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Foto: Hufton+Crow

Schneeverwehung aus Stahl: Opernhaus in Harbin

Den meisten Europäern ist Harbin bislang eher nicht als Touristenattraktion und Kulturzentrum bekannt. Unter Russen und Chinesen ist die 4,5-Millionen-Einwohner-Stadt in Nordostchina aber durchaus ein beliebtes Reiseziel – und das erstaunlicherweise vor allem im Winter, wenn die Temperaturen bis 40°C unter Null fallen können. Dann findet auf der »Sonneninsel«, einem 177 Hektar großen Parkareal nördlich der Innenstadt, das vermutlich weltgrößte Eisskulpturen-Festival statt.

Eine Großskulptur der eigenen Art hat das chinesisch-amerikanische Architekturbüro MAD im vergangenen Herbst in der topfebenen Flusslandschaft fertiggestellt. Das neue Opernhaus von Harbin umfasst stattliche 80.000 Quadratmeter Nutzfläche unter seiner silbrig schimmernden Metallhaut, die zumindest im Winter durchaus Assoziationen mit Schneewächten und Eisbergen wachruft. Der Gebäudekomplex, der derzeit noch um ein Kongresszentrum und ein Hotel erweitert wird, fasst zwei Opernsäle für 1600 und 400 Zuschauer samt den üblichen Bühnen- und Nebenräumen sowie eine Tiefgarage.

Und eine weitläufige Dachterrasse: Zwischen den Faltungen der Metallhülle können Gäste auf Treppen das Dach des Bühnenhauses erklimmen. Von dort haben sie – vor Schnee und Wind geschützt durch einen helmartigen Dachaufbau – einen weiten Blick über die Stadt und den Songhua-Fluss.

Kühl wie in einer gigantischen Schneehöhle ist auch die Atmosphäre im Inneren des Opernfoyers. Durch das von einer weißlackierten, wabenartigen Stahlstruktur getragene Glasdach fällt Tageslicht herein. Einzig die Rückwand des großen Saals und seiner Emporen bildet dazu einen warmfarbigen Kontrast. Mit ihren Emporenumgängen und schneckenartigen Treppenläufen mutet diese Großskulptur wie ein riesiger, biomorph geformter Kühlergrill an.

Meisterhaft ist jedenfalls die Oberflächenverkleidung aus mandschurischem Eschenholz gelungen – insbesondere wenn man weiß, welch unterschiedliche Materialien und Konstruktionen hier verwendet wurden. Teilweise besteht die Verkleidung aus Massivholz, teils aus einem dünnen Furnier, das auf Glasfaserbetonelemente aufgezogen wurde. An manchen Stellen wurden auf diese Elemente zusätzlich einzelne Holzlatten aufgeleimt.

Der holzfurnierte Biomorphismus setzt sich auch im Inneren des großen Saals fort. Während die Zuschauerräume der meisten Opernhäuser als »black boxes« konstruiert sind, überrascht dieser hier ebenso wie das Foyer mit einem großen Glasdach, das Tageslicht hereinbringt und den Bezug zur Außenwelt herstellt.

Noch intensiver ist die Verbindung nach draußen im kleinen Saal – zumindest solange der Hinterbühnenbereich geöffnet bleibt. Dann gibt dort eine große Glaswand den Blick über Fluss und Stadt frei. Formal entspricht der Saal eher der »Schuhkarton«-Typologie. Um der Raumform ihre Glätte zu nehmen, gaben die Architekten den Betonfertigteilen an den Wänden ein wellenförmiges Profil. Der Effekt ist frappierend, als ob die Schallwellen aus dem Schlussakkord der letzten Aufführung im Raum festgefroren wären.

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weitere Informationen:

Fassadenplanung: Inhabit Group, China Jingye Engineering Co., Ltd.
BIM:
Gehry Technologies Co., Ltd.
Landschaftsarchitektur:
Turenscape, Earthasia Design Group
Innenarchitektur:
MAD Architects, Shenzhen Z&F Culture Construction Co., Ltd.
Lichtplanung:
Toryo International Lighting Design Center, Beijing United Artists Lighting Design Co., Ltd.
Akustikplanung:
Zhang Kuisheng Acoustics Research Institute of Shanghai Modern Design Group
Bühnenbeleuchtung:
EKO Lighting Equipment Co., Ltd.
Bühnentechnik:
Chinese PLA General Armament Institute of Engineering Design
Leitsystem:
Shenzhen Freesigns Signage Co., Ltd.

Eine ausführliche Print-Dokumentation zum Thema »Bühnenbauten« finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 3/2018.

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