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DETAIL Stipendium, Tobias Haag, Tower Houses, Schottland

Tobias Haag – TOWER HOUSES IN SCHOTTLAND

»Everybody knows that an Englishman's house is his castle, but it should also be remembered that in early times an Englishman's castle was his house.« J. Alfred Gotch, The Growth of the English House, 1909

Die schottischen Tower Houses mit ihren meterdicken Wänden sind spätestens seit Louis Kahn fester Bestandteil der Architekturwelt. Als Typus zwischen Haus und Burg faszinieren sie durch den Kontrast der raumhaltigen Wände und den dadurch gefassten großen Hallen. Ihre einzigartige Atmosphäre wird in ihren Grundrissen und Schnitten sowie durch das Verhältnis von Schwarz und Weiß, Masse und Leere, geradezu spürbar.

Sehr augenscheinlich lässt sich das Prinzip des Tower Houses am sogenannten »Fatlip Castle« erläutern. Der Turm in den schottischen Borders, südlich von Edinburgh und Glasgow an der Grenze zu England, war lange dem Verfall ausgesetzt und wurde kürzlich restauriert. Dabei wurde das Gebäude nicht komplett wieder hergestellt, sondern der aktuelle Zustand konserviert. Der Turm besitzt wieder ein Dach, der Schutt sowie zerstörte Bauteile wurden entfernt und die Konstruktion gesichert. Die Holzbalkendecken der Hallen im ersten bis dritten Geschoss sind nicht mehr vorhanden. Zurück bleiben zwei Innenräume und ein Außenraum: im Erdgeschoss eine niedrige Halle mit Tonnengewölbe, im ersten Geschoss eine Halle bis unter das restaurierte Dach sowie der Umgang auf dem Dach im dritten Obergeschoss.

Der wehrhafte, geschlossene Charakter des Hauses lässt keinen Schluss auf die innere Organisation zu. Die Außenwände sind nicht nur Tragwerk, sie enthalten auch alle funktionalen Elemente des Turmes: die Treppe, die Fenster mit Bänken in den tiefen Laibungen, nahe am Licht, sowie die Kamine zum Beheizen des Komplexes. Sie fassen die drei Hallen, die das Zentrum des häuslichen Lebens darstellten. Für Wohnlichkeit sorgten hölzerne Wandvertäfelungen. Diese sind teilweise erhalten und machen, im Zusammenspiel mit den Auflagern der Balkendecken sowie den Laibungen und Kaminen, die ursprüngliche Geschossigkeit sichtbar.

Die Prinzipien der Tower Houses finden sich auch heute im Werk vieler Architekten. In Peter Zumthors gerade erst fertig gestelltem »Secular Retreat« in Devon ebenso wie in der Arbeit von Pezo von Ellrichshausen oder einem Entwurf für ein zeitgenössisches Tower House von Sergison Bates. Hier handelt es sich meist um eine sehr formal-atmosphärische Verwendung des Themas. In angepasster Form könnte dieser Typus jedoch als loftartige Wohnung eine Antwort auf die Veränderungen unserer Gesellschaft sein: Der große Zentralraum mit auf Minimalmaße reduzierten Nebenräumen »in der Wand« entspricht der Realität vom Single-Wohnen viel mehr als die üblicherweise nach wie vor gebaute Mehrzimmerwohnung für die Kernfamilie mit zwei Kindern. Jeder Umgang mit den architektonischen Themen des Tower Houses zeigt, wie ein jahrhundertealter Typus auch in der Gegenwart eine Inspirationsquelle für unser Schaffen sein kann. Der Rückblick lohnt sich immer.

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