You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Wegweiser zur CO2-Neutralität

Großbritannien hat noch vier Jahre Zeit, bis alle neuen Wohngebäude im Land CO2-neutral sein müssen. Wie das funktionieren kann, demonstrieren nun die 'CarbonLight Homes', ein von HTA Architects entworfenes Doppelhaus in Rothwell.

Architekten: HTA Architects, London

CarbonLight Homes, Rothwell
Foto: Adam Mørk/VELUX

Die CarbonLight Homes in Rothwell (Northamptonshire) sind das vorerst letzte Projekt in der Reihe der „Model Homes 2020“. Seit 2009 hatte der Dachfensterhersteller Velux in fünf europäischen Ländern sechs Gebäude – vier neue Wohnhäuser, ein Verwaltungsgebäude und eine Wohnhaussanierung – realisiert, die CO2-Neutralität mit hohem Wohnkomfort kombinieren sollten.

Wichtig war dem Bauherrn bei den CarbonLight Homes vor allem deren Markttauglichkeit: Das von HTA Architects (London) entworfene Doppelhaus steht nicht auf dem Forschungscampus einer Universität, sondern mitten in einem mehr als 200 Häuser umfassenden Neubaugebiet, das der Projektentwickler Bovis Lend Lease derzeit realisiert. Seine Typologie orientiert sich an den Gepflogenheiten im britischen Reihenhausbau: große Gebäudetiefen, aber schmale Straßenfronten erlauben eine bestmögliche Ausnutzung der oft tiefen Grundstücke und minimieren die ans Außenklima grenzende Gebäudehüllfläche. Auch die Wohnflächen entsprechen ziemlich genau dem britischen Neubau-Durchschnitt: Die eine Haushälfte mit drei Zimmern ist 97 m² groß, die andere mit vier Zimmern misst 142 m².

CarbonLight Homes, Rothwell
Grundrisse; Zeichnung: HTA Architects
CarbonLight Homes, Rothwell
Ostansicht; Foto: Adam Mørk/VELUX

Ganz bewusst sind die CarbonLight Homes auch nicht als Musterhaus zum „Herzeigen“ gedacht, sondern sollen in den kommenden Monaten tatsächlich von zwei Testfamilien bewohnt und anschließend am freien Markt verkauft werden. Während der Testphase findet im Haus ein umfangreiches Monitoring statt, aus dem Velux Rückschlüsse über die Funktionsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit hoch energieeffizienter Gebäude zu ziehen hofft.

CarbonLight Homes, Rothwell
Schnitt mit Energiekonzept; Zeichnung: VELUX

Energiekonzept
Grundlage für die gute Energiebilanz ist die hoch gedämmte Gebäudehülle, die „ringsum“ (einschließlich Bodenplatte) U-Werte von 0,11 W/m²K erreicht. Wesentlich zur Energiebilanz und zum Wohnbefinden der Nutzer trägt jedoch auch das Tageslicht bei: Die Fensterfläche im Gebäude beträgt nahezu 25% der Geschossfläche. So wurde in jedem Raum der beiden Häuser (außer der Garage) ein durchschnittlicher Tageslichtquotient von 5 Prozent erreicht. Das ist mehr als das Dreifache dessen, was der in Großbritannien für neu errichtete Wohngebäude verpflichtende „Code for Sustainable Homes“ velangt.

Schlüsselelement der Belichtungs- (und Belüftungs-) Strategie sind die beiden mehrgeschossigen, offenen Wohn- und Erschließungsbereiche, die sich über die gesamte Gebäudehöhe bis unter den First erstrecken. Durch den darin entstehenden Kamineffekt soll sich das Gebäude rein natürlich be- und entlüften lassen. Auf den Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wurde verzichtet. Im Sommer erlauben diese Atrien eine effiziente, über eine Fenstersteuerung automatisierte Kühlung des Gebäudes mit Nachtluft.

Die Wärme für den Neubau stammt aus zwei Quellen: Solarthermie-Kollektoren und eine Luft/Wasser-Wärmepumpe decken den Grundbedarf je etwa zur Hälfte. An sehr kalten Wintertagen können die Bewohner zusätzlich Biomasse-Öfen in Betrieb nehmen.

CarbonLight Homes, Rothwell
Energiebilanz; Zeichnung: VELUX

Einschließlich des gesamten Haushaltsstroms erreichen die CarbonLight Homes einen Primärenergiebedarf von und 85 kWh/m²a. Dem steht (durch Wärmepumpe und Solarkollektoren) eine Energieerzeugung von 66 kWh/m²a gegenüber. Die verbleibende Deckungslücke von 19 kWh/m²a – oder umgerechnet 8 kg CO2-Emissionen - wird durch eine in Großbritannien gebräuchliche Art des Ablasshandels ausgeglichen: Velux investierte in Sanierungsmaßnahmen an Bestandsgebäuden in der Nachbarschaft. Die dadurch jährlich erzielte Energieeinsparung überkompensiert den verbleibenden CO2-Ausstoß der CarbonLight Homes sogar.

Konstruktion
Im Inneren der mit Holzschindeln verkleideten Neubauten steckt ein tragendes Stahlskelett. Die Dachflächen bestehen aus 235 Millimeter starken „Structural Insulated Panels“, einem in Großbritannien gebräuchlichen, selbsttragenden Typ von Sandwichpaneelen mit PIR-Dämmkern und beidseitiger Beplankung aus OSB-Platten. Die Außenwände sind eine leichte Stahlskelettkonstruktion, deren Zwischenräume mit Mineralwolle ausgefacht und die außen zusätzlich mit 130 mm Hartschaumplatten überdämmt wurden. Insgesamt beträgt die Dämmstärke der Außenwände 230 Millimeter.

CarbonLight Homes, Rothwell
Innenansicht; Foto: Adam Mørk
CarbonLight Homes, Rothwell
Westfassade; Foto: Adam Mørk
Aktuelles Heft
DETAIL 9/2018
DETAIL 9/2018, Schulen

Konzept: Schulen

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.