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Unterwegs zum Gipfel - Teil 3

Beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 werden die Klimapolitiker über eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll verhandeln. Im letzten Teil unserer Serie zeigen wir, wie sich Städte an den Klimawandel anpassen, welchen Sinn „grüne“ Konjunkturprogramme haben und wo sich ein Engagement außer in der Architektur noch lohnt.

COP 15, Klimagipfel, Kopenhagen
Hitzewellen werden künftig in allen Teilen der Erde häufiger - und die Architektur muss sich daran anpassen. Das NASA-Satellitenbild zeigt eine Momentaufnahme aus dem Juni 2008. Dunkelrote Flecken weisen auf Temperaturen von 10 Grad über dem langjährigen, jahreszeittypischen Durchschnitt hin. (Foto: NASA Earth Obervatory)

Anpassung an den Klimawandel

Es gilt heute schon als ausgemacht, dass die Erde bis 2100 um 2°C wärmer sein wird, als sie es vor Beginn der Industrialisierung war. Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung rechnet damit, dass damit ein Anstieg des Meeresspiegels um 1 bis 2 Meter einhergeht – deutlich mehr, als der Weltklimarat noch in seinem letzten Bericht vorausgesagt hat. Die einzige Stadt, die hierauf bislang eine Antwort formuliert hat, ist London: Dort wurde 2008 der Entwurf für eine "Climate Change Adaptation Strategy" vorgelegt. Das Dokument ist aufschlussreich, zeigt es doch, aus welchen Richtungen Städte und Gebäude in den kommenden Jahrzehnten unter Druck geraden werden. Hitzewellen, Überflutungen und Trockenheit identifiziert das Papier als Haupt-Herausforderungen. Was sich zunächst widersprüchlich anhört, erklärt sich daraus, dass London – und in großen Teilen Mitteleuropas – die Sommer künftig trockener und die Winter feuchter werden. Kurz: Die Niederschlagsverteilung wird extremer.
Was hilft in dieser Situation? Neben höheren Deichen und Rückhaltebecken vor allem die Entsiegelung von Flächen (entlastet die Kanalisation bei Starkregen), die Begrünung von Freiflächen und Dächern (lindert den sogenannten „Wärmeinsel-Effekt“ in den Städten), Grauwasserrecycling und wassersparende Armaturen (bei Hitze ist der Wasserverbrauch höher), und natürlich: gute Dämmung und thermische Speichermasse in Gebäuden. Die Spitzenlasten für die Gebäudekühlung werden steigen und Überhitzung in Wohngebäuden zum alltäglichen Problem werden. Die London Climate Change Adaptation Strategy schlägt sogar vor, gezielt öffentliche „kühle Gebäude“ oder „kühle Räume“ in einzelnen Gebäuden wie Kindergärten zu errichten, in die sich die Menschen bei großer Hitze zurückziehen können. Übrigens wird sich der Klimawandel wohl auch auf das zwischenmenschliche Zusammenleben auswirken: Psychologen haben herausgefunden, dass Menschen bei großer Hitze leichter aggressiv werden.

Ohne den Staat geht es nicht: Klimaschutz und Konjunkturprogramme

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise zeigt es überdeutlich: Ganz ohne den Staat funktionieren Märkte fast nie – und schon gar nicht im Sinne der Nachhaltigkeit. Ohne staatliche Verordnungen und Investitionsanreize, Forschungsförderung und CO2-Steuern wird die Einhaltung der Einsparziele Wunschdenken bleiben. Die milliardenschweren Konjunkturprogramme, die die führenden Industrienationen derzeit auflegen, könnten dagegen zur Initialzündung für einen „grünen“ Umbau der Industriegesellschaft werden. Langfristig, schätzt Nicholas Stern, wird die Welt jährlich ein Prozent ihres Bruttosozialprodukts investieren müssen, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Umgerechnet hieße das, dass von den für 2009 geplanten Konjunkturprogrammen der G20-Staaten etwa ein Fünftel „grüne“ Investitionen sein müssten. Diese Meßlatte verfehlen die führenden Wirtschaftsnationen derzeit – noch: Nur 15 Prozent der Konjunkturprogramme sind bislang für Investitionen in Energieeffizienz, erneuerbare Energien und andere klimaschonende Maßnahmen vorgesehen. Vorreiter sind dabei die Asiaten: China investiert 34 Prozent und das – nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds – von der Krise besonders betroffene Südkorea gar 80 Prozent seiner Konjunkturhilfen in Klimaschutzmaßnahmen. Deutschland liegt mit 13 Prozent im Mittelfeld, während viele Schwellenländer wie Argentinien, Indien und Indonesien kaum zusätzliche Mittel für den Klimaschutz bereitstellen.

Klimaschutz kann nur weltweit gelingen

Dabei könnte sich der Kampf gegen den Klimawandel gerade in diesen Ländern entscheiden: So wichtig der Gebäudesektor für die Emissionsminderung auch ist – die weitaus größten Potenziale liegen nach Einschätzung von McKinsey weder im Gebäudesektor noch in der Industrie oder im Transportwesen brach. Sondern vor allem in der Land- und Forstwirtschaft. Die Regenerierung von Böden, die Aufforstung von Wäldern und ein Stopp der Brandrodung in den Regenwäldern ließen sich jährlich rund 10 Gigatonnen CO2 einsparen – zu sehr überschaubaren Kosten. Zum Vergleich: Alle Gebäude weltweit emittierten 2005 pro Jahr gerade einmal 8,3 Gigatonnen, und das maximale Einsparpotenzial schätzt McKinsey auf maximal 3,5 Gigatonnen. Es macht also, ökologisch gesehen, durchaus Sinn, sein Geld nicht nur in bessere Gebäudedämmung zu stecken, sondern auch in den Erhalt tropischer Regenwälder. Denn der Kampf gegen den Klimawandel wird auf globaler Ebene gewonnen werden – oder gar nicht.

Links:

Website des Weltklimagipfels im Dezember 2009 in Kopenhagen
Link zur Londoner „Climate Change Adaptation Strategy“
McKinsey & Company: „Pathways Towards a Low Carbon Economy“
Studie „Towards a Global Green Recovery“ von Nicholas Stern und Ottmar Edenhofer

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