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Wie Architektur hilft: Interview mit Francis Kéré

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Wie ist die derzeitige Baupraxis in Burkina Faso? Wer plant die Gebäude, wer führt sie aus? Gibt es Architekten in Burkina Faso?

Auch in Burkina Faso gibt es inzwischen Architekten. Allerdings sind es nur sehr wenige, rund 30-40, und sie sind nicht über eine Kammer organisiert wie hier in Deutschland. Prinzipiell darf in Burkina Faso jeder frei bauen, und das wird auch so praktiziert: Ein Bauherr sucht sich einen Maurer, dieser wiederum spricht weitere Kollegen an, man entwirft gemeinsam einen Plan und beginnt zu bauen.
Die wenigen Architekten, die es im Land gibt, reproduzieren meist Modelle aus dem Ausland, etwa Frankreich oder dem arabischen Raum, da die meisten von ihnen in Algerien studiert haben. Eine eigenständige, von Architekten getragene Architekturtraditon existiert in Burkina Faso dagegen nicht.

Welche Ausbildungsstätten für Architektur gibt es in der Region?

Für das gesamte französischsprachige Westafrika existiert nur eine einzige Architekturhochschule in Togo mit etwa 200 Studenten. Zudem hat sie wirtschaftliche Probleme, da die Ausbildung von Architekten sehr teuer ist. Früher gab es noch eine zweite Hochschule in Dakar im Senegal, aber diese ist schon vor vielen Jahren geschlossen worden. Etwas weiter entfernt werden auch Studiengänge an Hochschulen in Algerien und Marokko angeboten.
Für das anglophone Westafrika gibt es eine kleine Hochschule in Nigeria und eine weitere in Ghana. Diese kommen für Studenten aus Burkina Faso kaum in Frage, denn die unterschiedlichen Sprachen in der Region bilden vieler Hinsicht unüberwindliche Barrieren. Wohlgemerkt: Ich spreche von Westafrika. Andere Teile unseres Kontinents sind vergleichsweise besser ausgestattet. Südafrika zum Beispiel lässt sich hinsichtlich der Architektenausbildung durchaus mit europäischen Ländern vergleichen.

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Gab es regionale Bautraditionen in Burkina Faso, an die Sie mit Ihren Gebäuden anknüpfen konnten?

Ein Beispiel sind die traditionellen Hirsespeicher in Burkina Faso. Sie werden aus einer bestimmten Art von Lehm hergestellt, mit dem die Menschen gut umgehen können. Zudem sind sie aufgeständert, damit kein Ungeziefer an das Getreide gelangt und aufsteigende Feuchte aus dem Boden die Lehmwände nicht zerstört. Bislang habe ich noch kein Gebäude realisiert, das sich direkt an die Bauweise dieser Speicher anlehnt, aber ich arbeite gerade an einem entsprechenden Projekt.
Auch an die traditionellen Wohnhütten im Land habe ich angeknüpft. Sie bilden eine modulare Struktur, die wachsen, aber auch wieder schrumpfen kann. Wächst die Bewohnerzahl im Dorf, kann sehr leicht und schnell ein weiteres Modul hinzugefügt werden, ohne den Gesamtzusammenhang zu stören. Ebenso schnell kann – etwa wenn ein Bewohner stirbt oder wegzieht - ein Teil wegfallen, ohne dass die Gesamtstruktur ihren Zusammenhang oder ihre Schutzfunktion verliert. Ähnlich bestehen auch meine Schulen aus einzelnen, modular aneinandergereihten Klassenzimmern und sind dadurch jederzeit erweiterbar. Im Gegensatz zur traditionellen Bauweise versuche ich lediglich, alle Module unter ein gemeinsames Dach zu bringen.

Im Gegensatz zu den Hirsespeichern sind Ihre Schulen nicht aufgeständert. Wie haben Sie das Feuchteproblem hier gelöst?

Bei den Schulen besteht der Gebäudesockel aus Granitstein. Darunter haben wir eine kapillarbrechende Schicht aus Kies und Sand angelegt, die kein Wasser aufsaugt, so dass aufsteigende Feuchte die Gebäude selbst nicht erreichen kann.

Wo lagen weitere Grenzen hinsichtlich der Bautraditionen, wo waren definitiv Neuentwicklungen notwendig?

