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extrastudio, Weingut, Vendas de Azeitão

Raumwunder in alten Mauern: Wohnhaus in Azeitão

Das breite Gebäudevolumen mit leicht emporgezogener Giebelfront, die etwas verwitterten Dachziegel, das charakteristische Bullaugenfenster im Giebelfeld: Nur wenige Anzeichen lassen erahnen, dass das Wohnhaus der Lissaboner Architekten extrastudio in dem kleinen Ort Azeitão eigentlich ein Altbau ist. Er gehört zu einem Weingut, das die Großeltern des jetzigen Besitzers Anfang des 20. Jahrhunderts hier errichtet haben.

Azeitão liegt am Rande eines großen Naturparks eine halbe Autostunde südlich von Lissabon. Das Haus steht etwas zurückgesetzt von der Straße und grenzt im Westen an einen Garten mit Orangenbäumen. Im Norden und Osten stehen seine Außenmauern direkt auf den Grundstücksgrenzen und mussten daher fensterlos bleiben.

Um es dennoch zu seiner Umwelt zu öffnen, fügten die Architekten zwei große Öffnungen in die Gebäudehülle ein: Die 14 m breite Westfassade wurde im Erdgeschoss vollständig verglast, sodass Wohnraum und Garten hier schwellenlos ineinander übergehen. In der Nordostecke ist innerhalb der alten Mauern ein kleiner Innenhof entstanden. Er bringt Licht in den dunkelsten Teil des Hauses. Der Wunsch nach mehr Tageslicht hat auch die Materialauswahl beeinflusst: Böden, Wände und Decken in Weiß reflektieren das Licht und an vielen Stellen fügten die Architekten verspiegelte Trennwände ein, um die Räume optisch aufzuweiten.

Wie in den meisten Häusern liegen Wohnraum, Küche, Essbereich und Gäste-WC im Erdgeschoss sowie die Schlafzimmer und zwei Bäder eine Etage höher. Das Dachgeschoss ist als offene, ungeteilte Galerie gestaltet und erhält Licht durch zwei Dachfenster. Weil die Räume im ersten Obergeschoss nicht die gesamte Gebäudefläche einnehmen, reichen an vielen Stellen bis zu neun Meter hohe Lufträume vom Eingangsniveau bis unters Dach.

Große Teile des Bestandsgebäudes fanden in der einen oder anderen Form neue Verwendung. So wurde der alte Dachstuhl zu Terrassendielen verarbeitet und der neue mit den vorhandenen Dachziegeln neu eingedeckt. Bei den Fassaden musste der neue Verputz in seinen bauphysikalischen Eigenschaften möglichst gut mit den alten Putzresten und dem vorhandenen Mauermörtel harmonieren. Gemeinsam mit einem Hersteller aus der Region entwickelten die Architekten daher einen Glattputz auf Basis von Kalk und Puzzolan, der bei Kontakt mit dem Luftsauerstoff sukzessive härter wird. Er ist rot durchgefärbt und muss daher nicht gestrichen werden. Je nach Feuchtigkeit changiert seine Farbe zwischen Altrosa und Dunkelrot; bei Regennässe ist sie fast schwarz.

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Weitere Informationen:

Mitarbeiter: João Caldeira Ferrão, João Costa Ribeiro, Madalena Atouguia, Daniela Freire, Maria João Oliveira, Sónia Oliveira, Tiago Pinhal, Rita Rodrigues
Landschaftsarchitekten: Oficina dos Jardins - Sónia Caldeira, Ines Bordado
Tragwerksplanung; TGA-Planung, Bauphysik, Akustik: PRPC Engenheiros
Elektroplanung: Mário Andrade
Bauunternehmen: Sequeira e Serra
Bruttogrundfläche: 360 m2
Gesamtkosten: € 220.000

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