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Bauhaus-Museum, Weimar, heike hanada

Trutzburg und Werkstatt: Das neue Bauhaus-Museum in Weimar

Das Bauhaus-Museum in Weimar versteckt sich hinter einer monumentalen Betonfassade. Der Entwurf der Berliner Architektin Heike Hanada zeigt sich als reduzierter Quader mit wenigen Öffnungen. Standfestigkeit und Massivität waren Grundüberlegungen für den monolithischen Solitär an der Schnittstelle zwischen Stadtraum und Schwanseepark. Die Bauhaus-Idee wird in der Architektur der weitgehend geschlossenen Box nicht erlebbar. Doch in seinem Programm soll sie zur Geltung kommen: Das Museum versteht sich als Werkstatt und als lebendiger Ort der Vermittlung für Touristen, Bildungsreisende und Studenten- sowie Schülergruppen, die aktiv in Workshops einbezogen werden. Entsprechend ist der Vermittlungsraum an zentraler Stelle im Grundriss positioniert, nämlich über dem öffentlichen Foyer im ersten Stock, gleich neben dem Eingang in die Ausstellungsräume.

Weimar und die Moderne
Die beiden benachbarten Sammlungen des Neuen Museums und des Bauhaus-Museums sind als Einheit verstanden und konzeptionell eng aufeinander bezogen. So kann ein großer Bogen gezogen werden von Friedrich Nietzsche zu Henry Van de Velde und der Weimarer Kunstgewerbeschule bis zum Bauhaus, das nur wenige Jahre, von 1919 bis 1925 in Weimar ansässig war und dann nach Dessau umzog. Weimar war bislang als Ort der Klassik bekannt – doch jetzt schärft die Stadt ihr Image und nimmt sich auch der Moderne an. Ziel des neuen Bauhaus-Museums ist es, die Stadt »als musealen Ort im Kontext internationaler Reformbewegungen um 1900 auf dem Feld von Kunst, Architektur, Gestaltung« zu positionieren und den Bauhaus-Kontext zu schärfen, so Leiterin des Bauhaus-Museums Ulrike Bestgen. Der Betrieb des Museums wird zeigen, inwiefern diese Ziele auch im Sinne des Bauhaus als lebendige Werkstatt umgesetzt werden können.

Schillernde Ausstellungsarchitektur
Der Rundgang im Bauhaus-Museum, dessen Sammlung heute auf 13.000 Objekte angewachsen ist, konzentriert sich zunächst auf thematischen Fragestellungen nach dem »Neuen Menschen« oder der »Schule als Experiment«. Im zweiten Obergeschoss stehen die Werkstätten im Fokus, insbesondere die Bühnenabteilung als Kreativitätszentrum, in dem Formen des Lichtspiels, des traditionellen Puppenspiels und des Films erprobt wurden. Das Scheitern der Schule in Weimar und die kritische Frage »Was bleibt?« kommen im letzten Obergeschoss am Beispiel der drei Bauhaus-Direktoren Walter Gropius, Mies van der Rohe und Hannes Meyer zur Sprache. Leider sind die zahlreichen Schriftstücke des Museums nicht im Original, sondern als Faksimile gezeigt. Doch das erfrischende Ausstellungsdesign der Züricher Szenografen Holzer Kobler Architekturen setzt einen zeitlosen und doch radikalen Rahmen für die Exponate. Als Zeugen der Zeit werden die Filmsequenzen und Holzpuppen, Faksimile-Dokumente und Möbel auf Podesten und Tischen sowie in Vitrinen präsentiert, die in reduzierter Materialpalette aus Glas und Stahl umgesetzt sind. Zwar gibt es in den fensterlosen Ausstellungsräumen keine Ausblicke in die Umgebung, dafür aber gezielt gesetzt schillernde farbige Akzente. Mit monochromen Flächen in leuchtendem Grün-Gelb und sattem Rosarot gaben Holzer Kobler Architekturen der Ausstellungsarchitektur eine avantgardistische Note, die das Bauhaus in die Gegenwart bringt.

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