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Foto: Mariano Dallago

Rhythmische Holzkomposition: Casa Sociale in Cles

Wie ein roter Faden zieht sich die Betonung der Vertikalen durch den Neubau. Damit nimmt der Architekt Mirko Franzoso Bezug zur idyllischen Lage, in die sich das Generationenhaus bettet.
Der Neubau orientiert sich nicht nur an den Fluchten der Straßen, die es einfassen, sondern vor allem an den Holzstehern und Stämmen der Apfelhaine. Diese Senkrechten hat Franzoso baulich interpretiert und verleiht der Casa Sociale damit ihr charakteristisches Äußeres.

Die mit Lärchenholzlatten bekleidete Nord- und Südfassade sind nur Statisten. Sie nehmen sich gegenüber den Hauptakteuren, den Längsfassaden, klar zurück. Hier reihen sich in regelmäßigen Abständen, wie die Bäume in den Plantagen, mächtige Holzpfeiler aneinander, kombiniert mit innenliegenden Glasflächen. Dem Betrachter bietet sich ein Bild rhythmischen Spiels zwischen Bebauung und Leerraum. Die Pfeiler fungieren als konstruktives und gestalterisches Mittel zugleich. Da sie nicht die gesamte Höhe umfassen, sondern von einem Querbalken unterbrochen werden, sind die Geschosshöhen klar ablesbar. Im Obergeschoss wurden die Holzpfeiler um das halbe Achsmaß zu denen des Untergeschosses versetzt, bevor sie innen in den Sichtdachstuhl übergehen.

Um den Bau, der zur Gänze in Holz ausgeführt ist, sanft in die Landschaft einzubetten, setzt der Architekt bei der Gestaltung sämtlicher Freiflächen sowie der Treppe an der Südseite auf Waschbeton. Durch die Beimischung von lokalem Porphyr erhält dieser eine blassrote Farbe.
Die Haupterschließung des Gebäudes erfolgt über die Ostfassade. Versteckt hinter den Pfeilern springt der Eingang im Untergeschoss zurück und wird so zu einem geschützten Bereich des Ankommens.

Im Inneren empfangen einen helle Räume. Die Fassadenkonstruktion schützt neben direkter Sonneneinstrahlung auch vor allzu neugierigen Blicken. Neben dem Entrée befindet sich der multifunktionale Versammlungsraum mit in nördlicher Richtung anschließendem Waschraum, Küche und Lager. Ihre schwarzen Schiebetüren heben sich deutlich von den Holzoberflächen ab.
Über die Treppe gelangt man in das Herzstück der Casa Sociale: das Obergeschoss. Es besteht aus einem einzigen Raum, von dem aus sich ein phänomenaler Ausblick auf die umliegende Landschaft eröffnet. Boden und Wände sind auch hier in Lärchenholz ausgeführt. Die sichtbare Konstruktion des Dachstuhls bündelt sich in einem Holzsteher im Zentrum des Raums. Er erdet die drei auf ihn zulaufenden Firstpfetten. Innenliegende Verglasungen dienen nur als Absturzsicherung. Das Geschoss ist eigentlich eine große überdachte Terrasse, die den Bezug nach Außen noch deutlicher macht. Für Besucher besteht außerdem die Möglichkeit, die obere Etage direkt über die Außentreppe oder eine westseitig vorbeilaufende Straße zu betreten.

Das Generationenhaus meistert die Gratwanderung zwischen Zurückhaltung und Attraktion mit Bravour und bereichert so den kleinen Ort Cles.

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Weitere Informationen:

Baukosten: 750.000 €
Tragwerksplaner Holz: Sergio Marinelli
Tragwerksplaner Beton: Paolo Leonardi, Pro-engineering, Claudio Cristoforetti

Fotos: Mariano Dallago

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