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The Majlis, Simón Velez, Stefana Simic, Foto: Simone Padovani

The Majlis – Ein Bambuszelt als Forum zur Erhaltung traditioneller Handwerkskunst

„Ich bin kein Bambusarchitekt, ich arbeite auch sehr gerne mit Beton und Stahl“, stellt Simón Velez bei der Eröffnung von The Majlis klar (siehe Video am Ende dieses Beitrags). Er ist einer der ganz wenigen großen Altmeister, die auch auf dieser Architekturbiennale wieder vertreten sind. Und natürlich hat er sein internationales Renommee ausschließlich seinen Bambuskonstruktionen zu verdanken. An seiner Persönlichkeit lässt sich der Paradigmenwechsel in der Architektur vielleicht am deutlichsten ablesen. Während die Stararchitekten, die mit ihren verglasten Wolkenkratzern in allen nur erdenklichen Geometrien die Welt überziehen immer seltener zu internationalen Ausstellungen eingeladen werden, ist Simón Velez und seine Architekturhaltung auf Veranstaltungen mit Zukunftsperspektive nicht mehr wegzudenken. „Wir bauen keine Museen und keine Schaustücke, sondern nur, was die Menschen tatsächlich zum Leben brauchen“. In Venedig beinhaltet das auch einen Hühnerstall – natürlich aus Bambus. Velez ist die personifizierte ökologische Nachhaltigkeit und steht für soziales Engagement. Da er selbst aus Kolumbien stammt, ist er frei von jedem Vorwurf eines Postkolonialismus. Was viel wichtiger als modische Political Correctness ist: Simón Velez bleibt sich seit Jahrzehnten treu. Der Pionier der zeitgenössischen Bambuskonstruktion ist und bleibt einer der wichtigsten Botschafter des Bauens mit natürlichen nachwachsenden Materialien.

Auf der diesjährigen Biennale hat ihn die international agierende Caravane Earth eingeladen, Die internationale Stiftung setzt sich für nachhaltiges und ethisches Wirtschaften ein und fördert Kunst, Handwerk, Architektur, Landwirtschaft und Bildung. Dementsprechend holistisch ist auch der Biennalebeitrag von Kurator Thierry Morel (03:15) angelegt: Im Hof der Abbazzia di San Giorgio Maggiore hat Landschaftsarchitekt Todd Longstaffe-Gowan (18:33) einen mittelalterlichen Gemüsegarten angelegt, mit Pflanzen, die längst in Vergessenheit geraten sind. Der Garten ist auch eine Hommage an die Rolle Venedigs im Mittelalter: Die Stadt war das Einfallstor sämtlicher Waren und Samen aus Asien nach Europa. Der Garten ist ein Geschenk an die Kirche und wird auch nach der Biennale erhalten bleiben.

Das Nomadenzelt von Simón Velez (10:41) mit Stefana Simic (08:18) ist dagegen leicht und gut verstaubar. Es wird nach der Biennale in Doha erneut aufgebaut. Das Tragwerk ist in Kolumbien vorgefertigt aus Bambusrohren, die mit Edelstahlschrauben verbunden sind. Die textile Hülle haben Frauen der Kooperative von Ain Leuh und vom Stamm der Boujad in Marokko auf traditionelle Weise gewoben.


Video der Eröffnung mit Erläuterungen des Kurators, der Architekten und des Landschaftsarchitekten:

Weitere Informationen:

Kurator: Thierry Morel
Landschaftsarchitektur: Todd Longstaffe-Gowan

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