Vor allem in den Spannweiten. Sowohl die Hirsespeicher als auch die Wohnhütten haben Durchmesser von nur drei bis vier Metern, sind also viel kleiner als ein Klassenzimmer. Auch ein dauerhafter Wetterschutz gegen Regen ist bei den traditionellen Konstruktionen nicht gegeben - das musste ich alles erst entwickeln.

 

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Sie haben zunächst mehrere Bauten in Ihrem Heimatdorf Gando realisiert – darunter eine Schule – und später eine weitere Schule in Dano. Inwieweit ist diese Schule eine Weiterentwicklung des Vorgängerbaus in Gando?

In Dano haben wir statt Lehm Laterit für die Außenwände verwendet, ein Erosionsgestein, das in der Region häufig vorkommt. Unsere Innovation bestand darin, diesen Stein so zu behauen, dass für die Mauern nur wenig Mörtel notwendig war. Auch die Dächer sind eine Fortentwicklung. Wie in Gando haben wir hängende Unterdecken in die Räume eingefügt, diese aber so gestaltet, dass mehr Licht in die Räume gelangt. Die Unterdecken bestehen aus Hohlzementsteinen, die thermische Masse, aber auch Lufträume besitzen, um die Übertragung der Hitze von außen nach innen möglichst lange zu verzögern. Auch die Öffnungen in den Unterdecken sind größer als noch in Gando, um die Entlüftung der Räume zu verbessern.

Was von dem, was Sie in Berlin gelernt haben, konnten Sie auf die Projekte in Afrika übertragen, und was mussten Sie sich erst vor Ort durch Beobachtung und Gespräche erschließen?

In Berlin habe ich gelernt, zu planen und zu konstruieren, aber auch größere Zusammenhänge zu erkennen und zu verfolgen. In Burkina Faso habe ich mir ganz andere Kenntnisse angeeignet: etwa, wie man einen bestimmten Lehm für eine bestimmte Bauaufgabe erkennt, oder wie traditionelle Lehmfußböden hergestellt werden. Ich habe auch gelernt, wie Baulehm auf die traditionelle Art aufbereitet wird, so dass ich ihn auch für moderne Wohnbauten einsetzen kann. Schließlich habe ich in Burkina Faso gelernt, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und die Menschen vor Ort in eine Bauaufgabe einzubinden.

Welche Erkenntnisse ließen sich generell von Ihren Projekten in Afrika auf Europa übertragen?

„Eins zu eins“ würde das sicher nicht funktionieren, allenfalls im Sinne einer Umkehrung der dortigen Entwurfsstrategien: Bei einem Gebäude in Europa würde ich zu Beispiel versuchen, die geringe Sonneneinstrahlung im Winter bestmöglich zu nutzen, um Wärmegewinne in den Räumen zu erzeugen und mehr Tageslicht in die Gebäude zu bringen. Aber auch in Europa lässt sich – ebenso wie in Burkina Faso - mit thermischer Masse arbeiten. Strenggenommen bedeuten dickere Wände natürlich einen Flächenverlust, doch andererseits können sie auch dazu beitragen, Wärmegewinne im Gebäude zu halten.
Ähnlich wie bei meiner Arbeit in Afrika würde ich mich auch bei Projekten in Europa auf die jeweilige Region konzentrieren. In der Regel ist es nicht erforderlich, zum Bauen fortwährend teure Materialien zu importieren. Auch altes Handwerk lässt sich reaktivieren, wie Peter Zumthor das beispielsweise beim Museum Kolumba in Köln getan hat, wo er handgeformte Steine für die Außenwände verwendet und damit eine grandiose Ästhetik geschaffen hat. Solche Konstruktionen liegen auch meiner Arbeitsweise nahe.

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Haben Sie derzeit Aufträge in Europa?

Ich gestalte gerade die Innenräume für das Museum des Internationalen Roten Kreuzes und Roten Halbmonds in Genf und versuche, dort erstmals in einem öffentlichen Gebäude Stampflehm zu verwenden. Der Bauherr hat meine Idee ausgesprochen gut aufgenommen.

Sie lehren derzeit auch an der TU Berlin. Welche Erfahrungen aus Ihren afrikanischen Projekten versuchen Sie Ihren Studenten zu vermitteln?

