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Schenker Salvi Weber, Volksschule

Vom Keller bis zum Dachboden: Schulerweiterung in Absam

Der Kreis des Lebens schließt sich für jedermann sichtbar in Absam bei Innsbruck: Am nordwestlichen Ortstand der 7000-Einwohner-Gemeinde liegt die Volksschule, daneben der Friedhof – und dann folgt bis zum Fuß des Karwendelgebirges nur noch freies Feld. Als Sieger eines 2013 ausgelobten Wettbewerbs standen Schenker Salvi Weber vor der Aufgabe, den Altbau um einen Kindergarten und eine Dreifachsporthalle zu erweitern. Außerdem sollte auf dem Dachboden des Schulhauses eine Musikschule eingerichtet werden. Insgesamt gut 4000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche galt es ortsbildverträglich auf dem Schulgelände unterzubringen.

Als einziger unter den 20 Wettbewerbsteilnehmern entschieden sich Schenker Salvi Weber, die Turnhalle unter die Erde zu verlegen und ihr den Kindergarten gleichsam aufs Dach zu stellen. Die verbleibende Dachfläche sollte als Schulhof dienen.

Somit ist die zweigeschossige Kindertagesstätte das sichtbarste Kennzeichen der Schulerweiterung. Sie wurde als zweigeschossiges Passivhaus errichtet, aber mit hellem Kratzputz versehen. »Wir haben uns für Kratzputz entschieden, denn die mineralischen Fassaden mit Faschen sind für das Dorfbild Absams typisch«, kommentieren die Architekten diese Wahl. »Uns war eine harmonische Gesamtdramaturgie in einer so historisch gewachsenen dörflichen Umgebung wichtiger als einen unbedingt neuen und lauten Akzent zu setzen.«
 
Im Inneren des Hauses umgeben acht Gruppenräume eine großzügige, von oben belichteten Erschließungshalle. 120 Kindergarten- und 24 Krippenkinder können hier betreut werden. Schiebetüren und Vorhänge ermöglichen es den Kindergärtnerinnen, die Räume ganz nach Bedarf zu trennen oder zusammenzuschalten. Fenster mit tiefen Brüstungen und Laibungen, in denen es sich bequem sitzen lässt, ermöglichen auch den Kleinsten den Blick nach draußen.

Die Materialpalette ist überall in den neuen Räumen hell und zugleich gedämpft. Weiße Brüstungen und Schrankfronten, grüne Filzvorhänge, Einbauten und Parkettböden aus geölter Eiche sowie hellbraune Holzwolle-Akustikplatten an den Decken geben die Grundstimmung für die Räume vor, die die Kinder nun mit Leben und Farbe erfüllen.

Heraklithplatten (in diesem Fall in Weiß) und Eichenholz (als Oberfläche für die Sitzbänke) sind auch in der unterirdischen Sporthalle zu finden. Ansonsten dominiert auf den Zuschauerrängen kühler Sichtbeton. Sportboden und Prallwände der Halle bestehen wiederum aus Holz; sie sind wie eine Schublade in den Hallenrohbau eingelassen. Ein schmales Oberlicht hinter den Zuschauerrängen spendet Tageslicht und bildet zumindest eine minimale Sichtverbindung zwischen der Halle und dem Schulhof auf ihrem Dach. Der Aushub für die Turnhalle war eine Herausforderung, weil er bis an die Fundamente der alten Volksschule reichte. Die vorgefertigten T-Träger aus Stahlbeton für das Turnhallendach mussten so bemessen werden, dass sie den Raum stützenfrei überspannen und dennoch über die schmalen Dorfstraßen zur Baustelle transportiert werden konnten.

550 Quadratmeter groß ist die neue Musikschule, die im Walmdach des Altbaus eingerichtet wurde. Dazu wurde die Dachfläche auf beiden Seiten mit je zwei Reihen Dachfenster versehen – eine dicht am First und eine direkt über dem Kniestock. Sechs Übungsräume reihen sich entlang des zentralen Erschließungsflurs auf; hinzu kommt an seinem Ende ein größerer Vortrags- und Konzertsaal. Um Platz zu sparen, ließen ihn die Architekten mit umlaufenden Sitzstufen statt einer herkömmlichen Bestuhlung ausstatten. Auch sie sind – man ahnt es – mit einer Eichenholzoberfläche versehen. Der Dachstuhl wurde weiß gestrichen und die Dachinnenflächen erhielten eine akustisch wirksame Verkleidung aus weiß lasierten Holzlatten.

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Weitere Informationen:

Mitarbeiter: Bettina Doser, Sophie Gerg, Teresa de Miguel, Thomas Morgner, Hans Reumann, Barbara Roller, Tiago Santana, Michael Salvi, Andres Schenker, Verena Theil, Tina Tobisch, Katalin Tóth, Rowena Ullrich, Thomas Weber
Tragwerksplanung: Merz Kley Partner
Bauphysik und Akustik: IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie
Bauleitung und Kosten: Die Bauleiter
Gebäudetechnik: Moser + Partner Ingenieurbüro
Landschaftsplanung: DnD Landschaftsplanung

Eine ausführliche Print-Dokumentation zum Thema »Spielen und Lernen« finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL inside 1/2018.

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