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Smart Communities im demografischen Wandel – Design als urbanes Planungstool

Im Vergleich zu architektonischen oder stadtplanerischen Strategien sieht Thomas Bade einen Vorzug der eher kleinteiligeren Designlösungen in ihrer schnellen Visualisierung. Damit ist nicht nur häufig eine einfachere Realisierung möglich, sondern zugleich können die kleinen Impulse bei Bewohnern, Kommunen und Wirtschaft eine Signalwirkung und Begeisterung erzielen.

Am Beispiel der drei deutschen Städte Plattling, Coburg und Minden mit Einwohnerzahlen zwischen 12.000 und 80.000 sind drei unterschiedlichen Arbeitsansätze entstanden. Dabei haben die drei Kommunen trotz ihrer Unterschiede bei Größe, geschichtlichem Hintergrund oder Infrastruktur durchaus Gemeinsamkeiten aufzuweisen. So sind sowohl im bayerischen Plattling als auch in der nordrhein-westfälischen Stadt Minden große erfolgreiche Untermehmen wie Kermi, Melitta oder Edeka ansässig. Diese spüren jedoch die zunehmende Peripherisierung ihrer Region, was sich insbesondere im Fachkräftemangel auswirkt. „Fachkräfte sind Aspekte der Standortfrage“, beschreibt Bade die Konsequenzen. „Wer diese nicht positiv beantworten kann, wird eine Entscheidung gegen den Standort getroffen.“ Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich in den beiden Städten Wirtschaftsunternehmen an die Expertengruppe „Smart Communities im demografischen Wandel“ wendeten, um der gegenwärtigen Stadtentwicklung neue Impulse zu geben und ein kommunal aktives Unternehmertum einzubinden.

Ähnlich wie im Bereich der Stadtplanung sehen Bade und sein Team aus Wissenschaftlern und Studenten zunächst eine Analysephase vor, bei der vor allem die Kommunikation und Integration von Bevölkerung und kommunalen Entscheidern eine große Rolle spielen. Mit Hilfe von Simulationen zur demographischen Entwicklung und unterschiedlichen Lebensszenarien, Entscheidungs- und Moderationstools, Best-practise-Beispielen sowie Aktionen vor Ort werden Alleinstellungsmerkmale und Potenziale des jeweiligen Quartiers aufgespürt und gemeinsam mit Bürgern, Kommune und Wirtschaft umgesetzt. So wird künftig in Plattling eine interaktive Informationsstele am Bahnhof über die regional ansässigen Wirtschaftsunternehmen und ihre Angebote unterrichten, während in Minden ein 48-Stunden-Designmarathon in einer Ausstellung mit 25 realisierten Projekten mündete.

Für eine positive Annahme und Umsetzung der Aktionen und Arbeiten sind mehrere Aspekte ausschlaggebend. In erster Linie ist die Begeisterung und Beteiligung der Bewohner einer Stadt oder Region ausschlaggebend, damit die Veränderungen angenommen, mitgetragen und auch in der Zukunft gepflegt werden. Hierbei ist die Kommunikation und netzwerkorientierte Zusammenführung sowie Moderation von Kommune, Bürgern, Wissenschaft und Wirtschaft ein unabdingbarer Faktor für den langfristigen Erfolg. Non-profit-Organisationen und lokale Stakeholder müssen ebenso zusammengebracht werden wie die unterschiedlichen politischen Akteure. Allerdings mahnt Bade die derzeit gängige Kurzfristigkeit der finanzierten Projektlaufzeiten von maximal zwei bis drei Jahren als wenig zielführend für eine nachhaltige Entwicklung an: „Wir brauchen keine Einzelprojekte, sondern die langfristige Implementierung von Experten, die sich intensiv mit der Aufgabenstellung auseinandersetzen und am Ball bleiben.“ Schon allein um sicherzustellen, dass sowohl die eingesetzen Finanzmittel als auch die Aktivierung der Bürger nicht sinnlos verpuffen, wäre dies mehr als wünschenswert.

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