Ich versuche ihnen Mut zu machen, die eigenen Sinne zu schärfen und nicht zu versuchen, die „großen“ Architekten nachzuahmen. Sie sollen ihren eigenen Weg gehen und sich auch ins Ausland begeben, um dort ihre Erfahrungen zu machen. Natürlich sollen sich meine Studenten auch ihre Vorbilder suchen, sie sollen vom Bestehenden lernen, ohne jedoch andere gedankenlos zu kopieren. Das versuche ich ihnen zu vermitteln.

Welche Unterschiede haben Sie beim Bauen in Europa und Afrika beobachtet, hinsichtlich der Interaktion mit Nutzern und ausführenden Unternehmen bzw. Handwerkern?

Wir leben und arbeiten hier in einer industrialisierten Welt, in der alles stark arbeitsteilig organisiert ist. Dagegen befindet sich das Bauen in Afrika noch ganz in den Anfängen. Andererseits ist das Arbeitspotenzial enorm, ein Handwerker kostet sehr viel weniger als in Deutschland. Folglich lässt sich Man kann mit dem Einsatz menschlicher Arbeit viel erreichen, was in Europa lediglich die Kosten in die Höhe treiben würde. Ich denke, das ist der wesentliche Unterschied zwischen Afrika und Europa.

Welche Unterschiede bestehen hinsichtlich der Rolle und der Aufgaben des Architekten selbst?

Der Hauptunterschied liegt darin, dass man als Architekt in Afrika viel mit Menschen zu tun hat, die keine Ausbildung haben. In Europa erhalten die Menschen eine formale Ausbildung, die sie auf die Arbeit in einem bestimmten Berufszweig vorbereitet. In Afrika geschieht Lernen dagegen eher durch Beobachtung und Mund-zu-Mund-Überlieferung, oder im Sinne des „learning by doing“. Das bedeutet, dass in Afrika mehr Geduld nötig ist, um den am Bau Beteiligten gewisse Dinge zu vermitteln. Hierzulande können Sie einem Handwerker einen Plan in die Hand drücken und sich mehr oder weniger darauf verlassen, dass er umgesetzt wird. In Afrika müssten Sie den Plan wahrscheinlich – und ich habe das viel getan – in den Sand zeichnen. Es ist immer eine Herausforderung, Menschen, die weder lesen noch schreiben können, Pläne zu erklären.

 

 

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Ihre Gebäude gelten als Musterbeispiele partizipativen Bauens. Wie war die lokale Bevölkerung in die Planung der Schulen in Gando und Dano konkret involviert?

Partizipation ist das A und O bei meiner Arbeit. Dabei muss man jedoch differenzieren: Bei der Arbeit für Bauherren ist die Situation eine andere als zum Beispiel in Gando, wo meine eigenen sozialen Projekte entstehen. Bei den sozialen Projekten sind die Budgets meistens knapper. Ich versuche daher, die gesamte Dorfgemeinschaft einzubinden und so Geld zu sparen. Natürlich muss man sich um die Einbindung der Menschen in die Arbeiten auch aktiv kümmern. Aber es macht jedes Mal viel Freude mit vielen Menschen zu sprechen und am Ende sehen zu können, wie ein Resultat entsteht, mit dem sich jeder identifizieren kann.
Aber auch bei den Auftragsarbeiten versuche ich, partizipatives Bauen soweit wie möglich zu integrieren. Bei manchen Projekten ist das eher möglich als bei anderen. Zum Beispiel habe ich gerade einen Park in Bamako, der Hauptstadt Malis, geplant. Fast 400 Menschen aus der örtlichen Bevölkerung haben dort bei den Bauarbeiten geholfen. Zuerst wurde ich etwas skeptisch beäugt, aber zum Schluss war der Bauherr sehr glücklich und stolz, dass sein Projekt so viele Arbeiter in Lohn und Brot gebracht hat und wegen dieser sozialen Wirkung auch in der Bevölkerung positiv aufgenommen wurde.
Ich rate meinen Bauherren immer, das große vorhandene Potenzial an Arbeitskräften in die Projekte einzubinden. Gerade in armen Ländern ist so eine Arbeitsweise enorm zukunftsträchtig, zumal die Menschen dabei auch neue Fertigkeiten lernen.

Gibt es auch einen Transfer Ihres Wissens zurück nach Afrika, in die dortige Architektenausbildung?

