kann als Ganzes genutzt oder in bis zu 32 separat vermietbare Einheiten aufgeteilt werden. Seine „Geschossdecken-Effizienz“ (floor plate efficiency) – eine im angelsächsischen Raum gebräuchliches Maß, das das Verhältnis zwischen vermietbarer Nettofläche und Bruttogeschossfläche angibt – liegt bei über 90%. Das heißt: Weniger als 10% der Fläche gehen für Erschließungskerne und Konstruktionsflächen verloren. Üblicherweise akzeptieren Investoren heute Geschossdecken-Effizienzen ab etwa 80 Prozent.

Masdar City
Bild: Sheppard Robson

Möglich wurde die hohe Effizienz durch Geschossdecken mit bis zu 15 Metern Spannweite. Stützen stehen lediglich entlang der Fassaden und an den Ecken der Atrien; ferner dienen die massiven Kerne der Lastabtragung. Verwendet wurden Flachdecken aus Spannbeton, in die in Zonen geringer Belastung (in der Regel in Feldmitte) Kunststoff-Hohlkörper eigebettet sind, um die Betonmasse zu verringern. Dadurch wurde nicht nur Gewicht gespart (und damit die Spannweiten optimiert), sondern auch die „Graue Energie“ in der Gebäudekonstruktion deutlich verringert.

Masdar City
Bild: Sheppard Robson

Siemens-Headquarters in Masdar City
Bauherr: ADFEC, Masdar City
Architekten: Sheppard Robson, London
Bruttogeschossfläche: 20.000 m²
Baukosten: 170 Mio. AED (ca. 35 Mio. EUR)

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