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Spiegelnde Scheibe: Überdachung vor dem Hauptbahnhof Graz

Der Grazer Hauptbahnhof ist mit rund 11 Mio. Fahrgästen jährlich einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Österreichs. Im Rahmen des Infrastrukturprojekts "Graz Hauptbahnhof 2020" soll er nun zu einem modernen Verkehrsknoten umgebaut werden. Die Nahverkehrsdrehscheibe Graz, Anfang 2013 in Betrieb genommen, ist ein Teil des Gesamtbauvorhabens und gilt als Initialprojekt für die weitere Entwicklung des Gebietes.

Architekten: Zechner und Zechner Architekten, Wien
Standort: Europaplatz 4, A- 8020 Graz

Das Entwicklungskonzept der Wiener Architekten Zechner & Zechner sieht als Ziel für den Bereich um den Hauptbahnhof die Entwicklung eines urbanen Zentrums. Dies betrifft den Bereich um den Bahnhofsgürtel, den Europaplatz sowie das Areal westlich der Bahn. Wichtige Bauteile dieser Maßnahmen stellen zwei Überdachungen dar: zum einem das bereits fertiggestellte, über 3.000 m² große Vordach am Bahnhofsvorplatz, zum anderen die für Ende 2014 geplante, ca. 4.500 m² große Bahnsteigüberdachung.

Eine ovale, ringförmige Scheibe, die einen witterungsgeschützten Ring zwischen der Straßenbahn, der Bahnhofshalle und den Bushaltestellen ermöglicht, ist das signifikanteste Element des neuen Bahnhofvorplatzes. Zuvor wurde die bestehende Straßenbahnwendeschleife in eine unterirdische Lage verlegt. 

Das neue Vordach, von den Grazern „Golden Eye“ genannt, markiert nun das Zentrum des Platzes und formt eine „äußere Halle“, die in Bezug zur bestehenden Bahnhofshalle steht. Um den Solitär des denkmalgeschützten Bahnhofgebäudes nicht zu stören wird das Vordach als selbstständiges, freistehendes Element konzipiert. In der Untersichtverkleidung des Daches spiegeln sich leicht verzerrt die Streifen der Platzpflasterung, Passanten und Fahrzeuge und erzeugen so gleichsam einen Film auf der Leinwand der Bewegungen. 

Die primäre Stahlkonstruktion des Vordaches besteht aus gelenkig gelagerten Stützen aus Rundrohren, aus dem Rückgrat, welches die einzelnen Stützen verbindet sowie aus radial ausgerichteten Spanten. Die Gesamttonnage beträgt ca. 420 Tonnen. Bei der Konstruktion wurde auf eine durchgehende Vorfertigung im Werk Bedacht genommen. Die beengten Platzverhältnisse auf der Baustelle und die kurzen Montagezeiten mussten ebenfalls berücksichtigt werden. Somit war eine Stahlkonstruktion mit durchgehender Verschraubung ohne Baustellenschweißungen die konsequente Antwort.

Das Montagekonzept sah folgenden Ablauf vor: Aufstellen der Stützen (Sicherung durch Abstrebungen) - Montage des Rückgrades mit geschraubten Flanschstößen - Montage der Spanten mit Gurt und Stegstößen - Montage des Innen- und Außenringes - Montage der Verbände - Montage der Dachrandelemente mit verstellbaren Schraubstößen - Montage Sekundärkonstruktion, Dachdeckung, Untersicht, Beleuchtung etc. Die Formrohrkonstruktion des Freiform- Glasdaches wurde in 6 Teilen eingehoben und fixiert. Anschließend erfolgte die Glasdeckung.

Die Dachhaut wird durch ein goldfarbenes Aluminium- Stehfalzprofildach gebildet. Die einzelnen Bahnen der Dacheindeckung sind Sonderprofile in gerundeter und konischer Ausführung. 

Die Untersicht des Daches wurde mit silbrig reflektierenden Aluminiumverbundplatten verkleidet. Auf Grund behördlicher Anforderungen kamen hier Platten der Brandschutzqualifikation A / nicht brennbar zum Einsatz. Die einzelnen Platten wurden als Kassetten ausgebildet und unsichtbar mit der Tragkonstruktion verbunden. Sie weisen Einzellängen von bis zu 7,50 m auf und sind in gerundeter Ausführung hergestellt. Die Regenentwässerung erfolgt über ein Saugsystem, das innerhalb des verkleideten Dachraumes geführt wird und gelangt in weiterer Folge über Fallleitungen, die in die Stützen integriert sind, nach unten. 


Die größte Neuerung betrifft die Straßenbahntrasse, die jetzt unterirdisch verläuft und alle vier Straßenbahnlinien direkt an den Bahnhof anbindet. Die Haltestelle ist im Gleisbereich nach oben offen und in den Warteflächen überdacht. Dadurch werden die Bahnsteige natürlich belichtet und belüftet und können im Brandfall ohne Zusatzeinrichtungen entraucht werden. Blicke nach außen geben die Sicht auf das benachbarte Hotel und den Himmel frei und unterstützen so die Orientierung der Fahrgäste.

Wand- und Deckenflächen der Station sind mit einem Streifenmuster überzogen, das vier unterschiedliche Grautöne in Form von Faserbetonplatten zeigt. Durch seine geknickten strukturierten Oberflächen wirkt der Stationsraum wie aus der Erde „geschnitten“, diese Schnittlinien setzen sich in weiterer Folge an der Oberfläche des Platzes fort.


Die Baustelle Nahverkehrsdrehscheibe im Zeitraffer: Januar 2011 - Oktober 2012

 

Mit einem Gesamtvolumen von rund 260 Millionen Euro – finanziert von ÖBB, Stadt Graz und Land Steiermark, ist „Graz Hauptbahnhof 2020“ das größte Bauprojekt der kommenden Jahre in der steirischen Landeshauptstadt.

Weitere Projekte zum Thema »Bahnhöfe + Haltestellen« finden Sie in unserer September Ausgabe DETAIL 2013/9.


Bauherr:
Holding Graz Linien

Planung: 2008-2009
Ausführung: Juli 2010- November 2012
Fertigstellung: Januar 2013

Baukosten: 90 Mio €

Verkehrsplanung: IKK ZTGmbH, Graz
Landschaftsplanung: 3zu0 Landschaftsarchitektur, Wien
Stahlbau: Zenkner Consulting Engineer, Graz
Betonbau: Schimetta Consult Ziviltechniker Ges.m.b.H, Linz

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 9/2013

Konzept Bahnhöfe und Haltestellen

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