Im Moment habe ich leider alle Hände voll damit zu tun, meine eigenen Projekte zu koordinieren und meinen Lehrauftrag hier in Berlin zu erfüllen. Natürlich läge es auf der Hand, mich auch in der Architektenausbildung vor Ort zu engagieren, wenn ich eines Tages die Strukturen um mich herum habe, mein Wissen weitergeben zu können. Im kleinen Rahmen findet das ja bereits statt, indem ich mit anderen Architekten zusammenarbeite und sie in meine Arbeitsweise einführe. Viele Architekten aus Afrika lassen sich inzwischen von meinen Projekten inspirieren, und ich bekomme täglich ungefähr 20 Bewerbungen von Studenten und jungen Architekten, die bei mir arbeiten möchten. Das beiderseitige Interesse ist also vorhanden, aber ich habe momentan einfach zu viel zu tun, um mich auch Afrika in der Lehre einsetzen zu können.

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Gab es seither Landsleute, die Ihnen nachgefolgt sind – die also ins Ausland gegangen sind, um Architektur zu studieren, und sich nun wieder für ihre Heimat engagieren?

Meine Arbeit ist ja noch relativ jung, insofern bleibt erst einmal abzuwarten, welche Auswirkungen auf andere sie künftig noch zeitigen wird. Aber schon jetzt schreiben mich Menschen aus Burkina Faso an und berichten, dass ihre Sohn oder ihre Tochter etwas über mich gelesen hat und nun partout Architektur studieren will. Ich verbringe viel Zeit damit, diesen jungen Menschen zu erklären, dass eine Architekturausbildung teuer ist und man dabei viele Entbehrungen auf sich nehmen muss.
Mitunter finde ich es bereits beängstigend, welche Wellen meine Arbeit schlägt. Andererseits freut es mich natürlich auch. Als ich anfing, an der TU in Berlin zu studieren, haben mich noch viele belächelt, und meine Projekte für Gando wurden in Fachkreisen meist nicht als „richtige“ Architektur wahrgenommen. Es gab zwar vereinzelt Professoren, die zuvor bereits in Afrika gebaut hatten, doch diese sagten mir: „Wissen Sie, Herr Kéré, das, was wir hier tun, kann man eigentlich in keinem Hörsaal zeigen.“
Inzwischen jedoch vermitteln viele andere Universitäten, ähnliche Lehrinhalte wie ich, und das Interesse gerade bei der jüngeren Generation ist enorm. Auch viele Architekten haben sich an meiner Arbeit orientiert und sind damit teils ökonomisch sehr erfolgreich. Ich gönne den Kollegen diesen Erfolg – aber wichtig war mir doch immer, dass auch meine Leute in Gando etwas davon haben. Ich selbst habe eigentlich erst 2004, als ich den Aga Khan Award for Architecture erhielt, das Gefühl, dass meine Arbeit auch in der Fachwelt als „richtige“ Architektur akzeptiert wird. Im Ausland ist das im Übrigen noch stärker der Fall als hierzulande, auch in der Presse: Es gibt kaum ein Magazin in den USA, in Spanien oder in Italien, das noch nicht über meine Arbeit berichtet hätte. Für Deutschland ist dies jedoch das erste Mal, dass eine Fachzeitschrift wie die Ihre mich interviewt.
In Afrika ist dagegen mittlerweile ein Wendepunkt erreicht: Meine Arbeit hat sich herumgesprochen, und die vielen Anfragen, die ich erhalte, geben mit enorme Kraft – weil ich merke, dass das, was ich seinerzeit ganz naiv und ohne Lehrbuch begonnen habe, tatsächlich funktioniert.

Haben Sie einen Rat für Architekten aus Deutschland und anderen Industrieländern, die sich in Entwicklungsländern engagieren wollen?

Ich weiß nicht, ob ich der Richtige bin, hier Ratschläge zu geben. Doch um in diesen Regionen wirklich etwas zu bewirken, sollten Sie den kulturellen Ballast aus Deutschland erst einmal beiseite legen und auf die Menschen zugehen, mit denen Sie etwas erreichen wollen. Ist die Kommunikation mit ihnen erst einmal aufgebaut, lässt sich Erstaunliches erreichen. Notwendig ist dazu natürlich Zeit, von der der „westliche“ Mensch meist wenig hat. Dafür lässt sich von den Leuten vor Ort viel lernen, das dann mit dem eigenen, in Europa erworbenen Wissen zu einer fruchtbaren Synthese gebracht werden kann.

 

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Ist es empfehlenswert, sich für einige Wochen oder Monate vor Ort zu begeben?

Das ist wichtig. Man sollte allerdings nicht nach Afrika gehen, um vorwiegend das eigene Image zu pflegen. Mit diesem Ansinnen bin ich oft konfrontiert, gerade bei Unternehmen. Eine solche Einstellung wäre schade - aber sie lässt sich wohl nicht verhindern, weil sie zur Natur des Menschen gehört. Letztendlich glaube ich aber, dass ich das Gute durchsetzen wird. Daher sollte jeder, der will, nach Afrika gehen und seine Projekte realisieren – aber bitte gemeinsam mit den Menschen vor Ort.

Sie haben in Ihrem Heimatdorf Gando unter anderem auch ein Aufforstungsprojekt gestartet. Dabei soll jede Familie bei der Geburt eines Kindes einen Baum pflanzen. Was war Ihre Motivation?

Für mich ist Architektur nur der sichtbare Teil dessen, was ich in meiner Heimat tue. Ich fühle mich als Angehöriger einer Gemeinschaft, und jedes Mitglied der Gemeinschaft ist der Allgemeinheit verpflichtet. Meine Aufgabe ist es eben, gewisse Technologien einzuführen und eine bessere Infrastruktur für das Dorf zu schaffen. Es ist zum Beispiel großes Problem in Gando, dass wir viel weniger Bäume haben als früher, weil die Menschen sie abholzen und als Brennmaterial verwenden.
Auf diese Weise kam mir die Idee, meine Architektur durch ein Aufforstungsprojekt zu begleiten. Entscheidend ist jedoch nicht nur, dass wir Bäume pflanzen, aber auch, wie wir die Dinge tun. Zum Beispiel haben wir eine sehr einfache Bewässerungstechnologie für Pflanzen entwickelt: Wir verwenden Tonkrüge, schlagen ein Loch in ihren Boden, stellen sie auf die Erde und füllen sie mit Wasser. Rundherum pflanzen wir Setzlinge. Auf diese Weise können wir auch in der Trockenzeit gezielt junge Pflanzen wachsen lassen. Die Tonkrüge leeren sich nur langsam, die Verdunstung ist nicht sehr hoch, und das Wasser erhitzt sich nicht allzu schnell. Die Bewohner müssen lediglich alle zwei Wochen etwas Wasser nachfüllen. Notwendig ist lediglich noch ein Zaun, um die Wasserbehälter vor Tieren zu schützen, die sie leer trinken könnten. Wir haben das Prinzip jetzt im größeren Maßstab erprobt, und es funktioniert wirklich hervorragend.

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Low-Tech-Bewässerungssystem von Francis K?r? für Nutzpflanzen in Burkina Faso

Welche Rolle spielen Ihre Pflanzaktionen für die Ernährung der Dorfbevölkerung?

Wir haben an der Schule in Gando einen Gemüsegarten angelegt, wo wir den Schülern beibringen, wie man Gemüse auch in der Trockenzeit anbaut. Die Schüler lernen so, sich selbst zu ernähren. Darüber hinaus pflanzen wir viele Mangobäume, die später Früchte tragen. Das Konzept verknüpft also viele Ziele miteinander: Nahrungsversorgung, Begrünung, Bekämpfung der Erosion und ein Zurückdrängen der sich ausbreitenden Wüste.

Derzeit planen Sie ein Operndorf, das Sie mit dem im vergangenen Sommer verstorbenen Regisseur Christof Schlingensief initiiert haben. Was versprechen Sie sich von diesem Projekt, und wie geht es damit nun, nach dem Tode von Herrn Schlingensief, weiter?

Christoph fehlt uns natürlich sehr, und da es ist nicht einfach mit dem Projekt. Aber wir werden weiter bauen. Begonnen hatten mit dem Bau einer Schule, darauf soll eine Kantine folgen und Wohnhäuser für die Lehrer. Wir haben das Projekt in Phasen unterteilt und ein Gremium gebildet, um es zu koordinieren. Ich werde dabei weiterhin für die Architektur zuständig sein. Es wird weitergehen. Wir schauen einfach, wie weit wir kommen.

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